Neue DSL-Tarife: Das Zwei-Klassen-Internet der Telekom

Neue DSL-Tarife
Das Zwei-Klassen-Internet der Telekom

Mit neuen Internet-Tarifen bringt die Telekom die Nutzer gegen sich auf. Das größte Problem ist aber nicht das Tempolimit, sondern die Diskriminierung anderer Web-Dienste. Sogar die Bundesnetzagentur ist aufgeschreckt.
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DüsseldorfDie Deutsche Telekom hat einen neuen Spitznamen: Drosselkom. Weil das Unternehmen künftig Internetanschlüsse drosseln will, wenn die Nutzer eine bestimmte Datenmenge verbraucht haben, tobt im Internet ein veritabler Shitstorm. Da ist von einer „Ausgangssperre“ die Rede, einige Kommentatoren sehen gar das Zeitalter des Modems zurückkehren, in dem WWW für „weltweit warten“ stand. Doch die Kritik zielt vielfach am eigentlichen Problem vorbei: der heimlichen Einführung eines Zwei-Klassen-Internets.

Die Telekom begründet den Schritt mit dem rasant wachsenden Datenvolumen. „Wir wollen den Kunden auch in Zukunft das beste Netz bieten und dafür investieren wir weiterhin Milliarden. Immer höhere Bandbreiten lassen sich aber nicht mit immer niedrigeren Preisen finanzieren“, erklärte der Geschäftsführer Marketing Michael Hagspihl am Montag in einer Mitteilung. Was er nicht sagt: Der Deutschen Telekom brechen auch im Kerngeschäft mit Telefon- und Internetanschlüssen auch die Umsätze weg.

Die Abschaffung der Flatrate bedeutet weder das Ende der Informationsfreiheit noch das Ende des Internets, allerdings das Ende der Bequemlichkeit. Denn bislang müssen sich Nutzer keine Gedanken darüber machen, wie viel sie surfen. Sollte sich das Telekom-Modell in der Branche durchsetzen, ist es damit vorbei. Bevor Kunden einen Vertrag abschließen, müssten sie schätzen, wie viele Gigabyte Daten sie im Monat hoch- und runterladen, wenn sie surfen und mailen, skypen und Youtube-Videos gucken.

Bei vielen Telekom-Konkurrenten gelten schon jetzt Daten-Obergrenzen – zumindest in einigen Tarifen. So bremst 1&1 in seinem Billigangebot „Surf & Phone Special“ bei der Überschreitung eines Volumens von 100 Gigabyte im Monat die Download-Geschwindigkeit auf 1000 Kilobit pro Sekunde (kbit/s). „Für unsere Premium-Tarife/Doppel-Flats planen wir keine entsprechende Drosselung“, betont das Unternehmen aber. Und Kabel Deutschland hat im Kleingedruckten vermerkt, dass Filesharing-Anwendungen gedrosselt werden, wenn ein Kunde an einem Tag mehr als 10 Gigabyte herunterlädt, wobei andere Dienste davon ausgenommen sind.

Wenn Marktführer Telekom mit der Deckelung nachzieht, wird die Festnetzwelt unübersichtlicher. Womöglich so unübersichtlich wie die Mobilfunkwelt, in der es dutzende Tarife mit echten und unechten Flatrates, Freiminuten und Frei-SMS gibt. Nutzer können das für sich beste Modell auswählen – wer selten surft, kommt vielleicht mit dem kleinen Paket aus; wer immer online ist besser das Rundum-Sorglos-Paket.

Kommentare zu " Neue DSL-Tarife: Das Zwei-Klassen-Internet der Telekom"

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  • absoluter Schwachsinn ... sollen se halt die neuen Flatrate Tarife etwas teurer machen... aber wie soll man heute auf Internet verzichten? Es läuft quasi alles darüber und immer mehr Services kommen dazu. Eine faire Preiserhöhung und eine Erhaltung echter Flatrates wären da sinnvoll.

  • Aha wenn man die Öffentlich-Rechtlichen über den Stream anschaut (Mediathek etc.) dann zahl man also nicht nur Doppelt sondern Dreifach.
    1. Drosselung
    2. Rundfunkgebühr
    3. Managed Service (was ein schrecklicher Ausdruck)

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