Neuer NetID-Chef Sven Bornemann soll die deutsche Antwort auf den Facebook-Login geben

RTL, United Internet und andere Konzerne versprechen einen General-Zugang für Internetdienste. Mit seinem neuen Chef soll NetID im Sommer starten.
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Der bisherige Geschäftsführer der AGOF wird Chef der European NetID Foundation. Quelle: European NetID Foundation
Sven Bornemann

Der bisherige Geschäftsführer der AGOF wird Chef der European NetID Foundation.

(Foto: European NetID Foundation)

DüsseldorfEs ist eben so bequem: Muss man sich im Internet ausweisen, etwa beim Einwählen in ein öffentliches WLAN, nutzen viele Menschen den Log-in von Facebook oder Google – auch wenn sie wissen, dass sie dabei Daten mit den amerikanischen Internetriesen teilen.

Dieses Unwohlsein soll zum Geschäft für die deutsche Registrier-Allianz NetID werden und für ihren neuen Chef: Sven Bornemann, bislang Geschäftsführer der AGOF Services GmbH, wird zum 1. August Vorstandsvorsitzender der European NetID Foundation.

Der 53-Jährige leitet dann das operative Geschäft der Stiftung, die von Mediengruppe RTL Deutschland, Pro Sieben Sat  1 und United Internet gegründet wurde. Die European NetID Foundation will als unabhängige Instanz Internetangebote bei der Umsetzung des neuen europäischen Datenschutzrechts unterstützen und hat dazu den offenen Log-in-Standard NetID geschaffen.

Mit der zentralen Registrierung können Nutzer verschiedene Onlinedienste nutzen, ohne sich Dutzende Passworte merken zu müssen. Ein Generalschlüssel fürs Netz.

Einen Gegenpol zu Facebook in Europa schaffen

„Die digitale Wirtschaft in Deutschland und Europa steht vor enormen Herausforderungen“, sagt Digitalexperte Bornemann. Mit jedem Log-in sammelt etwa Facebook Daten, mit denen der US-Konzern sein Angebot an Werbetreibende gegenüber der deutschen Konkurrenz verbessern kann. Die NetID sei daher ein Angebot, „um den geforderten Datenschutz mit einem transparenten und benutzerfreundlichen Handling zu kombinieren“.

Neu ist die Idee für eine deutsche Antwort auf die Dominanz der Amerikaner aber nicht: Unter der Ägide von Axel Springer und der Telekom haben sich andere Konzerne zu einem ähnlichen Log-in-Bündnis namens Verimi zusammengeschlossen.

Immerhin scheint NetID aber genau zur rechten Zeit zu kommen: Die neue Datenschutzgrundverordnung schreibt Unternehmen einen strikteren Umgang mit Daten vor. Zudem ist eine E-Privacy-Verordnung geplant. Firmen brauchen künftig das Einverständnis der Nutzer, wenn sie deren Daten weiterverwenden wollen.

Eine Veränderung, auf die NetID ebenso wie Verimi reagiert. Die Initiativen werben mit europäischer Datenhoheit und Datenschutz. Die US-Konzerne haben mit ihren Diensten eine Nutzerschaft, die ihr Einverständnis durch die Zustimmung der Geschäftsbedingungen bereits gegeben hat.

„Skandale wie der Datenmissbrauch von Cambridge Analytica zeigen, dass es einen Gegenpol zu Facebook und Google in Europa geben sollte“, meint Alexander Geschonneck, IT-Forensik-Spezialist der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Ein deutsches System zur übergreifenden Registrierung bei Internetdiensten sollte nach Ansicht von Geschonneck vor allem einfach sein, um eine hohe Nutzerakzeptanz zu schaffen.

Die Hoffnung der deutschen Firmen ruhen auf den beiden Initiativen. Konkurrent Verimi hatte im Mai seine Chefin Donata Hopfen verloren: Die Digitalexpertin stellte nach internen Querelen ihren Posten zur Verfügung.

Bornemann ist seit 1993 in der Digitalbranche tätigt

Ihre Aufgaben hat Jeannette von Ratibor von der Deutschen Telekom übernommen, sie verstärkt vorübergehend die Geschäftsführung.

Verimi startete den Registrierdienst Anfang April. Den Auftakt machten die Deutsche Bank und die Bundesdruckerei. Zu den Funktionen gehören die Möglichkeit, sich über Verimi bei verschiedenen Websites anzumelden, sowie das Video-Ident-Verfahren.

Weitere Services wie die elektronische Signatur, Bezahldienste oder das Hochladen sensibler Dokumente sollen folgen.

NetID will mit dem Einstieg von Bornemann im Sommer an den Markt gehen. Die Initiatoren der Stiftung – die Mediengruppe RTL Deutschland, Pro Sieben Sat 1 und United Internet mit seinen Marken GMX und Web.de – erreichen zusammen rund 50 Millionen Internetnutzer.

Jan Oetjen, Vorsitzender des Stiftungsrats der European NetID Foundation, nennt Bornemann „einen erfahrenen Digitalexperten“, der als ehemaliger AGOF-Geschäftsführer mit „dem Data-Management von Unternehmen verschiedener Branchen bestens vertraut ist“.

Der Wirtschaftsinformatiker Bornemann führte die AGOF Services GmbH in den vergangenen drei Jahren. Die AGOF ist ein Zusammenschluss von Onlinevermarktern in Deutschland, der die Reichweiten von werbefinanzierten Internetangeboten misst.

Er arbeitet seit 1993 in der Digitalbranche: Seine Laufbahn startete Bornemann als Multimedia Consultant bei Bertelsmann Media Systems. Zu seinen weiteren beruflichen Stationen zählen die Werbeagentur Ogilvy Interactive Deutschland, Adconion Media Group und Smarthouse Media/Axel Springer SE. Bei seinem neuen Posten an der Spitze der Registrier-Allianz NetID wird ihm diese Erfahrung von Nutzen sein.

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