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Netz-Proteste: Facebook verteidigt seinen Inhaltefilter

Kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen üben harte Kritik an Facebooks Inhaltefilter. Es werde immer schwieriger mit den Fans zu kommunizieren. Facebook filtert, wer welche Postings zu sehen bekommt.

Der Inhaltefilter sorgt dafür, dass nur eine Auswahl der Postings angezeigt wird. Quelle: picture alliance / dpa Julian Stratenschulte dpa/lni
Der Inhaltefilter sorgt dafür, dass nur eine Auswahl der Postings angezeigt wird. Quelle: picture alliance / dpa Julian Stratenschulte dpa/lni

San FranciscoGetrieben von wachsender öffentlicher Kritik an seinem Geschäftsmodell geht Facebook in die Offensive. Auf einer Presseveranstaltung in Menlo Park versuchte das Soziale Netzwerk am Wochenende die Wogen zu glätten und die Systematik hinter seinen Inhaltefiltern zu erklären. Sie sorgen dafür, dass viele der von Facebook-Nutzern oder Unternehmen versendeten Nachrichten nur wenige Empfänger erreichen. Es sei denn, man bezahlt dafür. Das sei im besten Sinne der Nutzer, argumentiert Facebook.

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Besonders von kleinen Unternehmen, aber auch von Werbe-Managern und Web-Investoren wie Mark Cuban, Eigentümer des Basketballteams Dallas Mavericks, war zuvor heftige Kritik an dieser Inhalte-Zensur gekommen. Cuban etwa beabsichtigt nach eigenen Aussagen seine Facebook-Aktivitäten einzufrieren und sich anderen Netzen wie Twitter, Tumblr oder Myspace zuzuwenden. Das Argument: Über Jahre habe Facebook Unternehmen ermuntert, mit hohem finanziellen Aufwand Facebook-Seiten aufzubauen und Fans zu gewinnen („Likes“). Nun, nach dem Börsengang von Facebook, solle man für den Zugang zu seinen Kunden (Fans) bezahlen.

Die größten Sorgen von Facebook

  • Die Nutzer bleiben aus

    Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

  • Die Werbung bleibt aus

    Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

  • Die Konkurrenz schläft nicht

    Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

  • Die Staatsmacht greift durch

    Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

  • Die Nerds untergraben das Geschäft

    Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

Auch gemeinnützige Organisationen und Non-Profit-Organisationen äußerten Kritik. Es werde immer schwieriger, sich mit seinen Mitgliedern auszutauschen, wenn immer nur ein kleiner Teil der gesamten Interessenten eine Nachricht zu Gesicht bekomme. Facebook selbst nennt einen typischen Satz von 15 bis 20 Prozent aller Facebook-Freunde, die eine gepostete Nachricht auch sehen.

Wer vom Facebook-Börsengang profitiert

  • Mark Zuckerberg

    Der Chef und Gründer von Facebook besitzt knapp 534 Millionen Aktien. Dieser Anteil von 28 Prozent ist etwa 28 Milliarden Dollar wert. Damit wäre der 27-Jährige der viertreichste Amerikaner. Nach einer Aufstellung der Zeitschrift „Forbes“ sind dann nur Microsoft -Gründer Bill Gates, der legendäre Investor Warren Buffett und Oracle -Chef Larry Ellison wohlhabender als Zuckerberg.

  • Risikokapitalgeber

    Jim Breyer und seine Risikokapitalfirma Accel Partners besitzen zusammen etwa elf Prozent der Facebook-Anteile, die nun etwa 11,4 Milliarden Dollar wert sein dürften. Accel stieg bei Facebook im Jahr 2005 ein, als das Unternehmen mit 100 Millionen Dollar bewertet wurde. Das Unternehmen investierte damals 12,7 Millionen Dollar.

  • Einzelinvestoren

    Weitere wichtige Eigner sind die russische Gesellschaft DST Global mit sieben Prozent, Goldman Sachs mit 3,5 Prozent, der Investor Peter Thiel mit zwei Prozent und die Firma T. Rowe Price mit einem Prozent. Der Internetpionier Marc Andreessen und seine Beteiligungsfirma Andreessen Horowitz besitzen einen kleinen Teil von Facebook.

    Die Rendite der Eigner hängt davon ab, wann sie die Anteile kauften. Investor Thiel dürfte prozentual den größten Gewinn gemacht haben: Er stieg schon im Jahr 2004 ein und investierte damals 500.000 Dollar.

  • Mitbegründer

    Facebook-Mitbegründer Dustin Moskovitz besitzt etwa sieben Prozent des Unternehmens. Ein weiterer Mitbegründer, Eduardo Saverin, hielt früher einen geschätzten Anteil von fünf Prozent, taucht aber in der Liste der wichtigsten Aktionäre nicht mehr auf. Saverin hat wahrscheinlich einen großen Teil seiner Aktien verkauft.

  • Angestellte

    Auch für viele der 3200 Facebook-Angestellten dürfte sich der Börsengang auszahlen, weil ihre Arbeit auch mit Aktienoptionen vergütet wird. Autohäuser, Immobilienmakler und Luxushändler im Silicon Valley reiben sich schon die Hände. Manche Facebook-Mitarbeiter wollen ins All fliegen. Andere planen archäologische Expeditionen zu Maya-Ruinen.

  • Familienmitglieder

    Aus dem Antrag für den Börsengang geht hervor, dass auch Verwandte von wichtigen Facebook-Managern großzügig mit Aktien bedacht wurden. So unterstützte Zuckerbergs Vater Edward die noch junge Firma in den Jahren 2004 und 2005 mit Geld und bekam eine Option zum Kauf von zwei Millionen Aktien. Die Frist zur Ausübung ließ er aber verstreichen. Im Dezember 2009 erhielt Edward Zuckerberg aber schließlich zwei Millionen Anteilsscheine von Facebook.

Produktmanager Will Cuthart verteidigte das Vorgehen Facebooks mit der schieren Masse von Nachrichten und Benachrichtigungen, die auf einen Nutzer mit vielen Freunden täglich einprasseln. „Das Problem mit dem Nachrichtenstrom ist, dass die Leute täglich auf Facebook kommen“, zitiert Techcrunch den Manager, „aber nicht die Zeit haben alles zu lesen, was hereinkommt.“ Deshalb sortiere man das Wichtige heraus. Tatsächlich haben viele Facebook-Nutzer in der Vergangenheit wahllos Freunde gesammelt wie Briefmarken, oft tausende, aber danach mit vielen davon nie ernsthaft kommuniziert. Diese Karteileichen sollen die Filter aufspüren und ausblenden.

  • 19.11.2012, 13:25 Uhrgreich

    Ob Facebook sich nicht warm anziehen soll?! Hier ein Paar Gedanken. http://imzugderzeit.wordpress.com/2012/11/18/facebook-die-symptome-einer-krankheit-und-das-konzept-der-verganglichkeit-aller-dinge/

  • 18.11.2012, 20:07 Uhrraffgier

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • 18.11.2012, 15:01 Uhrnonprofit

    facekook *ist* mein Filter, die "Inhalte" :-) erreichen mich grundsätzlich nicht.

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