Neuausrichtung
Bertelsmann schielt auf einen Börsengang

Einst musste Thomas Middelhoff als Chef abdanken, weil er Bertelsmann unbedingt an die Börse bringen wollte. Jetzt kommt das damals undenkbare für Europas größten Medienkonzern wieder infrage. Eine Zeitenwende.
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GüterslohEuropas größter Medienkonzern Bertelsmann will sich durch einen Wechsel der Rechtsform neue Finanzierungsmöglichkeiten bis hin zum Börsengang eröffnen. Konzernchef Thomas Rabe kündigte am Mittwoch in Berlin an, der Konzern werde Ende Juni von einer Aktiengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umgewandelt.

Dies eröffne Bertelsmann die Möglichkeit zur Aufnahme neuer Gesellschafter oder zu einem Börsengang, ohne den Einfluss der Familie Mohn oder der Bertelsmann-Stiftung auf die Konzernlenkung zu verwässern, sagte Rabe. Der Medienkonzern könnte den zusätzlichen finanziellen Spielraum gut gebrauchen. Denn der Manager will den Konzern in den kommenden fünf bis zehn Jahren deutlich internationaler ausrichten und ihm neu Wachstumsfelder erschließen.

„Bertelsmann soll wachstumsstärker, digitaler, breiter aufgestellt und internationaler werden“, sagte der Rabe. Er kündigte einen „langfristigen Konzernumbau“ an. Bisher mache das Medienunternehmen 80 Prozent des Umsatzes in Europa, „einer Region, die auch längerfristig nicht stark wachsen wird“. Bertelsmann betrachtet China, Indien und Südamerika als Wachstumsregionen.

Zugleich sieht Rabe großes Potenzial in digitalen Angeboten wie E-Books und Videoplattformen. Auch das Musikrechte-Management und das Dienstleistergeschäft sollen im Fokus der Wachstumsstrategie stehen.

Zu dem Medienriesen gehören die RTL Group, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, die Verlagsgruppe Random House und der Ousourcing-Dienstleister Arvato. Bertelsmann startete mit Rabe in das Geschäftsjahr 2012. Er trat zum 1. Januar die Nachfolge von Hartmut Ostrowski an, der im Herbst seinen Rückzug angekündigt hatte.

Das Konzernergebnis der Bertelsmann AG sank trotz guter Werbeumsätze im vergangenen Jahr von 656 Millionen Euro auf 612 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von etwa sieben Prozent. Grund dafür waren unter anderem schwache Zahlen bei Teilen der Drucksparte. Der Umsatz wuchs um zwei Prozent auf 15,3 Milliarden Euro.

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