Neue Strategie Vodafone-Chef Vittorio Colao tritt nach dem Unitymedia-Deal ab

Nach dem großen Coup ist Schluss: Gerade hat Vodafone-Chef Colao den Kauf von Unitymedia und anderen Kabelnetzen angekündigt – nun geht er.
Update: 15.05.2018 - 10:05 Uhr Kommentieren
Vodafone-Chef Vittorio Colao tritt nach dem Unitymedia-Deal ab Quelle: Reuters
Konzernchef vor dem Abgang

Vittorio Colao räumt ab Oktober den Chefsessel bei Vodafone.

(Foto: Reuters)

LondonVodafone-Chef Vittorio Colao tritt nach mehr als zehn Jahren überraschend zurück. Im Oktober wird er die Führung des Telekommunikationskonzerns an seinen Finanzchef Nick Read übertragen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag bei der Präsentation der Quartalszahlen mit.

„Jetzt ist die richtige Zeit, um den Übergang anzufangen“, kommentierte der 56-jährige Italiener am Morgen gegenüber Journalisten seine Entscheidung. Daher sei es sinnvoll, auch an ein neues Managementteam zu übergeben.

Vodafone hat letzte Woche einen richtungsweisenden Deal angekündigt: Der britische Telekommunikationsriese will das europäische Kabelgeschäft des US-Konzerns Liberty Global übernehmen, zu dem auch der deutsche Kabelnetzbetreiber Unitymedia gehört. Mit einem Kaufpreis von 22 Milliarden Dollar handelt es sich um den größten Deal unter der Ägide von Colao. Die Unternehmen sollen mehrere Jahre verhandelt haben.

Die Transaktion ist Teil einer größeren Strategie: Mit Colao an der Spitze hat sich Vodafone mehr und mehr aus Märkten außerhalb Europas zurückgezogen. Dort hatten sich seine Vorgänger Wachstum erhofft.

Colao hat unter anderem den Ausstieg von Vodafone aus dem US-Geschäft eingeleitet. Die Fusion der indischen Vodafone-Sparte mit Idea Cellular, die im kommenden Monat über die Bühne gehen soll, wurde von Analysten bereits als Einstieg für den Ausstieg der Briten aus dem Markt interpretiert. In Indien kämpft der Konzern weiterhin mit Problemen. Der Umsatz fiel um fast 19 Prozent.

Der Manager stammt aus der reichen norditalienischen Industriestadt Brescia und hat an der Mailänder Elite-Uni Bocconi und in Harvard studiert. Seine Karriere als Telekom- und Medienexperte startete er bei der Unternehmensberatung McKinsey.

1996 wechselt er zum Mobilfunkanbieter Omnitel Pronto Italia und übernahm dort 1999 den Chefposten. Als Vodafone das Unternehmen 2001 kaufte, übernahm er beim britischen Konzern verschiedene Führungsrollen. Nicht zuletzt machte er die italienische Tochter zur profitabelsten Landesgesellschaft.

Schon damals galt Colao als Kandidat für den Chefposten. Weil er diesen nicht bekam, wechselte er 2004 an die Spitze des italienischen Medienkonzerns RCS, der unter anderem die renommierte Tageszeitung „Corriere della Sera“ herausbringt. Dort agierte er jedoch glücklos. 2006 kehrte er zu Vodafone zurück, erst als Vorstand, dann als Chef.

Nick Read galt bereits als Nachfolger, so dass für viele Branchenexperten zwar der Zeitpunkt für seine Ernennung überraschend kommt – nicht aber, dass es Read wird. Seit 14 Jahren ist der 53-jährige Brite bei Vodafone und hatte sich dort sukzessive nach oben gearbeitet.

Nachdem Read mehrere Managementposten im Konzern hatte – unter anderem war er Chef der britischen Tochtergesellschaft sowie Chef der Tochter in Afrika und Asien-Pazifik – hatte er vor vier Jahren die Verantwortung für die Konzernfinanzen übertragen bekommen und eng mit seinem Chef Colao zusammengearbeitet.

„Er ist der einzige Mensch auf diesem Planeten, der es so lange mit mir ausgehalten hat“, scherzte Colao, als er den für Oktober geplanten Wechsel vor Analysten erklärte. Er sei froh, dass sich der Verwaltungsrat für Read entschieden habe, der sei eine „wunderbare“ Person. Ihm selbst sei die Entscheidung zurückzutreten nicht leicht gefallen nach zehn Jahren, „aber das war die richtige Entscheidung“.

Finanziell hat sich Coloas Strategie zuletzt ausgezahlt: Vodafone schreibt nach zwei Jahren wieder schwarze Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 erzielte der Konzern einen Gewinn in Höhe von 2,8 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte eine Milliarden-Abschreibung in Indien die weltweite Nummer zwei der Branche tief in die roten Zahlen getrieben.

Der Umsatz von Vodafone ging in den zwölf Monaten bis Ende März hauptsächlich wegen des Verkaufs des Festnetzgeschäfts in den Niederlanden und wegen Währungseffekten um 2,2 Prozent auf 46,6 Milliarden Euro zurück. In Deutschland legte der Service-Umsatz des Telekom-Konkurrenten dank neuer Breitbandkunden bereinigt um 2,6 Prozent zu.

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