Diese Nachricht zerstört sich selbst

Neue Facebook-Funktion
Diese Nachricht zerstört sich selbst

Ob zotige Witze oder anzügliche Bilder: Mit einer neuen App können Facebook-Nutzer Dinge austauschen, die besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Das Vorbild dieser Funktion ist erstaunlich beliebt.
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DüsseldorfEin kurzer Blick, dann sind sie weg. Facebook hat eine neue App entwickelt, mit der Mitglieder kurze Nachrichten, Fotos und Videos verschicken können, die sich nach wenigen Sekunden automatisch löschen. Damit ist die Anwendung „Poke“ perfekt für Inhalte, über die niemand zufällig stolpern sollte – ob fiese Witze oder peinliche Schnappschüsse. Das Unternehmen spricht von einer „leichten“ Art der Kommunikation, US-Medien sehen darin vor allem eine Plattform zum Austausch von Anzüglichkeiten.

Das Soziale Netzwerk hat sich von einer erfolgreichen Smartphone-App namens „Snapchat“ inspirieren lassen. Mit der können Nutzer Fotos mit oder ohne Kommentar verschicken, seit kurzem auch Videoschnipsel. Diese Bilder verfallen ebenfalls nach wenigen Sekunden.

50 Millionen Schnappschüsse werden so pro Tag geteilt, wie das Startup im Dezember stolz in seinem Blog berichtete. Damit hat sich die kostenlose Anwendung seit dem Start im September 2011 eine erstaunlich große Fangemeinde aufgebaut. Kein Wunder, dass Facebook ein eigenes Angebot aufbaut, zumal Snapchat eine rein mobile Chat-Anwendung ist – für das Soziale Netzwerk ein wichtiges Geschäftsfeld.

Poke und Snatchat versprechen einen eingebauten Datenschutz. In den USA haben die Anwendungen daher den Ruf, für den Versand von schlüpfrigen Bildern zu dienen. „Sexting“ wird das genannt, eine Kombination aus den Wörtern „sex“ und „texting“ (Kurznachrichten verschicken). Das ist im vermeintlich prüden Amerika verbreiteter, als man denken mag: Immerhin neun Prozent der Handybesitzer zwischen 18 und 24 Jahren haben Fotos oder Videos schon einmal mit sexuellen Inhalten verschickt, unter den 24- bis 34-Jährigen sogar 14 Prozent, wie das renommierte Pew-Forschungszentrum ermittelt hat.

Snapchat-Gründer Evan Spiegel hält die Sexting-Berichte hingegen für eine Übertreibung. „Ich kenne keine Leute, die das tun. Es scheint nicht besonders viel Spaß zu machen, wenn du echten Sex haben kannst“, sagte er dem US-Blog Techcrunch. Das Feedback der meisten Nutzer zeige, dass es eher um lustige Nachrichten und Fotos gehe.

Die vermeintliche Vertraulichkeit der beiden Apps trügt allerdings. Zum einen sagt Snapchat in seiner Datenschutzerklärung zwar zu, die Inhalte schnell zu löschen, es könne aber nicht garantiert werden, dass sie in jedem Fall entfernt werden. „Nachrichten werden daher auf das Risiko der Nutzer verschickt.“

Hinzu kommt: Mit einem technischen Trick können Nutzer die empfangenen Fotos und Videos durchaus dauerhaft speichern – sogar ohne dass der Absender davon erfährt. Vorsicht ist also auch bei selbstlöschenden Nachrichten angebracht.

 

Kommentare zu "Diese Nachricht zerstört sich selbst"

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  • Die Tipps zum Datenschutz sind windig, so ein Netzwerk braucht nicht mal den Namen um eindeutiges Social-Profiling zu betreiben. Denn das bringt erst tatsächlich die Summe der Einträge und Inhalte. Daraus werden die Werbeprofile generiert, da geht es um die Wahrscheinlichkeiten von Einkommen, Bonität und für was wohl der Nutzer seine Asche ausgibt. Daraus können im Ausschlußverfahren, auch ohne IP-Tracking, ganz schnell auf den Namen, Wohnort etc, Rückschlüsse gezogen werden. Und das schon allein durch die "ehrlichen" Angaben wer mit wem befreundet ist.
    Es gibt also keine Möglichkeit seine Daten zu schützen, bzw. sein Recht auf den Schutz seiner persönlichen Daten wahrzunehmen. Wer sich in diesen Moloch begibt, sollte das wissen und sich das klar machen können. Diese Systeme leben davon, das genau das nicht getan wird.

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