Neuanfang für US-Wirtschaftssender
CNBC startet Alleingang im Web ohne Microsoft

Der US-Wirtschaftsfernsehsender CNBC versucht den Neuanfang im Internet. Nach fünf Jahren Kooperation mit Microsofts Internetdienst MSN wird am Montag die alte Adresse CNBC.com wieder freigeschaltet. Schwerpunkte sollen die Einbindung von Videos und Echtzeit-Informationen über die Finanzmärkte sein. Google kontert mit einer Verbesserung seines Dienstes „Google Finance“.

DÜSSELDORF. Wie eine Zusammenarbeit mit MSN in Zukunft aussehen könnte, ist noch offen. CNBC liefert redaktionelle Inhalte zum Finanzportal MSNmoney.com. „Wir sprechen mit MSN über verschiedene Optionen“, erklärte CNBC-President Mark Hoffman.

Konkurrent Google wird nach Informationen des Handelsblatts fast zeitgleich mit dem CNBC-Start eine verbesserte Version seines Dienstes „Google Finance“ starten. Google Finance wird ebenfalls stark im Bereich Echtzeitdaten für Devisen- und Wertpapiermärkte ausgebaut und soll internationaler werden. Ein Google-Sprecher wollte dies nicht kommentieren: Man äußere sich generell nicht zu Spekulationen.

CNBC will im umkämpften Markt für Wirtschafts- und Finanzinformationen mit einer lückenlosen Verzahnung von Bild- und Textinformationen punkten. Mehr als 75 Video-Berichte und Interviews mit Top-Managern sollen täglich neu erscheinen. Anleger werden benachrichtigt, sobald Informationen oder Interviews mit Top-Managern der im Depot befindlichen Unternehmen zur Verfügung stehen. Stündlich gibt es einen Kurzüberblick „Market by The Minute“, ein spezieller Videoplayer kann unabhängig von der Homepage gestartet werden, um auch informiert zu bleiben, wenn man den Browser geschlossen hat.

Alle Clips sind 24 Stunden lang frei, das Video-Archiv ist gegen eine monatliche Gebühr von 9,95 Dollar nutzbar. „Wir haben über 50 Mitarbeiter eingestellt“, sagt Hoffman, „TV- und Web-Redaktion arbeiten vollkommen integriert.“ Er hält die Zeit für reif, Video ins Internet zu bringen. „Über 90 Prozent der Kunden, die sich vorab auf CNBC.com registriert haben, sind über Breitband-Internet gekommen“, sagt er.

Michael H. Schwetje, Vorstandschef von Onvista.de, dem deutschen Marktführer bei Finanzportalen, sieht das anders. „Nutzer von Finanzinformationen trennen noch klar zwischen TV und Internet“, sagt er. „Der zusätzliche Nutzen von bewegten Bildern ist eher gering.“ Er sieht momentan weder in CNBC noch in Google Finance eine echte Konkurrenz für den deutschen Markt. „Die Nutzer von Finanzseiten sind eher wechselunwillig“, sagt er. Das sei gut für etablierte Anbieter wie Yahoo in den USA oder Onvista hier, aber schlecht für Nachzügler wie CNBC.

In den USA führt Yahoo Finance den Markt an, in Deutschland (gemessen an IVW-Seitenaufrufen im Oktober) Onvista, vor Finanztreff.de, T-Online und Yahoo.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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