Neuer Chef will alten Kurs fortführen
Intershop verspricht wieder bessere Zeiten

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Der neue Intershop-Chef Andreas Riedel will die Jenaer Software-Schmiede nach 15 mageren Jahren auf Erfolgskurs steuern. Im kommenden Jahr soll das Unternehmen erstmals seit der Gründung 1992 schwarze Zahlen schreiben. Den Kurs seines Vorgängers will Riedel beibehalten.

DÜSSELDORF. „Ich bin verhalten optimistisch, dass wir 2008 in eine betriebswirtschaftlich vernünftige Lage kommen und einen Gewinn ausweisen“, sagte Riedel am Montag in Jena. Intershop stellt Software für den Betrieb von Online-Shops her. Kunden sind unter anderem Quelle, Deutsche Telekom oder Bosch.

Das aktuelle Programm zur Kostensenkung und Neuausrichtung des Unternehmens soll bis zum Jahresende abgeschossen sein. Der 48-jährige kündigte an, im Prinzip den Kurs seines Interims-Vorgängers Friedhelm Bischofs fortzusetzen. Dessen Vorgänger hatte zuletzt für 2006 wieder einmal „erstmals schwarze Zahlen“ angekündigt, aber diese Prognose im Oktober 2006 wieder zurücknehmen müssen.

Intershop werde künftig nicht nur Programme für den Online-Handel, sondern auch Logistik und andere Serviceleistungen für die Abwicklung von Internet-Geschäften anbieten. Riedel, der von der Metro AG kommt, hat erst am vergangenen Mittwoch den Vorstandsvorsitz übernommen. Als einen Schwerpunkt seiner Arbeit nennt er die Neuorganisation der Niederlassung in den USA. Der bisherige Chef der US-Gesellschaft wurde direkt abgesetzt, Riedel selbst will nun von Jena aus mit deutschen Management die Geschäfte auf der anderen Seite des Atlantiks betreuen. „Amerika ist und bleibt ein wichtiger Markt, der bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist.“ Zurzeit erwirtschafte Intershop dort etwas mehr als 20 Prozent des Umsatzes. Zuvor war die Schließung mehrerer Verkaufsbüros in Europa angekündigt worden.

Auf Grund der anhaltend schlechte Entwicklung der Firma war auf einer turbulenten Hauptversammlung im Mai dem alten Vorstand mit siebzig Prozent der Stimmen die Entlastung verweigert worden, außerdem wurde der Aufsichtsrat umgebaut.

Intershop hat derzeit 225 Mitarbeiter. Im ersten Halbjahr 2007 wies das Unternehmen einen Umsatz von 14,6 Mill. Euro aus nach 9,3 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust stieg von 2,8 Mill. Euro auf 3,1 Mill. Euro. Auch für das gesamte Jahr 2007 wird kein Gewinn erwartet.

Zur Blütezeit der New Economy im Jahre 2000 kostete eine einzige Aktie des damaligen ostdeutschen Vorzeigeunternehmens am „Neuen Markt“ im Hoch 2025 Euro – gestern verlor der Kurs in Frankfurt knapp drei Prozent auf 3,83 Euro.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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