Netzwerke
Gegenwind für Facebook, Xing und Co

Das ging schnell. Ende vergangener Woche hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) eine Abmahnung an verschiedene Social Networks in Deutschland verschickt. Gestern kam die erste Reaktion: Das Business-Netz Xing änderte seine Geschäftsbedingungen.

DÜSSELDORF. „Wir unterstützen alle Änderungsvorschläge und werden unsere AGB jetzt bei den Punkten aktualisieren, die aus Sicht des VZBV eine Verbesserung des Verbraucherschutzes darstellen“, sagte Vorstandschef Stefan Groß-Selbeck. Dafür seien nur kleinere Anpassungen notwendig.

Neben Xing mahnten die Verbraucherschützer Myspace, Facebook, Lokalisten und Wer-kennt-wen ab. Die Kritik: Die Geschäftsbedingungen seien zu unverständlich, außerdem ließen sich die Internet-Netzwerke zu viele Rechte übertragen. „Die Betreiber müssen sicherstellen, dass Daten nur verwendet werden dürfen, wenn der Nutzer ausdrücklich einwilligt“, fordert Verbandsreferentin Carola Elbrecht. Auch bemängelt sie, dass einige Anbieter sich das Recht zusichern ließen, Nutzerinhalte ungefragt weiterzugeben. So lässt sich Wer-kennt-wen das Recht zusichern, diese an andere Medien weiterzugeben. Kein Wunder: Die Plattform ist eine Tochter von RTL.

Die Branche gibt sich kooperativ. Myspace erklärte sich bereit, Änderungen bei den Nutzungsbedingungen vorzunehmen, so sie nötig seien. Ähnlich klingt es bei Facebook.

Markus Berger-de Léon, Chef des deutschen Marktführers StudiVZ, schaut kritisch auf die Rivalen: „Nach unserer Auffassung müssen auch US-Unternehmen die deutschen Datenschutzstandards erfüllen und auch für sie muss deutsches Recht gelten.“ Tatsächlich fällt auf, dass Myspace und Facebook einfach ihre US-Nutzungsbedingungen ins Deutsche übertragen haben. Juristen bezweifeln, dass diese in Deutschland gültig sind. StudiVZ hatte bereits 2008 Ärger mit den Verbraucherschützern. Das Unternehmen reagierte, wie der VZBV zugesteht. Trotzdem solle das Abmahnverfahren bald neu aufgenommen werden, erklärte der Verband.

Dass sich die Netze mit Themen wie Verbraucherschutz auseinander setzen müssen, zeugt davon, dass sie im Alltag angekommen sind. „Wir können heute sagen: Wir sind Deutschland. Wir können Deutschland abbilden, wenn auch Online-Deutschland“, sagte Berger-de Léon. Noch bekomme sein Unternehmen nicht den Anteil am Werbekuchen, dem ihm nach Reichweite zustünde. Aber: „Wir wachsen.“ StudiVZ habe schon eine extrem hohe Markenbekanntheit. Diese sei aber assoziiert mit einer jungen Zielgruppe, was nicht dem tatsächlichen Stand entspreche. „Schon heute sind wir das größte Netzwerk in allen Altersgruppen und nicht nur bei den jungen Menschen.“

Schwarze Zahlen schreibt das Unternehmen angeblich bewusst nicht: „Wir können den Schalter umlegen und statt Wachstum auf Profitabilität setzen. Derzeit ist uns Wachstum aber wichtiger“, sagte Berger-de Léon. Es gebe auch keine Vorgabe, wann sich dies ändern solle. StudiVZ ist eine Tochter der Mediengruppe Holtzbrinck. Branchengerüchte, nach denen das Netz 2008 rund zehn Mio. Euro umgesetzt hat, der Verlust jedoch in gleicher Höhe gelegen habe, dementiert er nicht.

Außer Xing, dessen Haupteinnahmequelle Mitgliedsgebühren sind, finanzieren sich alle Netzwerke durch Online-Werbung. Die Marktforscher von E-Marketer prophezeien, dass die Ausgaben für Werbung in Social Networks weltweit von 2,35 Mrd. Dollar in diesem Jahr auf 3,5 Mrd. im Jahr 2013 steigen werden.

Langsam entwachsen die Web-Netzwerke also dem Start-up-Status – und werden deshalb kritischer beäugt. Auch von EU-Verbraucherschutz-Kommisarin Meglena Kuneva. Social Networks stellten das bestehende Recht auf die Probe, sagte sie im Juni – und kündigte für Herbst Gesetzesvorlagen an, „um das bisherige Dickicht an komplexen Rechtsvorschriften zu lichten. Wir müssen jetzt handeln, damit eine Online-Szene zustande kommt, in der sichergestellt ist, dass sie den Verbrauchern dienlich ist.“

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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