September 2006
Klausurtagung auf dem Petersberg in Bonn: Ricke präsentiert dem Aufsichtsrat das Ergebnis seiner Arbeit der vergangenen drei Wochen: das Sieben-Punkte-Programm „Telekom 2010“. Mit neuen aggressiven Preisen, einer Charmeoffensive bei den Kunden und einem Sparprogramm für die Zentrale und die einzelnen Sparten will er die Krise meistern. Im Prinzip ist all das aber nur ein neuer Aufguss von Programmen, die schon seit Jahren konzernweit unter Titeln wie „Excellence“, „Save for Growth“ oder „Reinvent“ laufen.
Bei der anschließenden Diskussion mit den Aufsichtsräten ist der Ton rau. Vor allem Vertreter der Kapitalseite halten die Pläne für untauglich und geben dies auch „aggressiv“ kund, wie sich einer der Teilnehmer erinnert.
Das Ende der Veranstaltung: „Es stand 50 zu 50“, erzählt ein Telekom-Manager, „kein klares Signal für eine Vertragsverlängerung, aber auch kein Signal für das Gegenteil.“
Aus Kreisen des Aufsichtsrates gibt es eine andere Version: „Die Würfel sind gefallen – gegen Ricke.“ Innerhalb kürzester Zeit entsteht eine Liste mit möglichen Nachfolgern. In der Öffentlichkeit wird über den Chef der britischen BT, Ben Verwaayen, spekuliert.
Oktober 2006
Die Probleme sind mehr als 6 000 Kilometer weit weg. Kai-Uwe Ricke reist in die USA, um dort endlich mal wieder gute Nachrichten zu verkünden: Die Mobilfunktochter der Telekom auf der anderen Seite des Atlantiks hat wichtige Mobilfunklizenzen ersteigert und kann ihr Geschäft jetzt deutlich ausbauen. Im 36. Stock des mondänen Mandarin Oriental Hotels in New York verkündet die Telekom ihre US-Pläne.
In Rickes Gesicht ist keine Freude darüber erkennbar. Der Mann steht unter Druck, und das ist nicht zu übersehen. Seine Antworten auf die Fragen der Journalisten fallen noch knapper aus als sonst. „Wie ich bereits sagte“, leitet er seine Antworten ein. Oder übergibt gleich das Wort an Mobilfunkvorstand René Obermann und Finanzchef Karl-Gerhard Eick.
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