Netzwerkausrüster
Ericsson erschreckt Anleger

Schwarzer Tag für Ericsson: Der Netzwerkausrüster leidet unter der schwachen Nachfrage nach Infrastruktur. Der Umsatz ist rückläufig. Auch das Stammgeschäft leidet. An der Börse geht es für die Aktie deutlich abwärts.

STOCKHOLM. Ein besseres Abschiedsgeschenk hätten sich die Aktionäre des schwedischen Telekommunikationsausrüsters Ericsson schon gewünscht: Doch der scheidende Konzernchef Carl-Henric Svanberg präsentierte einen enttäuschenden Quartalsbericht bevor er zum 1. Januar 2010 als Vorstandschef zum britischen Öl-Riesen BP geht. Der weltgrößte Hersteller von Mobilfunknetzen leidet wie die Konkurrenten Nokia Siemens Networks und Alcatel Lucent unter der Wirtschaftskrise.

Die Telekom-Gesellschaften haben auf die Investitionsbremse getreten und zögern den Ausbau ihrer Netze hinaus. In Zahlen liest sich die Krise so: Der Umsatz fiel im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 46,4 Mrd. Kronen (4,5 Mrd. Euro), der Vorsteuergewinn sank auf vier Mrd. Kronen. Ein Jahr zuvor betrug der Vorsteuergewinn noch 6,2 Mrd. Kronen. Damit enttäuschte Ericsson die Erwartungen, der Aktienkurs stürzte zunächst um acht Prozent ab, erholte sich später etwas.

Das von Svanberg in Stockholm angesprochene „schwierigere Umfeld“ hat nach Meinung von Analysten auch Namen: Die chinesischen Ericsson-Konkurrenten Huawei und ZTE setzen dem Platzhirsch mit immer niedrigeren Preisen ordentlichzu. Svanberg machte auch die weiter anhaltende Kreditklemme für das unerwartet schlechte Abschneiden seines Konzerns verantwortlich. Zwar sei auf den Kreditmärkten mittlerweile wieder viel Geld vorhanden, doch habe das einige Schwellenländer nicht erreicht, so der Ericsson-Chef.

Tatsächlich büßte Ericsson in Afrika, dem Nahen Osten und Osteuropa elf Prozent Umsatz ein. In Lateinamerika sanken die Einnahmen sogar um 18 Prozent. „Das war kein schöner Quartalsbericht“, urteilte Greger Johansson, Telekom-Analyst vom Marktforscher Redeye. Und Jan Ihrfeldt, Analyst bei Swedbank in Stockholm, spricht von einem Quartalsbericht, „der in fast allen Punkten schlechter als erwartet“, war.

Ein kleiner Lichtblick ist die Umstellung der Mobilfunknetze von dem GSM- auf den UMTS-Standard, die in den USA, China, Indien und Japan derzeit läuft. Positiv hat sich auch das Dienstleistungsgeschäft mit Wartung, Instandhaltung und Betrieb der Netze im Auftrag der Telekom-Konzerne entwickelt. Eine Prognose wollte Svanberg nicht geben. Das darf sein Nachfolger Hans Vestberg im kommenden Januar nachholen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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