April 2006
„Die Deutsche Telekom AG begrüßt ausdrücklich den Verkauf von rund 192 Millionen T-Aktien, also rund 4,5 Prozent des Grundkapitals, aus dem Bestand der Kreditanstalt für Wiederaufbau an die private Investment-Gesellschaft Blackstone.“ Sie klingt fast überschwänglich, die Pressemitteilung, die die Telekom am 24. April über ein Ereignis herausgibt, das wie kein anderes die Atmosphäre in der Führungsspitze und im Kontrollgremium verändern wird.
„Alle konnten sich noch gut an die Heuschreckendebatte erinnern, die Franz Müntefering angezettelt hatte“, erzählt ein Manager der Telekom-Festnetzsparte, „und jetzt sitzt eine solche Heuschrecke bei uns im Boot.“ Das habe jede Menge Ängste ausgelöst, die sich im Laufe der nächsten Wochen und Monate verstärken.
Dem Vorstand müssen die Sorgen klar sein, als er im konzerneigenen Intranet zu beruhigen versucht: „Sehen Sie die Story doch so“, schreibt Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick dort: Die Telekom verfolge eine klare Strategie mit deutlichen Wachstumschancen, deshalb sei jetzt ein großer Investor eingestiegen.
Ein Finanzinvestor mit viel Kompetenz im Telekombereich und der nötigen Ungeduld soll jetzt Schwung in den Laden bringen und der T-Aktie auf die Sprünge helfen – das ist das Kalkül des Bundes, als er einen Teil seiner Aktien an Blackstone verkauft. Der Kontakt soll durch Ex-Telekom-Boss Sommer zu Stande gekommen sein, der Blackstone berät.
Die Überlegungen der Regierung machen Sinn, sind doch die T-Aktien der Joker von Finanzminister Peer Steinbrück, um die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben im Bundeshaushalt zu verkleinern. Er will Telekom-Anteile verkaufen – und das zu einem möglichst hohen Preis.
August 2006
Die Zahlen für das zweite Quartal haben es in sich: ein Minus von mehr als vier Prozent beim Inlandsumsatz, ein Minus von knapp 40 Prozent beim Vorsteuerergebnis, ein Minus von 14 Prozent beim Nettogewinn. Die Telekom muss ihre Umsatz- und Gewinnziele deutlich senken.
Die Nachricht trifft die Märkte völlig unvorbereitet. Der Kurs der T-Aktie fällt zeitweise um zehn Prozent. Gerüchte über eine Ablösung Rickes, dessen Vertrag im November 2007 ausläuft, machen die Runde.
Immer lauter wird die Kritik an der Verfassung der Telekom und an dem Mann an der Spitze. Doch Ricke gibt nicht auf, sondern verfällt in hektische Betriebsamkeit: Strategiesitzungen, Preisfindungsrunden, Business-Calls: Eine Veranstaltung folgt der nächsten, einen Top-Manager nach dem anderen lädt Ricke in sein Büro, um ihn sich persönlich zur Brust zu nehmen.
Der Aufsichtsrat hatte kurz vor der Bekanntgabe der Zahlen die schlechten Nachrichten erhalten. „Daraufhin haben die Kontrolleure eigentlich nur den Finger mahnend erhoben und gefordert, jetzt müsse was passieren.“ Eine Art Gelbe Karte, noch nett verpackt? Nicht ganz: Den wichtigsten Anteilseigenern, dem Bund und Blackstone, sei der Geduldsfaden gerissen, ein Nachfolger für Ricke müsse her, heißt es in Berliner Regierungskreisen. Auch Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel habe angefangen, darüber nachzudenken. „Rickes Ablösung ist nicht von einem Anteilseigner allein betrieben worden“, wird ein Aufsichtsrat drei Monate später sagen.
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