Neue Projekte und Verkaufspläne
„Süddeutsche“ ringt um Sonntagsblatt

Manchmal ist der Zeitpunkt einer Meldung aussagekräftiger als ihr Inhalt. Anfang der Woche meldete „Der Spiegel“, einige Altgesellschafter des Süddeutschen Verlags, Herausgeber der größten deutschen Qualitätszeitung, dächten daran, ihre Anteile zu verkaufen. Nur: Dass es verkaufswillige Gesellschafter gibt, war in Münchener Medienkreisen seit längerem bekannt. Offenbar steht der Bericht in Zusammenhang mit aktuelle Plänen der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), ein eigenes Sonntagsblatt auf den Markt zu bringen.

MÜNCHEN. Die Zeitung gehört zum einen fünf Familienstämmen aus den Gründertagen nach dem Zweiten Weltkrieg, zum anderen der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH). Sie war 2002 während einer akuten Finanzkrise mit 18,75 Prozent als sechster Gesellschafter eingestiegen. Dass es unter den Altgesellschaftern einige gibt, die die wiedergewonnen Stärke der SZ dazu nutzen wollen, ihre Anteile zu verkaufen, ist so gut wie sicher. Andere, finanzkräftigere, hingegen sollen daran kein Interesse haben. „Die Sache ist innerhalb der Familienstämme strittig“, zitierte der „Spiegel“ einen Gesellschafter. In Journalistenkreisen heißt es, seit dem Einstieg der SWMH sei es im Verhältnis der Redaktion zu den Altgesellschaftern zu einer „Entfremdung“ gekommen. Insofern wäre ein Eigentümerwechsel nur konsequent.

Fakt ist, dass Mitte nächsten Jahres die Haltefrist endet, nach der die fünf Familienstämme ihre Anteile verkaufen können. Die Frist hatten sie mit der SWMH vereinbart. Die SWMH (unter anderem „Stuttgarter Zeitung“) gilt als drittgrößte Zeitungsgruppe Deutschlands, ihr wird reges Interesse daran nachgesagt, ihren Anteil an der SZ auszuweiten. Als Interessenten für eine Beteiligung werden außerdem die Essener WAZ-Gruppe und die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck genannt, unter deren Dach auch das Handelsblatt erscheint. Beide Mediengruppen hatten sich 2002 bis zuletzt Hoffnungen auf einen Einstieg bei der SZ gemacht. Holtzbrinck lehnte zu den neuen Spekulationen jeden Kommentar ab.

Der Bayerische Journalisten-Verband sieht einem möglichen Einstieg weiterer deutscher Verlage gelassen. Schließlich könnten auch ausländische Interessenten anklopfen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den britischen Unternehmer David Montgomery, der die „Berliner Zeitung“ gegen den Willen der Redaktion übernommen hatte.

Die Pläne für eine SZ-Sonntagszeitung sind dem Vernehmen nach weit gediehen. Unter der Regie von Dominik Wichmann, Chefredakteur des „SZ-Magazins“, arbeiten etwa 20 Mitarbeitern an dem Projekt, das über das Versuchsstadium weit hinaus sein soll. Es gibt bereits einen Dummy, also eine Versuchsausgabe, die auch den großen Mediaagenturen bekannt ist. Es wurden auch Entwicklungsredakteure eingestellt, heißt es.

„Erste Sondierungen sind viel versprechend gelaufen“, sagte ein Verlagssprecher. Das Konzept werde sich klar von dem der Konkurrenz unterscheiden. Die SZ beabsichtige nicht, die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ zu kopieren. „Das muss etwas Eigenständiges sein“, hieß es. Größtes Umsetzungsproblem dürfte dabei nicht die Frage der Werbeeinnahmen, sondern das Vertriebsproblem sein. Beim Vertrieb von Sonntagszeitungen hat der Verlag Axel Springer mit den Sonntagsausgaben von „Bild“ und „Welt“ eine dominierende Position.

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