Netzwerk-Strategie
Autoindustrie tüftelt an digitalen Vertriebsformen

Es tut sich was in einer Industrie, die bisher von Blech und Chrom stärker geprägt war als von Bits und Pixeln. Volkswagens Premiumtochter Audi zählt bereits 2,5 Millionen Facebook-Fans, Ford sucht über die Plattform Testfahrer. Doch die Zeiten rein spielerischer Einbindung der digitalen Welt sind vorbei - auch hier wird das Geschäft immer wichtiger.
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HAMBURG. Christian Klingler weiß, was auf die Autobranche zukommt. Volkswagens Vertriebsvorstand predigt seiner Mannschaft seit Monaten den digitalen Wandel. Hersteller und Autohäuser sollen mit den Kunden auf allen Kanälen kommunizieren, fordert der VW-Manager.

Es tut sich was in einer Industrie, die bisher von Blech und Chrom stärker geprägt war als von Bits und Pixeln. Volkswagens Premiumtochter Audi verzeichnet mit mehr als 2,5 Mio. Facebook-Fans weltweit eine schnell wachsende Audi-Community - allein die Facebook-Gemeinde der Marke mit den vier Ringen in Deutschland wächst derzeit täglich um bis zu 1 000 neue Fans.

Ford sucht für seine hierzulande im Frühjahr 2011 debütierende Neuauflage des Golf-Rivalen Focus weltweit 100 Testfahrer "mit sozialem Engagement und Gewissen". Kandidaten sollen ihre Video-Bewerbung via Facebook abgeben. Der US-Autobauer lädt 100 Tester nach Südfrankreich ein und stellt ihnen insgesamt eine halbe Mio. Dollar bereit, die sie dann gemeinnützigen Organisationen spenden dürfen.

Bisher nutzen die Autokonzerne die digitale Gesellschaft für exklusive Angebote. Der japanische Hersteller Mazda etwa präsentiert seinen neuen Kleinwagen Mazda2 vor dem Start klassischer Kampagnen ausschließlich auf Facebook.

Bei keinem anderen Modell überschnitten sich die Zielgruppen so stark mit der Nutzerstruktur des sozialen Netzwerks, glauben die Vertriebsstrategen des Autokonzerns.

Mazda bedient sich dazu der "Lieblingsthemen typischer Facebook-User" und verknüpft "Musik, Design und Gaming". Ein Design-Center ermöglicht es, die Eigenschaften des Polo-Konkurrenten kennenzulernen - und interaktiv zu erfahren. Die Verknüpfung zur realen Vertriebswelt ist fest eingebaut: Die Nutzer können unmittelbar Probefahren vereinbaren.

Erprobt hat den Ansatz bereits der koreanische Konkurrent Kia. Die Nutzer können das Modell Venga dreidimensional im Web testen. Besonderer Clou: Ein ausgedrucktes Lenkrad lässt sich in die Webcam halten und wird so zur Steuerung des Autos genutzt.

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