Neue Buchreihen sorgen für leichtes Wachstum
Buchverlage erwarten besseres Geschäft

Die großen deutschen Buchkonzerne blicken trotz anhaltender Konsumflaute wieder optimistischer in die Zukunft. „Wir erwarten in diesem Jahr ein leichtes Plus von bis zu zwei Prozent“, sagte Jörg Pfuhl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bertelsmann-Tochter Random House, dem Handelsblatt. Auch die Augsburger Verlagsgruppe Weltbild verspricht eine Umsatzsteigerung.

MÜNCHEN/BERLIN. Die Zuversicht der Branchenschwergewichte deutet darauf hin, dass die lange Talfahrt im deutschen Buchgeschäft ein Ende haben könnte. Denn seit 2000 ging es permanent bergab. Nach den letzten verfügbaren Zahlen musste der Buchhandel im Jahr 2003 einen Umsatzrückgang um 1,7 Prozent auf 9,07 Mrd. Euro verkraften.

Durch die Billig-Buchreihen der „Süddeutschen Zeitung“ und „Bild“ kamen die Buchpreise in Deutschland im vergangenen Jahr weiter ins Rutschen. Morgen legt der Börsenverein des deutschen Buchhandels in Frankfurt seine Prognose für 2005 vor und zieht eine Bilanz für das vergangene Jahr.

Schon jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass sich das Klima verbessert hat. Die Wege der Verlage aus der Krise unterscheiden sich allerdings deutlich. „Wir streben Wachstum durch Programminnovationen an“, sagte Random-House-Chef Pfuhl. Die Münchener Verlagsgruppe startet deshalb eine ganz Reihe von neuen Aktivitäten. Darunter sind die Gründung eines zusätzlichen Hardcover-Verlages, Page & Turner, sowie die Einführung von japanischen Comics, so genannter Mangas.

Eine neue Sex-Taschenbuch-Reihe unter der Marke Heyne Hardcore, die im für Deutschland ungewohnten Tradeformat (zwischen Hardcover und Taschenbuch) erscheint, soll zusätzlich Erlös und Ertrag nach oben schrauben. Mit diesen Aktivitäten will Random House im laufenden Jahr einen Umsatz im einstelligen Millionen-Bereich erreichen.

Ganz anders Weltbild. Das katholische Verlagshaus konzentriert sich auf Billig-Bücher. Weltbild-Chef Carel Halff: „Die Strategie, auf Preisakzente zu setzen, hat sich als richtig erwiesen.“ Weltbild hat sich einen Namen gemacht als Anbieter ausgesprochen günstiger Titel, die über die Weltbild-Plus-Filialen, übers Internet und den eigenen Katalog vertrieben werden. Damit kletterte der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr (30. Juni) um fünf Prozent auf knapp 1,3 Mrd. Euro. Zum Gewinn macht Weltbild keine Angaben. Es heißt lediglich, die Geschäftsführung sei „zufrieden“.

Auch andere Verlagshäuser sind optimistisch. „Die ersten sechs Monate liefen besser als geplant“, sagte Karlheinz Jungbeck, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Verlagsgruppe Lübbe. Das Buchunternehmen aus Bergisch Gladbach setzte zuletzt mit 250 Mitarbeitern 90 Mill. Euro um.

Trotz der guten Aussichten wachsen die Bäume für die Branche aber nicht in den Himmel. „Die Veränderung des Marktes durch Billigbücher wirkt noch lange nach. Die Preise bei Taschenbüchern und Hardcovern stehen weiter unter Druck“, sagte Random-House-Chef Pfuhl. Ein „spektakuläres“ Wachstum sei deshalb in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Pfuhl hat Random House eine Umsatzrendite von zehn Prozent als Ziel verordnet. Um das zu erreichen, mussten die derzeit knapp 500 Mitarbeiter in den vergangenen Jahren kräftig sparen. „Bei den Sachkosten haben wir hart verhandelt. Dadurch haben wir mehrere Millionen Euro eingespart“, sagte Pfuhl. Aber auch Arbeitsplätze fielen dem Sparkurs zum Opfer. Vor kurzem schloss der Buchkonzern die Auslieferung der Tochter Heyne mit 80 Arbeitsplätzen in München.

Im vergangenen Jahr erzielte Random House 196 Mill. Euro Umsatz und ist damit Marktführer unter den deutschen Verlagen. Unter dem Dach des Unternehmens befinden sich Marken wie Goldmann, Heyne, C. Bertelsmann, Siedler, Knaus und Luchterhand.

Weltbild dagegen ist kein reiner Verlag, sondern handelt auch mit Büchern und damit verwandten Produkten und betreibt gemeinsam mit dem Partner Hugendubel Verkaufsfilialen.

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