Neue Chip-Generation mit zwei parallelen Prozessoren verstärkt Wettbewerb bei hochwertigen Netzwerkrechnern
AMD greift Intel bei Highend-Servern an

Der US-Chiphersteller Advanced Micro Devices Inc. (AMD) drängt in den Markt für Hochleistungs-Server. „Der Markt ist für uns sehr interessant“, sagte Dirk Meyer, Executive Vice President und zuständig für die Chipentwicklung, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

FRANKFURT/M. Bislang ist AMD – hinter dem Weltmarktführer Intel der ewige Zweite im Markt für PC- und Server-Chips – vor allem im unteren Segment der Netzwerkrechner präsent. Hier arbeitet der Konzern mit Partnern wie etwa Hewlett-Packard, Sun oder IBM zusammen, die ihre Server mit 64-Bit-Prozessoren von AMD, dem „Opteron“, ausstatten. „Bis vor einiger Zeit hatten wir keinen Zugang zu Unternehmens-Kunden. Mit unseren Partnern sind wir nun aber in der Lage, diesen Markt zu adressieren“, sagte Meyer.

Die für die Hochleistungs-Rechner notwendige Technologie liefern die neuen so genannten Dual-Core-Chips. Dabei werden zwei Opteron-Prozessoren auf einem Silizium-Plättchen angebracht und können so mehr Aufträge parallel bearbeiten als herkömmliche Chips mit einem Kern.

Experten wie etwa die Analysten von Merrill Lynch sprechen AMD im Server-Geschäft durchaus Erfolge zu. Gleichwohl ist es offen, wie schnell AMD im High-End-Servermarkt Fuß fassen wird. So ist die Frage, ob Unternehmen wie etwa Sun oder IBM dem US–Konzern tatsächlich bei seinem Streben in den High-End-Servermarkt behilflich sein werden. Schließlich bieten Sun mit den Sparc-Prozessoren und IBM mit dem Power-Chip selbst Halbleiter für dieses Segment an.

Gerade Sun steht nach mehreren Quartalen mit roten Zahlen und Umsatzeinbußen unter Druck. Allerdings will der US-Konzern weg vom Hardware- hin zum Software- und Dienstleistungsgeschäft. Entsprechend gelassen sieht AMD-Entwicklungschef Meyer etwaige Interessenskonflikte. „Sun muss heute getrennt vom Hardware-Geschäft betrachtet werden“, argumentiert er.

Daneben muss AMD mit harten Bandagen von Seiten des Erzrivalen Intel rechnen. Auch der weltgrößte Chipbauer hat vor kurzem angekündigt, demnächst einen Dual-Core-Chip auf den Markt bringen zu wollen. Noch dazu ist Intel im Gegensatz zu AMD bereits heute im High-End-Server-Geschäft tätig. Der von Intel gemeinsam mit HP entwickelte 64-Bit-Prozessor Itanium kommt in erster Linie in Hochleistungs-Servern zum Einsatz. Die jüngsten Dual-Core-Ankündigungen dürften die Aussichten für den mit einem schleppenden Absatz kämpfenden Itanium allerdings weiter verschlechtern.

Klar ist dagegen, dass sich mit einem Markteintritt von AMD der Wettbewerb und damit auch der Preisdruck im Markt für Hochleistungs-Server verschärfen wird. Bereits heute liefern sich dort IBM, HP, Sun und Intel einen heftigen Wettbewerb. Zwar ist der Server-Markt im ersten Quartal diesen Jahres nach Berechnungen der Marktforscher von Gartner um 9 Prozent auf 11,8 Mrd. Dollar gewachsen. Statt für teure High-End-Geräte mit proprietären Betriebssystemen wie etwa Sun Solaris geben die Firmen ihr Geld aber lieber für die günstigeren Standard-Server aus, die unter anderem mit AMD-Chips bestückt werden. „Der größte Teil des Umsatzzuwachses war durch Low-End-Produkte getrieben, wie etwa Server, die weniger als 5000 Dollar kosten“, resümiert Michael McLaughlin von Gartner.

Server mit Dual-Core-Chips hätten in diesem Umfeld gute Chancen. Mit diesen neuen Chips können die kleineren 1-,2-,4- oder 8-Wege-Netzwerkrechner – die Wege bezeichnen die Zahl der Prozessoren – zu 2- bis 16-Wege-Rechner für höherwertige Aufgaben aufgerüstet werden. Vorteil der parallelen Bauweise: Die Hitzeentwicklung – einer der bremsenden Faktoren bei der Entwicklung immer leistungsfähigerer Halbleiter – ist vergleichsweise niedrig, was sich positiv auf den Stromverbrauch auswirkt. „Wir können bei vergleichbaren Verbrauchswerten wesentlich bessere Leistungen anbieten“, so Meyer.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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