Neue Rundfunkgebühr: Ohne das Zweite lebt man billiger

Neue Rundfunkgebühr
Ohne das Zweite lebt man billiger

Haushalte und Betriebe trifft die neue Rundfunkgebühr. Mancher Unternehmer muss tiefer in die Tasche greifen. Vor allem für Firmen-Ketten mit vielen Filialen wird es richtig teuer. Nur eine Branche profitiert mal wieder.
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DüsseldorfDie Neuregelung der Rundfunkgebühren trifft viele Unternehmen in Deutschland hart. Denn künftig werden die Gebühren nach einem neuen Schlüssel berechnet, der pro Betriebsstätte und der Zahl der dort beschäftigten Mitarbeiter erhoben wird. Bislang fielen Gebühren lediglich für jeden PC im Unternehmen und jedes tatsächlich vorhandene Fernsehgerät an.

Die Neuordnung bedeutet etwa nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung für die Drogeriemarktkette Rossmann einen Gebührensprung von 35.000 Euro auf mehr als das Zehnfache: 402.000 Euro. Der Autovermieter Sixt rechnet mit Kosten von 105.000 Euro.

Auch die Autowerkstatt-Kette ATU rechnet mit einer deutlichen Steigerung. „Wir empfinden die neue Regelung als ungerecht, da sie Filialunternehmen wie ATU benachteiligt“, sagt ein Sprecher des Unternehmens Handelsblatt Online. Bei 598 Filialen in Deutschland mit insgesamt 12.000 Mitarbeitern dürfte es für ATU deutlich teurer werden. In den Werkstätten stehen zwar keine Fernseher oder Radios, aber internetfähige PCs. „Wir fordern eine faire Regelung, die als Grundlage die Gesamtzahl der Mitarbeiter berücksichtigt“, so der Sprecher.

Einen Keil treibt die neue GEZ-Gebühr in eine Branche, die eigentlich zuletzt vom Steuerzahler verwöhnt wurde: die Hotellerie. Denn künftig ändert sich die Gebührenordnung so, dass auch für Zimmer ohne Fernseher Gebühren bezahlt werden müssen. Das trifft vor allem Betreiber von Jugendherbergen und Hostels.

Zwar müssen sie pro Zimmer nur 5,99 Euro bezahlen, aber eben auch für Räume ohne TV und Radio. Bislang waren in Hotels mit mehr als 50 Zimmern sogar 75 Prozent eines vollen Beitrags pro Zimmer und Fernseher fällig. Großen Hotelbetreibern winken damit Einsparungen. „Für klassische Hoteliers rechnen wir mit einer Kostensenkung“, sagt ein Sprecher des Hotelverbandes Dehoga. Für günstige Hotels mit geringer Ausstattung steigen die Gebühren. Einige schlechter gestellte Hostels aus Berlin haben daher bereits aus Protest dem Verband den Rücken gekehrt.

Für die rund 530 deutschen Jugendherbergen wird es durch die Umstellung ebenfalls teurer. Absolut sind das nicht unbedingt große Steigerungen, aber über die Zahl der Betriebe läppert sich das. Die Jugendherberge „Auf dem Stintfang“ in Hamburg rechnet mit einer Mehrbelastung von rund zwölf Euro pro Monat: Wurden bisher GEZ-Gebühren in Höhe von 5,76 Euro bezahlt, müssen die Herbergseltern nun 17,98 Euro für den Rundfunkbeitrag ausgeben.

Noch härter als die gemeinnützigen Jugendherbergen trifft es Jugendunterkünfte in freier Trägerschaft. Bereits im Juli hatte „Reisenetz“, der Deutsche Fachverband für Jugendreisen, daher gefordert, der Rundfunkbeitrag dürfe gar nicht erst eingeführt werden.

Kommentare zu " Neue Rundfunkgebühr: Ohne das Zweite lebt man billiger"

Alle Kommentare
  • Aber das ist doch klar: Parasiten halten zusammen, Mafiosi auch.

  • Und warum soll jemand bezahlen, der weder ÖR noch Radio nutzt?
    Mögen wenige sein, es gibt sie aber!!! Kein TV, kein Radio, kein Autoradio.
    Ein PC ist ein PC, der via P2P kommuniziert und nicht via Rundfunk. De facto also kein Rundfunkempfangsgerät, egal was der nicht Rundfunk"Staats"Vertrag sagt, der offentkundig nicht vom verfassungsgemäßen Gesetzgeber verabschiedet worden sein kann (Az.: 2 BvE 9/11).

