10. November 2006
Um 19.26 Uhr läuft die erste Meldung über die Nachrichtenagenturen: Ricke soll an der Telekom-Spitze abgelöst werden. Als Nachfolger sei T-Mobile-Chef Obermann vorgesehen. Die Nachricht erreicht den Telekom-Vorstand ohne jede Vorwarnung. Einige telefonieren miteinander, können nicht glauben, was sie da hören. „Quatsch, da treibt wieder irgendjemand eine neue Sau durchs Dorf“, sagt ein hochrangiger Manager dem Handelsblatt zur Tagesschau-Zeit. 45 Minuten später ruft der Mann noch einmal an: „Vergessen Sie das Gespräch von vorhin, ich war nicht auf dem neuesten Stand.“
Es passiert, was keiner in der Führungsspitze erwartet hat: Ricke verliert seine Rückendeckung im Aufsichtsrat. „Es gab nicht den geringsten Hinweis im Vorfeld, stattdessen Aufmunterung und ein nettes Lächeln auf den Gesichtern der Aufsichtsräte“, heißt es in Unternehmenskreisen. Hatten Aufsichtsrat und Vorstand doch gerade in den vergangenen Wochen häufiger getagt, um über die Zahlen für das dritte Quartal zu reden. „Normalerweise ergeben sich da genügend Hinweise, man weiß, wo die andere Seite steht“, erzählt ein Telekom-Manager. Nicht in diesem Fall.
Wann Ricke davon erfahren sollte, dass er abgelöst wird? Darüber kursieren unterschiedliche Versionen. Aus Regierungskreisen heißt es: „Die Ereignisse haben sich ungewollt überschlagen und schnellere Entscheidungen provoziert.“ Der ursprüngliche Plan des Aufsichtsrates habe anders ausgesehen: Erst nach der regulären Sitzung des Gremiums Anfang Dezember sollte die Entscheidung, Rickes Vertrag nicht zu verlängern, bekannt gegeben werden.
Ebenfalls in Berlin erzählt man sich aber: Alles sei nach Plan gelaufen. Es sei bewusst ein falsches Datum – nämlich der 19. November – an die Öffentlichkeit lanciert worden, um zu verschleiern, dass sich das Aufsichtsratspräsidium schon eine Woche eher trifft. „Das ist alles professionell eingefädelt worden“, sagt ein Kommunikationsprofi.
11. und 12. November 2006
Die Telefondrähte laufen heiß – zwischen Obermann und Zumwinkel. Der Mobilfunkvorstand bekommt die offizielle Anfrage, ob er Rickes Posten an der Telekom-Spitze übernehmen wolle. Auch Obermann und Ricke telefonieren immer wieder. Die beiden Manager verbindet eine lange Freundschaft. „Sie haben ihre Marschroute abgestimmt“, sagt einer, der mit beiden zusammenarbeitete, „das haben sie bislang schon so gemacht – mit Blick auf die Strategie des Konzerns, das tun sie auch jetzt bei der Stabsübergabe.“
Wann Zumwinkel im Aufsichtsrat abklopft, ob Obermann die nötige Mehrheit bekommt? Das bleibt unklar. Fest steht nur: Der Aufsichtsratschef braucht einen Kandidaten, der in diesem Gremium 14 Stimmen, also eine Zweidrittelmehrheit bekommt. Ohne die Arbeitnehmervertreter geht das nicht. Die können mit Obermann leben – in der Hoffnung, dass er nicht so radikal in Sachen Personalabbau vorgeht, wie es womöglich ein externer Manager machen würde.
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