Neuer Deutschlandchef möchte Verunsicherung beim Konkurrenten ausnutzen
Siebel will Peoplesoft Kunden abjagen

Der US-Softwarekonzern Siebel Systems will aus der Verunsicherung der Peoplesoft-Anwender nach der Übernahme durch Oracle Profit schlagen. „Wir werden gezielt an die Kunden von Peoplesoft herantreten und hoffen auf Ablösegeschäft“, sagte Jürgen Richter dem Handelsblatt. Er ist seit dem 1. November 2004 Geschäftsführer bei Siebel in Deutschland.

FRANKFURT/M. Siebel ist spezialisiert auf so genannte Kunden-Management-Systeme (CRM – Customer Relationship Management). Mit solchen Programmen können Firmen ihre Kundeninformationen verwalten und auswerten, aber auch gezielte Kampagnen organisieren. Zwar deckt Siebel damit nur einen Teil der Produkte von Peoplesoft und Oracle ab, die komplette Firmensoftware-Pakete anbieten. Allerdings verkaufen die Komplettanbieter auch einzelne Module wie CRM. So hatte Peoplesoft eigens dafür 1999 den CRM-Spezialisten Vantive übernommen. „Wir werden schauen, ob diese Kunden nach der Übernahme noch zufrieden sind“, sagte Richter.

Siebel gilt als Erfinder der CRM-Software. Die Marktforscher von IDC gehen davon aus, dass der CRM-Markt bis 2008 um jährlich 8,9 Prozent auf 11,4 Mrd. Dollar wachsen wird. In Deutschland werden die Umsätze mit CRM im gerade abgelaufenen Jahr nach Ansicht der Marktforscher von Metagroup etwa 1,1 Mrd. Euro erreicht haben.

Zwar führt Siebel den Markt immer noch an, doch die Konkurrenz gerade durch Komplettanbieter wie SAP oder Oracle wird immer größer. Siebel kämpft seit fast zwei Jahren mit rückläufigen Lizenzumsätzen. Auch bei den Marktanteilen büßte der US-Konzern ein. Nach Berechnungen der Analysten von Gartner sank der Weltmarktanteil 2003 von 20 auf 14 Prozent.

Dennoch sieht Richter das eigene Unternehmen nicht als Übernahmeziel einer sich konsolidierenden Branche. „Mir bereiten die großen Übernahmen wie Oracle-Peoplesoft oder Symantec-Veritas keine Sorgen. Wir sind der Marktführer“, sagte Richter. Der neue Deutschland-Chef von Siebel hat vielmehr ehrgeizige Wachstumsziele. Um rund 20 Prozent soll der Umsatz hier zu Lande im kommenden Jahr zulegen. Der bewegt sich aber wegen des übermächtigen Konkurrenten SAP auf niedrigem Niveau. Absolute Zahlen für Deutschland nennt Siebel traditionell nicht.

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