Netzneutralität
Telekom bietet Vorfahrt für Umsatz

Telekom-Chef Höttges hat sich zur EU-Verordnung zur Netzneutralität geäußert. Er bietet kleinen Unternehmen Vorfahrt in ihrem Netz für eine Umsatzbeteiligung an – und könnte so die Sorgen der Kritiker verschärfen.

Eigentlich sollte laut der am Dienstag im EU-Parlament verabschiedeten neuen Verordnung für die Netzneutralität sich niemand Vorfahrt im Internet erkaufen dürfen – außer Spezialdiensten. Wie genau diese Dienste aussehen, ist allerdings nicht klar formuliert. In der Diskussion vor der Entscheidung wurden dabei immer Angebote wie mobile Gesundheitsdienste oder vernetztes Fahren genannt. Kritiker jedoch sehen in diesen nun zugestandenen Ausnahmen für Spezialdienste eine Einschränkung der Netzneutralität.

Diese Sorge könnten durch einen Kommentar des Chefs der Deutschen Telekom verschärft werden. Darin erklärt er zunächst, die Verordnung sei ein Kompromiss zwischen den Positionen der „teilweise fundamentalistischen Netzaktivisten“, Internetunternehmen, „die fürchten, stärker zur Kasse gebeten zu werden“ und Telekommunikationsunternehmen, „die um die Refinanzierung ihrer milliardenschweren Investitionen in die Breitbandinfrastruktur fürchten.“

Der gefundene Kompromiss sei durchaus ausgewogen, so Höttges weiter. „Gegen unseren Wunsch gibt es Regeln zur Netzneutralität und damit mehr Regulierung.“ Gleichzeitig bleibe es aber möglich, auch in Zukunft innovative Internetdienste zu entwickeln, die höhere Qualitätsansprüche haben. „Das sind die so genannten Spezialdienste“, beschreibt er seine Interpretation dieser Angebote.

Weiter führt er aus, warum er glaubt, dass diese Spezialdienste nötig sind: „Das fängt bei Videokonferenzen und Online-Gaming an und geht über Telemedizin, die automatisierte Verkehrssteuerung und selbststeuernde Autos bis zu vernetzten Produktionsprozessen der Industrie.“ Gemeinsam hätten diese Dienste, dass sie andere, teilweise höhere Qualitätsanforderungen haben als das einfache Surfen oder die E-Mail, die auch ein paar Millisekunden später ankommen könnten. Dagegen sollte „eine Videokonferenz beispielsweise auch zu Stoßzeiten im Netz nicht ins Stocken geraten. Deshalb muss die Möglichkeit bestehen, dass die Daten empfindlicher Dienste im Stau Vorfahrt bekommen“.

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Netzaktivisten warnen vor Zwei-Klassen-Internet

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