Neue Internet-Adressen: Hoffen auf den gold.rausch

Neue Internet-Adressen
Hoffen auf den gold.rausch

Das Internet wird vielfältiger: Hunderte neue Adress-Endungen gehen online. Neben .com und .de treten .ruhr, .reise oder .sex. Die Anbieter wittern eine große Chance – wagen aber auch eine große Wette.
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DüsseldorfAxel Schwiersch kennt das Problem aus eigener Erfahrung. Der Unternehmer verkaufte in den 90er Jahren selbst Versicherungen – und fand es schwierig, eine griffige Adresse für die Internet-Präsenz seiner Agentur zu finden. Viele gängige Begriffe mit .de- oder .com-Endung waren vergeben. Das will Schwiersch ändern: Seine Firma führt demnächst die Endung .versicherung ein. Finanzdienstleister und Makler können sich dort demnächst Web-Adressen sichern, die im Kopf bleiben.

.versicherung ist eines der ersten Anzeichen: Das Internet verändert derzeit sein Gesicht. Im Februar gehen die ersten von mehr als 1000 neuen Endungen für Internet-Adressen online. Es werden Stadtschilder wie .berlin oder .nyc aufgestellt und virtuelle Läden unter .shop oder .gmbh eröffnet. Es gibt virtuelle Räume für Fußballer, Klempner und Schwule. Und das unvermeidliche .sex.

Die Internet-Branche hofft auf einen neuen Goldrausch. Wenn Millionen von Privatnutzern, Vereinen und Unternehmen ihre Claims abstecken und in die neuen Adressen investieren, könnten die Vermarkter der digitalen Ländereien satte Umsätze machen. Doch es gut möglich, dass wie einst bei der Bonanza am Klondike in Alaska etliche virtuelle Geisterstädte zurückbleiben. Es ist eine riesige Chance, aber auch eine riesige Wette.

Bislang gibt es nur rund zwei Dutzend allgemeine Adressendungen, sogenannte generische Top Level Domains (TLD). Am bekanntesten sind wohl .com und .org, aber auch .biz, .edu oder .gov zählen dazu. Hinzu kommen Länderkürzel von .ac für die Vulkaninsel Ascension Island über .de für Deutschland bis .zw für Simbabwe. Ab Ende Januar wird es deutlich bunter: Binnen weniger Monate gehen mit Erlaubnis der Internet-Verwaltung Icann hunderte neue TLD online.

Der wichtigste Grund dafür: Es wird immer schwieriger, eine kurze und knackige Adresse zu finden. So gibt es allein 15,6 Millionen .de-Domains, von der Pommesbude bis zum Dax-Konzern. Daher komme es zu „deutlichen Engpässen“, sagt Jennifer Becker von der Beratungsfirma Mücke, Sturm & Company. Eine Nebenwirkung: Es gebe Zocker, die prägnante Domains reservieren, um sie anschließend mit sattem Aufschlag zu verkaufen.

Axel Schwiersch kennt die schwierige Namenssuche aus eigener Erfahrung. In den 90er Jahren arbeitete er als Versicherungsmakler. „Schon damals waren die knackigen Web-Adressen vergeben“, erinnert er sich. Im Vergleich zu damals ist das Problem für die Unternehmen noch gravierender, weil immer mehr Nutzer sich im Netz schlau machen oder sogar gleich Policen abschließen.

Als die Internet-Verwaltung Icann ankündigte, neue TLD auszuschreiben, sah Schwiersch seine Chance. Er verkaufte seine Agentur für Online-Marketing und gründete die Firma Dotversicherung Registry, die eine virtuelle Domäne für Versicherungen und Makler aufbauen sollte. Allein 185.000 Dollar zahlte er für die Bewerbung, bis jetzt sind rund eine Million Euro Kosten aufgelaufen.

Nun hofft Schwiersch, dass sich seine Investitionen auszahlen.

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