Netzwerkbauer Ericsson setzt zu milliardenschwerer Rosskur an

Der Netzwerkbauer Ericsson will sich auf das Dienstleistungsgeschäft fokussieren und Optionen für seine defizitäre Mediensparte sondieren. Dazu sollen Rückstellungen von bis zu 944 Millionen Euro gebildet werden.
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Der schwedische Netzwerkausrüster kämpft weiter mit hartem Gegenwind. Quelle: dpa
Ericsson

Der schwedische Netzwerkausrüster kämpft weiter mit hartem Gegenwind.

(Foto: dpa)

StockholmDer schwächelnde Netzwerkbauer Ericsson nimmt bei der Suche nach einem Ausweg aus seiner Krise Milliardenlasten in Kauf. Allein wegen „negativen Entwicklungen bei großen Kundenprojekten“ würden im ersten Quartal Rückstellungen von bis zu umgerechnet 944 Millionen Euro gebildet, teilte das schwedische Unternehmen am Dienstag mit. Auch dürften Abschreibungen den Betriebsgewinn um bis zu 420 Millionen Euro schmälern.

Zudem kündigte der zu Jahresanfang angetretene Chef Börje Ekholm einen Konzernumbau an. Die Kosten bezifferte er für 2017 auf bis zu 840 Millionen Euro. Ericsson will sich verschlanken, wieder auf das Dienstleistungsgeschäft fokussieren und die Optionen für die defizitäre Mediensparte sondieren.

Dinosaurier des Internets
Netscape Navigator
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Netscape Navigator

Lange vor Firefox, Chrome & Co war Netscape der Standardbrowser schlechthin. „Mitte der 1990er Jahre hatte Netscape einen Marktanteil von 80 Prozent”, erklärt der Bremer Historiker Daniel Crueger, der die digitale Geschichte und ihr kulturelles Erbe erforscht. Doch 1995 begann mit der Markteinführung des Microsoft Internet Explorers der sogenannte erste Browserkrieg, für den Microsoft erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen mobilisierte. Netscape konnte diesen ungleichen Kampf nicht gewinnen: Von AOL zwischenzeitlich übernommen wurde der Browser 2007 eingestellt.

Second Life
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Second Life war die revolutionäre Idee, ein soziales Netzwerk in eine virtuelle Welt zu verlagern. Als 3D-Avatare bewegen sich die Nutzer durch virtuelle Welten. Das Angebot des US-Unternehmens Linden Lab ging 2003 online. Doch nach einem anfänglichen Hype war es schnell still um Second Life geworden. Zwar ist das Netzwerk noch online, Nutzerzahlen liegen aber nicht vor.

Realplayer
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Der Realplayer und das gleichnamige Format war für alle Systeme verfügbar und brachte Mitte der 1990er Jahre zwei Vorteile: „Es erlaubte eine hohe Komprimierung der Daten, die in den Anfangszeiten des Internets mit seinen geringen Bandbreiten wichtig war, und es war für Video- und Audio-Live-Streams geeigneter als konkurrierende Formate wie Quicktime und MPEG”, erklärt Stephan Dörner vom Digitalmagazin „t3n”. Letztlich verdrängte jedoch das Flash-Format den Player. Der Realplayer existiert aber heute immer noch in einer aktuellen Variante.

Altavista
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Die Suchmaschine ging 1995 online und war jahrelang Marktführer. „Altavista hat seine Suchergebnisse vor allem aus den sogenannten Meta-Daten einer Website erstellt”, erklärt Timm Lutter vom IT-Verband Bitkom. Dann kam 1998 Google und machte es „besser”, indem der Gesamttext einer Seite analysiert wurde. Für Altavista ging es stetig bergab, bis der letzte Besitzer Yahoo die Suchmaschine nach mehreren Verkäufen 2013 abstellte.

StudiVZ
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Ursprünglich als Studenten-Netzwerk konzipiert und dann ausgeweitet, war StudiVZ zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Als der Dienst 2005 ans Netz ging, war die Epoche von Social Media soeben angebrochen. StudiVZ war für eine ganze Generation der Social-Media-Erstkontakt, und zu ihrer Hochzeit hatte die VZ-Gruppe rund 16 Millionen aktive Nutzer. Doch die wachsende Nutzerzahl und Internationalität von Konkurrent Facebook führte dann zur Verwaisung zahlloser StudiVZ-Accounts – die Plattform ist aber noch online.

ICQ
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Der Messenger ging 1996 an den Start und blieb in seiner Hochzeit mehr als 470 Millionen Nutzern weltweit mit seinem einprägsamen „Uh-oh” beim Eingang neuer Chat-Nachrichten in den Ohren hängen. ICQ verpasste aber die aufkeimende Smartphone-Revolution und ist erst seit 2010 mobil nutzbar. Zusätzliche Konkurrenz kam mit diversen Social-Media-Angeboten. Aber der Dienst ist nicht ganz in der Versenkung verschwunden: In Russland blieb er stark und prägt dort bis heute die Webkultur

Napster
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Machte ab 1999 das Musik-Filesharing völlig ungeachtet der Rechtslage zu einem weltumspannenden Phänomen und etablierte das Audio-Format MP3. Kurz vor seinem Ende im Februar 2001 hatte der Dienst weltweit 80 Millionen Nutzer. Doch Napster kostete die Musikindustrie immensen Umsatz, weshalb diese sich juristisch nach Kräften gegen den Dienst wehrte – am Ende erfolgreich. Nach der Insolvenz wurde der Markenname mehrfach weiterverkauft und wird heute von einem kostenpflichtigen Musik-Streamingdienst geführt

Im kommenden Jahr sei mit „erheblichen Verbesserungen“ zu rechnen, erklärte Ekholm. Der Weltmarktführer will angesichts der Auftragsschwäche die Kosten senken. Ericsson macht zu schaffen, dass in den Industrieländern viele Mobilfunkprojekte abgeschlossen sind und der Übergang zur nächsten Generation 5G wohl frühestens 2020 ansteht. Zudem setzt den Schweden der harte Konkurrenzkampf mit Rivalen wie Huawei aus China und dem finnischen Nokia-Konzern zu. wieder auf das Dienstleistungsgeschäft fokussieren und die Optionen für die defizitäre Mediensparte sondieren.

  • rtr
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