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Neuer Speicherdienst: Kim Dotcom wagt die Mega-Provokation

exklusivEr ist wieder da: Ein Jahr nach der Schließung seiner umstrittenen Speicherplattform Megaupload hat der Unternehmer Kim Dotcom den Nachfolger Mega vorgestellt. Dabei gönnte er sich einige Provokationen in Richtung USA.

Ein Neuanfang: Kim Dotcom hat den Speicherdienst Mega entwickelt. Nutzer sollen auf den Servern des Unternehmens anonym Daten ablegen können. Quelle: Urs Wälterlin
Ein Neuanfang: Kim Dotcom hat den Speicherdienst Mega entwickelt. Nutzer sollen auf den Servern des Unternehmens anonym Daten ablegen können. Quelle: Urs Wälterlin

AucklandEin Jahr nach seiner spektakulären Verhaftung hat der deutschstämmige Internet-Unternehmer Kim Dotcom am Sonntag einen neuen Online-Speicherdienst gestartet. Mega ist ein Nachfolger von Megaupload, das von den Behörden wegen des Vorwurfs der Internetpiraterie geschlossen wurde. Innerhalb der ersten Stunden hätten sich bereits mehr als eine halbe Million Nutzer registriert, erklärte Dotcom am Sonntag in seiner Wahlheimat Neuseeland.

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Bei der Eröffnungsparty spottete Dotcom über die US-Behörden: Schauspieler im Kampfanzug landeten mit einem Helikopter und stellten die Razzia vor einem Jahr nach. Dotcom stoppte sie mit einem tiefkehligen „Stop!“ – und lachte. US-Ermittler hatten die Razzia im Januar 2012 veranlasst, sie fordern die Auslieferung des deutschstämmigen Unternehmers in die USA.

Plattformen wie Mega – sogenannte Filehoster – erlauben es Nutzern, ihre Daten übers Internet auf den Servern des Unternehmens zu speichern. Von dort sind sie jederzeit abrufbar. Die Besonderheit seines Dienstes sei die Verschlüsselung, sagte Kim Dotcom gegenüber dem Handelsblatt. Ein Nutzer müsse dafür auf seinem Computer keine zusätzliche Software installieren. Statt dessen sei die Verschlüsselung in den Browser integriert und werde während des Hochladens einer Datei automatisch vorgenommen. „Wir nennen das „1-Klick-Verschlüsselung“, so Dotcom.

Kim Dotcom und die Schließung von Megaupload

  • Januar 2012

    19.1. Die US-Behörden werfen Megaupload massive Urheberrechtsverletzungen vor und veranlassen, dass die Website vom Netz genommen wird.

    20.1. Polizisten durchsuchen das Anwesen von Megaupload-Gründer Kim Dotcom (ehemals Kim Schmitz) in Coatesvilla nördlich der neuseeländischen Stadt Auckland und nehmen diesen, zwei weitere Deutsche und einen Niederländer fest. Die US-Justiz verlangt die Auslieferung der Beschuldigten. Beschlagnahmt werden Gegenstände und Geld im Wert von umgerechnet 3,7 Millionen Euro. Aus Protest legen Hacker aus dem Umfeld der Anonymous-Bewegung Webseiten des FBI, des US-Justizministeriums und der Musikindustrie lahm.

    21.1. Zollfahnder durchsuchen Büros und Luxushotels in Hongkong.

    25.1. Ein Richter in Wellington lehnt eine Freilassung Dotcoms gegen Zahlung einer Kaution ab und begründet dies mit erhöhter Fluchtgefahr.

    26.1. Zwei führende Mitarbeiter von Megaupload, ein Deutscher und ein Niederländer, kommen gegen Zahlung einer Kaution frei.

    30.1. Die US-Staatsanwaltschaft kündigt die Löschung der Megaupload-Daten in den Rechenzentren von IT-Dienstleistern an.

  • Februar 2012

    3.2. Ein Richter in Auckland bestätigt die Entscheidung, dass Dotcom weiter in Haft bleiben soll.

    15.2. Auch der zweite deutsche Megaupload-Mitarbeiter wird gegen Zahlung einer Kaution freigelassen.

    22.2. Kim Dotcom wird nach einmonatiger Haft gegen Zahlung einer Kaution freigelassen. Der Richter verhängt strenge Auflagen für einen Hausarrest.

  • März 2012

    22.3. Ein Richter räumt Dotcom die Möglichkeit ein, monatlich auf eine begrenzte Menge Geld aus seinem Vermögen zuzugreifen und erlaubt ihm die Nutzung eines Autos.

