Netzreaktionen
Telekom legt sich mit dem Internet an

Die Telekom will die Internetgeschwindigkeit auch im Festnetz drosseln. Wer ein bestimmtes Datenvolumen überschreitet, soll draufzahlen. Das Netz protestiert und fürchtet ein Ende der Netzneutralität.
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DüsseldorfDas Netz tobt. Denn für das Netz geht es um das Netz. Darum, dass es langsamer werden soll, wenn es nach der Deutschen Telekom geht. Die hat angekündigt, für Neukunden die Geschwindigkeit für das Festnetz-Internet zu drosseln, sobald diese ein gewisses Datenvolumen überschritten haben. Wer mehr als 75 Gigabyte Daten im Monat über die Leitung abruft (10 Filme in HD-Auflösung), dessen Verbindungsgeschwindigkeit wird auf 348 Kilobit pro Sekunde gedrosselt – oder muss draufzahlen.

Seit die Telekom ihre Pressemitteilung verschickt hat, tobt im Netz ein Sturm der Entrüstung. Auf der Facebook-Serviceseite der Telekom protestieren enttäuschte Kunden im Sekundentakt. So schreibt etwa Dennis Kröger: „Ihr habt soeben zwei Kunden verloren. Drosselungspolitik sei Dank.“ Zwar betrifft die Vertragsänderung nur künftige Kunden und sofort in Kraft treten soll sie auch nicht. Doch die Ankündigung reicht, dass einige Nutzer bereits ankündigen, ihren Vertrag zu beenden.

Denn kaum etwas nervt Internetnutzer so sehr wie eine langsame Datenverbindung. Und die Zeit des Modems solle bitteschön vorbei sein. Bei Facebook schreibt Dennis Deutschkämer etwa: „Wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann kann ich, wenn ich [einen] 200Mbit/s-Vertrag bei euch buchen würde, diese nur 9 Minuten am Tag voll nutzen, damit die Drosselung auf 348kbit/s nicht eintritt.“ Eine Antwort bekommt bislang keiner der Nutzer – das Serviceteam der Telekom scheint auf die Masse der Anfragen nicht vorbereitet zu sein.

So lange das Internet noch schön schnell ist, sprudeln auch die sarkastischen Witze zügig durch die sozialen Netzwerke. So wirbt eine gefälschte Anzeige mit einer Schnecke für das „DSL für das 21. Jahrhundert.“ Und fügt hinzu: „Trenn dich! Es verbindet.“ Das Twitterkonto @metronaut nimmt auch in einer anderen Variante die Entscheidung der Telekom mit einer umgestalteten älteren Anzeige des Konzerns aufs Korn. „Mit Modemgeschwindigkeit durchs Netz humpeln“, steht neben einer lachenden Frau mit Gipsbein. Sie hält ein Schild vor sich mit der Aufschrift: „Ich bin gedrosselt.“

Der Spaß hat einen ernsten Kern: So wirft das Blog Netzpolitik der Telekom vor, dass sie durch die Drosselung die Netzneutralität verletze, da das Unternehmen auch die eigenen Dienste gegenüber der Konkurrenz bevorzuge. So wird etwa das Telekom-Produkt Entertain nicht in das monatliche Datenvolumen eingerechnet, andere Videoportale wie Youtube oder Zattoo hingegen schon.

Auch der Blogger Carsten Knobloch wittert schon eine eigene Telekom-Einstellung für Youtube:

Auf der Facebook-Seite von Handelsblatt Online kommentiert Andreas Jupe: „Mal gespannt wie der Wettbewerb reagiert!!! Im Endeffekt könnten jetzt die Kabelnetzbetreiber gewaltig punkten, wenn sie die Unzufriedenheit der Telekom-Kunden zu nutzen wissen. Die anderen DSL-Anbieter müssen ja, dank der Einmietung ins Telekom-Netz, mitziehen.“ Die Frustration bei den Kunden ist groß.

Cihan Celik drückt mit seiner Nachricht bei der Telekom das ganze Elend aus: „Hallo Telekom. Ich habe einen Mobilfunkvertrag bei euch. Aufgrund eurer DSL-Flatrate Tarifneuregelung heißt es bald auch für mich: Tschüss Telekom. Möge der Shitstorm beginnen.“ Dabei hat er längst begonnen – und könnte für den Bonner Konzern schmerzhaft werden.

huGO-BildID: 30544442 Jonas Jansen Handelsblatt Online 4 / 2013 Quelle: Handelsblatt Online
Jonas Jansen
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Netzreaktionen: Telekom legt sich mit dem Internet an"

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  • 75 ist auf jedenfall zu knacken. wenn man jahre aus der substanz dividende ausschüttet kommts eben vor, dass man zu wenig investiert hat.

  • Die Telekom wird durchweht vom Geist der Deutschen Bundespost/Fernmeldeamt. Das war bis in die 1980er Jahre die , natürlich monopolistische, Behörde des Bundes. Diese hat in der BRD jegliche Kommunikation verwaltet. Diese 75 GByte Grenze habe ich entweder nicht völlig verstanden, oder es wird so ziemlich jeder Kunde der TELEKOM betroffen sein. Gestern habe ich mir ein Programm zur Aufzeichnung meines Datenvolumens installiert, heute bin ich bei 83 GB. Das bei sechs Stunden Nutzungsdauer. Möglicherweise ist dann eine Angebotsoffensive geplant, mit welchen Zuzahlungen man die Grenze wieder toppen kann. Ich sag nur: Wachstum muss her.

  • @B.Giertz

    Ich weiß ja nicht was das mit Verschwörungstheorie zu tun hat, aber bitte.

    "beliefert" steht nicht umsonst in Anführungszeichen. Ähnlich den Stromanbietern kaufen die meisten Konkurrenten der Telekom Kontingente oder zahlen Gebühren für die Nutzung der Leitungen.

    Netcologne deckt als regionaler Anbieter wohl kaum ganz Deutschland ab und wird es auch nie tun. Somit sind diese Anbieter keine Gefahr für die Pläne der Telekom, die ich persönlich nicht dramatisch finde.

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