Neuer Chef muss aufräumen
Stellenabbau bei Infineon möglich

Der neue Infineon-Chef Peter Bauer will den Halbleiterkonzern durch eine veränderte Firmenstruktur und einen radikalen Sparkurs aus der Krise führen. Auch ein Stellenabbau sei nicht ausgeschlossen, sagte Bauer am Mittwoch in München. Er muss handeln, sonst könnte das Unternehmen aus Deutschen Aktienindex (Dax) fallen.

HB MÜNCHEN. Bauer konnte nicht einmal die übliche Schonfrist für neue Führungskräfte von 100 Tagen verstreichen lassen. Nach einem rasanten Kurssturz und anhaltenden Spekulationen über eine bevorstehende Übernahme stellte sich Bauer am Mittwoch bereits nach einem Monat an der Infineon-Spitze der Öffentlichkeit. „Schlimmer kann es eigentlich nicht werden“, sagte er. Der Nachfolger von Wolfgang Ziebart steht vor der schwierigen Aufgabe, Infineon nach einem Milliardenverlust wieder aus der Krise zu führen, die verunsicherten Mitarbeiter zu beruhigen und den Absturz der Aktie zu stoppen - sonst droht Infineon auch noch der Rauswurf aus dem Deutschen Aktienindex Dax.

Peter Bauer entschied sich deshalb, schnell zu handeln und kündigte bei seinem ersten großen Auftritt nach der Amtsübernahme gleich eine neue Firmenstruktur an. Aus bisher zwei großen Geschäftsbereichen sollen künftig wieder fünf werden, die alle direkt dem Vorstand unterstellt sein sollen: Automobil, Industrieelektronik, Sicherheitselektronik, Drahtgebunde Kommunikation und Drahtlos (Wireless). Von den kleineren Einheiten erhofft sich Bauer mehr Nähe zu den Kunden. Gleichzeitig will er die Kosten durch Einsparungen bei den Materialkosten und eine effizientere Organisationsstruktur um einen dreistelligen Millionenbetrag senken. „Es ist kein Rasenmäher-Programm“, versicherte er jedoch. Einen Arbeitsplatzabbau im großen Stil wolle er vermeiden und an den drei großen europäischen Werken Dresden, Regensburg und Villach in Österreich mit mehr als 6 000 Beschäftigten festhalten. „Es gibt keine Absicht, im großen Stil Werke aus Europa zu verlagern.“ Der Schritt ins Ausland würde aus seiner Sicht viel Geld kosten und zu viele Mitarbeiter auf der Strecke lassen. Weltweit hat Infineon rund 43 000 Beschäftigte.

Woran es bei Infineon hakt, weiß der 48-Jährige nach eigenen Worten ohne große Analysen. Seit der Ausgliederung des Halbleitergeschäfts aus der Siemens AG 1999 ist er im Vorstand von Infineon, wo er den Geschäftsbereich Automobil- und Industrieelektronik verantwortet. Seine Begeisterung für die Branche ist ihm in all den Jahren nicht abhanden gekommen. „Das ist das spannendste Geschäft, das es auf der Welt gibt“, schwärmte er. Seine Arbeit sieht er daher nach eigenen Worten als Berufung an. „Für mich ist Infineon nicht nur das Unternehmen, wo ich groß geworden bin, sondern auch mein Baby.“

Gerade wegen der starken Verwurzelung bei Infineon war seine Berufung an die Konzernspitze allerdings kritisch gesehen worden. Viele hatten Zweifel, ob er als „Eigengewächs“ den Mut zu großen Veränderungen haben würde oder nur solange den Chefsessel besetzen sollte, bis ein Neuer gefunden ist. Als Übergangslösung sieht sich Bauer aber nicht an. „Ich bin nicht als Interimschef angetreten.“ Zu seinen wichtigsten Zielen in der kommenden Zeit gehört die Trennung von der ungeliebten Speicherchiptochter Qimonda, die dem Konzern möglicherweise noch weitere Abschreibungen einbringt. Wenn die Trennung gelingt, ist Bauer schon einen großen Schritt weiter.

Infineon prüfe aber auch alle anderen Optionen. Auch Zukäufe und Kooperationen seien möglich, sagte Bauer. In den vergangenen Wochen war unter anderem über eine Fusion mit dem niederländischen Konzern NXP oder der US-Firma Freescale spekuliert worden. Bauer ging nicht im Detail darauf ein. „Entscheidungen stehen derzeit aber nicht an.“ Infineon werde sich jedoch nicht um jeden Preis auf ein Abenteuer einlassen. „Die absolute Größe ist nicht entscheidend.“

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