  • April 2012

    2.4. Die Bedingungen für den Hausarrest werden weiter gelockert, Dotcom darf nun auch wieder das Internet nutzen.

  • Juni 2012

    28.6. Das Oberste Gericht in Neuseeland erklärt die Razzia auf dem Megaupload-Anwesen für rechtswidrig. Der Durchsuchungsbeschluss gegen Dotcom sei zu allgemein formuliert und damit ungültig gewesen.

  • Juli 2012

    10.7. Die neuseeländische Justiz verschiebt den im August geplanten Termin für eine erste Anhörung zum Auslieferungsantrag der USA auf 2013.

    18.7. Nach einer kritischen Äußerung zu den USA gibt der zuständige Richter im Auslieferungsverfahren, David Harvey, den Fall ab.

  • August 2012

    29.8. Dotcom erhält einen Teil seines konfiszierten Vermögens zurück.

  • September 2012

    25.9. Gerichtsdokumente belegen, dass Dotcom vor seiner Festnahme Ziel einer illegalen Abhöraktion des neuseeländischen Geheimdienstes GCSB war. Für den Einsatz gegen einen Ausländer mit Aufenthaltsgenehmigung gab es keine rechtliche Grundlage.

    27.9. Der neuseeländische Ministerpräsident John Key entschuldigt sich bei Dotcom wegen der illegalen Abhöraktion des Geheimdienstes.

    26.9. Dotcom kündigt in einem YouTube-Video einen neuartigen Internet-Musikdienst mit dem Namen Megabox an.

  • Dezember 2012

    6.12. Eine Richterin räumt Dotcom das Recht ein, den Geheimdienst wegen der illegalen Abhöraktion auf Schadenersatz zu verklagen.

Die Vereinfachung des Verschlüsselungsvorgangs könne zu einem Industriestandard werden, sagte Dotcom. Mega wolle die selbe Technologie später auch bei E-Mails anbieten, „damit man mal ein bisschen mehr Sicherheit hat, was die Privatsphäre angeht“. Mega selbst verwalte keine Schlüssel, die den Zugang zu Konten erlauben würde. Nur dem Besitzer des Kontos sei es möglich, dieses „zu knacken“.

Für den gebürtigen Kieler Kim Schmitz, einen ehemaligen Hacker, der sich in Kim Dotcom umbenennen ließ, ist Mega ein neuer Anfang. Vor genau einem Jahr hatten Sondereinsatztruppen der neuseeländischen Polizei auf Antrag der amerikanischen Justizbehörden und der Bundespolizei FBI sein luxuriöses Anwesen in der Nähe der Stadt Auckland unter dem Einsatz von Waffen gestürmt. Dotcom und sein Management-Team wurden festgenommen und inhaftiert. Gleichzeitig wurde die Webseite Megaupload geschlossen. Mehrere Millionen Nutzer verloren dabei den Zugang zu ihren Daten. Dotcoms Vermögen wurden eingefroren.

Die amerikanischen Behörden werfen Megaupload vor, an der Verletzung von Urheberrechten beteiligt gewesen zu sein. So hätten Nutzer von Megaupload Filme und Software hochgeladen, die dann anderen zugänglich gemacht wurden. Dotcom sei auch direkt daran beteiligt gewesen und habe damit Millionen verdient.

Interview mit Kim Dotcom „Hollywood fördert Piraterie“

Kim Dotcom packt aus: Vor dem Start seiner neuen Speicherplattform Mega bezichtigt der umstrittene Megaupload-Gründer die US-Behörden der Lüge und beteuert: „Ich bin kein Gauner“. Das ausführliche Interview.

  • 20.01.2013, 15:18 UhrStubi

    Dies hat sicherlich eine Zukunft. Jeder vernuenftige Mensch wuerde nie vertrauliche Daten (und da meine ich auch schon ein Bild wo mein Gesicht darauf ist - Gesichtserkennung ist schon sehr weit) in das Netz stellen. Und wenn, dann sollte man besser vorher selber verschluesseln und dann hochladen. Aber schon morgen kann der Anbieter dicht machen und sich endlos lange mit meinen Daten beschaeftigen, analysieren, verkaufen, was auch immer - zumindest solange man nicht selber mit eigener Software vor dem Hochladen verschluesselt hatte.

    Sicher ist - man siehe beispielsweise manche "soziale Netzwerke" - es gibt unendlich viele Naive. Egal ob es eine Cloud ist oder noch viele Dimensionen schlimmer, gar ein Endsieg. Die Unvernunft war nie aufzuhalten, solange die Masse in eine Richtung marschierte. Sogar Warren Buffett setzt auf Cloud-Computing. Voellig zurecht befuerchte ich.

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