Neue Serien
Hollywood erobert das Fernsehen zurück

Ist die Zeit der Telenovelas und Seifenopern aus deutscher Produktion bald wieder vorbei? Hollywood erobert die Fernsehbildschirme zurück. Nach einem Durchhänger haben die Amerikaner wieder etliche Erfolgsserien im Programm. Die Deutschen können mit ihren billigen Eigenproduktionen kaum dagegenhalten.

CANNES. „Die Zahl der amerikanischen Serien auf deutschen Sendern hat sich verdoppelt“, weiß Wolf Bauer, Chef des größten deutschen Produktionskonzerns Ufa. Vor zwei Jahren liefen nach Angaben der GfK-Marktforscher gerade einmal 182 Stunden an amerikanischen Serien wöchentlich auf den großen Sendern wie RTL, Sat 1 oder Pro Sieben. In diesem Jahr sind es bereits 380 Stunden. „Es gibt ein Krise der deutschen Serie“, konstatiert gar Filmproduzent Nico Hofmann („Die Mauer“, „Dresden“) auf der Fernsehmesse Mipcom in Cannes.

Die Hollywood-Studios punkten bei den deutschen Programmchefs vor allem mit der hohen Produktionsqualität ihrer Serien wie „CSI“, „Lost“ oder „Desperate Housewives“. Der Kölner Sender Vox erzielte beispielsweise mit „CSI: New York“ zuletzt einen Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe von über 20 Prozent. Das ist dreimal so viel, wie Vox normalerweise an Zuschauerquote erzielt.

Zuvor war die Serie bereits in den Vereinigten Staaten ein Erfolg. Die mit Millionenaufwand produzierte Krimiserie ist zum Maßstab für die gesamte Branche geworden. Das Problem: Deutsche Produzenten können diese Budgets nicht finanzieren. „Die Budgets der amerikanischen Produktionen sind für uns unerreichbar. Das ist eine Realität“, sagt ein wenig resignierend Ufa-Chef Bauer.

Der Erfolg von Hollywood setzt die deutschen Produzenten gewaltig unter Druck. Traditionell ist die Umsatzrendite der Branche im internationalen Vergleich bescheiden. Das Kostenbewusstsein der Sender, allen voran RTL und Pro Sieben Sat 1, schlägt auf die Produzenten durch. „Eine deutsche Erfolgsserie ist für die Sender dreimal so teuer wie ,CSI’“, berichtet ein deutscher Produzent in Cannes.

Auf der Film- und Fernsehmesse Mipcom in Cannes ist das Duell zwischen Hollywood und Europa das zentrale Thema. Doch eine Reihe von europäischen Produzenten prognostiziert bereits den Niedergang der amerikanischen Serien. „Ich habe mir die neuen Serien und Fernsehfilme in Hollywood angesehen. Der Jahrgang hat mich nicht überzeugt. Er ist überwiegend nicht exportfähig“, sagt auch Produzent Bauer, der seit drei Jahrzehnten im Geschäft ist. Vox-Chef Frank Hoffmann warnt: „Der Ausnahmeerfolg von CSI und die damit verbundene Aufmerksamkeit täuscht ein bisschen darüber hinweg, dass viele US-Serien im deutschen Fernsehen keine zweistelligen Marktanteile erzielen.“

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