  • Ich hab schon vor einigen Wochen den zuständigen Controller
    meiner Firma auf die neue GEz-Steuer hingewiesen.Wir haben
    es dann man ausgerechnet. Es kam etwas das zehnfache des bisherigen Betrages raus.
    Und dann diese dreiste Behauptung das ganze wäre aufkommensneutral.
    Es werden viele neue Quellen zum Abkassieren erschlossen.
    Die wenigen die von der neuen Regelung profitieren, dürften kaum ins Gewicht fallen. Es ist z.B. davon auszugehen, dass der Sohn, der trotz eigenem Einkommen noch bei den Eltern wohnt, auch bei diesen fernsieht. Hat also vorher auch nicht gezahlt.

  • Es bestreitet keiner, dass ARD/ZDF durchaus ein ansprechendes Programm auf die Beine stellen. Doch ich kann als Unternehmer mit 2 Standorten nicht verstehen, warum ich seit Januar den fünfachen Beitrag zahlen muss. Ich zahle jetzt für den Hauptstandort, die Niederlassung und pro Firmenwagen jeweils. Nicht bösen sein, aber das ist Raubrittertum auf Kosten der Unternehmen. ARD/ZDF sollen ihre Gebühren haben, aber nicht so. Diese Regelung ist ein Griff ins Klo.

  • Na ja, ich habe die letzten Jahrzehnte keine einzige nicht tendenzielle politische Sendung inkl. Tagesschau im Fernsehen gesehen.
    Es wird grundsätzlich mit wertenden Adjektiven gearbeitet, es wird immer prozyklisch berichtet.
    Entgegen dem Mainstream wird nur berichtet, wenn damit idealistische, und damit kaum angreifbare Positionen verbunden werden können, unabhängig von der Zutrefflichkeit und egal wie fehl am Platze die Idealisierung sein mag.
    Zudem geht Sensation vor Bedeutung, wegen der Einschaltquoten.

    H.

  • Aha
    Dann hatten die im Mittelalter auch schon den Kommunismus, obwohl sie noch gar nicht wussten was das ist .....

  • Sorry
    Aber das ist nun wirklich Unsinn.
    In den öffentlich-rechtlichen Sendern durchaus sehr kritisch berichtet.
    das Problem ist dass (wie hier schon gesagt)
    gerade diese Sendungen der Quote wegen immer mehr in das Spätprogramm verbannt werden.

  • Die Mehrheit nutzt doch private Angebote,
    sei es TV, Web oder was auch immer.

    Da bin ich mir nicht so sicher!
    Allerdings ist die Gebühr auf jeden Fall zu hoch.

    Es muss auch mal die Frage gestellt werden warum z.B. die Intendantin des WDR ein Gehalt bekommt, das über dem eines Ministerpräsidenten liegt !!

    Was Betriebe betrifft, so frage ich mich:
    Wer hört denn dort Radio wenn es erlaubt ist ?
    Die Mitarbeiter ! Und zwar meistens als Privatleute !!
    Es ist ja in den seltensden Fällen ein teil der Arbeit.
    Und diese MA zahlen doch jetzt alle schon Rundfunkgebühr ...

  • @rr1475

    Zum Thema Bildung habe ich das gleiche Beispiel auch in Deutschland im Fernsehen gesehen. Frau Merkel wollte in einer Schule auf einer Länderumrisskarte zeigen wo Berlin ungefähr Berlin liegt. Die Schüler haben ihr dann geholfen. Merkel fragte, wo sie hin gezeigt hatte. Die Schüler haben ihr dann erklärt, dass sie in Russland gesucht hat.

    Sparen Sie sich den Vergleich von Öffentlich-Rechtlichen Sendern im Vergleich zur Bildung in Deutschland und die den USA! Und wieso sind GEZ-Sender werbefrei?? Wenn das so wäre, dann könnte ich die GEZ-Gebühren ja noch verstehen.
    Und was hat Musikantenscheune, Musikantendampfer, Musikantenstadl und wie der ganze Rotz heißt, mit einem Bildungsauftrag zu tun??

  • Kommunismus = Zwangsabgaben, Zwangsmitgliedschaften z.B.
    IHK, Rundfuck, Kammerbeitraege, Verbaende, Versicherungen...

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