Neue Anlagen am schwäbischen Stammsitz
Ravensburger baut Produktion in Deutschland aus

Deutschlands größter Spieleverlag widersetzt sich dem Trend zu Produktionsverlagerungen nach Fernost. „Unser Ziel der Qualitäts- und Serviceführerschaft können wir nur vom Standort Ravensburg aus erreichen“, sagte gestern Karsten Schmidt, Chef der Ravensburger AG.

jojo RAVENSBURG. Das schwäbische Familienunternehmen investiert derzeit elf Mill. Euro in neue Maschinen und den Ausbau der Fabrikhallen. In den nächsten Jahren soll noch einmal die selbe Summe in die Erneuerung des Werks fließen. Zudem wurde die Fertigung anders organisiert. Damit will Ravensburger nicht nur günstiger werden, sondern auch die Weichen für künftiges Wachstum stellen.

„Wir sitzen in Ravensburg fast optimal, um unsere Kunden in Europa zu bedienen“, begründete Schmidt die Investitionen und ergänzte, „von China aus ist das Spielzeug vier Wochen unterwegs. Das passt nicht zu unserem Versprechen, in 48 Stunden überall in Europa zu liefern.“ Dazu komme, dass die Qualität vieler Produkte aus Fernost nicht den Ansprüchen von Ravensburger genüge. „Die Kontrolle fällt in der eigenen Fertigung wesentlich leichter“, betont Fertigungschef Florian Knell.

Die Schwaben sind nicht die Einzigen in der deutschen Spielwarenindustrie, die auf einheimische Produktion setzen. Playmobil fertigt einen großen Teil seiner bunten Plastikwelten in seiner fränkischen Heimat unweit von Nürnberg. Trotz der vergleichsweise hohen Produktionskosten gehören die Zirndorfer zu den am stärksten wachsenden Firmen der Industrie. Auch die bekannten Bobby Cars, Rutschautos für Kinder, werden im Frankenland gebaut.

Märklin, Marktführer unter den Modelleisenbahn-Anbietern, hat jüngst zwar unter großem Protest einen Teil der Fertigung vom Stammwerk in Göppingen abgezogen. Die Schwaben flüchteten jedoch nicht ins Ausland, sondern zogen nach Ostdeutschland.

Allerdings stehen die Spielwarenfirmen unter Druck. Die Verkäufe in Deutschland stagnieren seit Jahren, und Billigangebote der Discounter drücken die Preise. Weltweit tätige Konzerne wie Hasbro oder Mattell bringen die mittelständischen Produzenten mit ihrer riesigen Marketingmacht zusätzlich in Bedrängnis.

Mit dem Bekenntnis zu hochwertigen, innovativen Produkten vom Plüschauto für Babys bis zum komplexen Gesellschaftsspiel ist Ravensburger in den vergangenen Jahren aber nicht schlecht gefahren. 2004 kletterte der Umsatz um mehr als sieben Prozent auf knapp 287 Mill. Euro. Der Gewinn stieg sogar um fast das Doppelte auf 26,3 Mill. Euro. Auch für das laufende Jahr verspricht die Firma einen Zuwachs.

Vier von fünf Spielen von Ravensburger stammen aus eigenen Fabriken. Zwei Drittel davon wiederum fertigen die 900 Mitarbeiter in Ravensburg. Der Rest stammt aus einem Werk in Tschechien. „Dort kommen vor allem die Produkte her, die viel Handarbeit erfordern“, unterstrich Fertigungschef Knell. Die restlichen 20 Prozent Fremdproduktion werde je zur Hälfte aus Europa und aus China zugeliefert. Neben den Spielen vertreibt Ravensburger auch Kinder- und Jugendbücher, die zum Teil ebenfalls in der Volksrepublik gedruckt werden.

Der große deutsche Anteil an der Fertigung sei kein Selbstläufer, warnte Schmidt: „Um das, was wir teurer sind, müssen wir auch besser sein.“ Um ihre Jobs zu erhalten, haben sich die Mitarbeiter auf sehr flexible Arbeitszeiten eingelassen. Jeden Mittwoch erfahren sie, wie viel sie in der kommenden Woche arbeiten müssen. Von Montag bis Freitag stehen die Menschen zwischen 21 und 45 Stunden an den Maschinen. Liegen viele Aufträge für Puzzles und Spiele vor, ist auch Samstagarbeit angesagt. Falls gar nichts los ist, gibt es komplette Wochen frei. Da die meisten Spielwaren im November und Dezember gekauft werden, läuft die Produktion im Spätsommer und Herbst auf Hochtouren. Im Frühjahr dagegen ist es sehr ruhig.

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