„Neue Zürcher Zeitung“
Das Schweizer Traditionsblatt baut um

Auch die „Neue Zürcher Zeitung“ kämpft mit dem Leserschwund. Zum zweiten Mal seit 1946 wurde das Blatt daher generalüberholt. Die NZZ setzt auf mehr Weißraum und weniger Berichte, die dafür aber länger ausfallen.
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ZürichIm Komitee-Zimmer der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) im zweiten Stock des Verlagsgebäudes scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Die Wände sind holzvertäfelt, in der Mitte des schlichten Raumes steht ein schwerer, runder Holztisch mit schwarzen Lederstühlen.

Von den Wänden blickt mahnend die Ahnengalerie der Verwaltungsratspräsidenten. Der historische Raum im Verlagsgebäude in der Falkenstraße steht unter Denkmalschutz. Die Zeitung „NZZ“ tut es dagegen nicht – trotz ihres stolzen Alters von 235 Jahren.

Auch das Schweizer Traditionsblatt muss sich der digitalen Herausforderung und neuen Lesegewohnheiten anpassen. Daher wurde NZZ generalüberholt und liegt am Freitag zum ersten Mal im neuen Look an den Kiosken. „Diese Neulancierung ist in diesem Umfang erst die zweite seit 1946“, sagt Collette Gradwohl. Die stellvertretende Chefredakteurin mit der runden Designerbrille verantwortet den Relaunch. Unterstützt wurde sie durch die Kölner Mediendesign-Agentur Meiré und Meiré.

Der erste Eindruck der neuen Optik: Das Blatt kommt luftiger daher, Weißraum ersetzt schwarze Trennlinien, die Seiten wirken weniger gedrängt, da weniger, dafür längere Berichte auf ihnen stehen. „Wir straffen die Themenauswahl und bieten zu den gewählten Themen dann vertiefende Berichte an“, erklärt Gradwohl.

Auf Meldungen und kleine Zweispalter verzichtet die NZZ aber auch in Zukunft nicht, eine gewisse Chronistenpflicht müsse die Zeitung weiterhin erfüllen, da dies die Leser wünschten. „Die Neue Zürcher Zeitung wird kein Tagesmagazin“, sagt Gradwohl bestimmt.

Wirtschaftsteil rückt ins dritte Buch

Geändert wurde auch die Blatt-Struktur. Im ersten Buch verbleiben die Außenpolitik und die Kommentare. Neu wird im zweiten Buch das Inlands-Ressort und der Lokalteil Zürich gebündelt und damit aufgewertet. Bisher bildete die Wirtschaft das zweite Buch, die nun ins dritte rückt. Angepasst wurde auch das erste Buch, denn „der Meinungsteil wird deutlich ausgebaut, er wächst von bisher zwei auf vier Seiten an.“

Seit knapp zwei Jahren arbeitet die NZZ an diesem Relaunch, bei dem auch radikalere Veränderungen diskutiert wurden. So sah ein Entwurf aus, mit der Meinungstrecke das zweite Buch aufzumachen, was eine starke Aufwertung der eigenen Kommentare bedeutet hätte. Einem Leitmedium wie der NZZ hätte das vielleicht gut zu Gesicht gestanden.

Seite 1:

Das Schweizer Traditionsblatt baut um

Seite 2:

Welche Ideen die NZZ beim Relaunch verwarf

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