T -Systems
ändert bei der Suche nach einem Partner erneut die Strategie. Reinhard Clemens, der neue Chef der Geschäftskundensparte der Telekom,
favorisiert nun offenbar eine lockere Partnerschaft statt eines Partners, der sich an Teilen von T -Systems
beteiligt.
BERLIN/FRANKFURT. Clemens sei gegen einen Verkauf, heißt es in Konzernkreisen - auch wenn er sich offiziell mehrere Optionen offen hält. Er sähe zwei Möglichkeiten für die angeschlagene Sparte, sagte er am Dienstag in Berlin: Entweder die Deutsche Telekom
verkaufe den Bereich Systemintegration und Anwendungsentwicklung mit 15 000 Mitarbeitern komplett, oder sie vereinbare einen Liefer- und Leistungsvertrag mit einem IT-Dienstleister als neuem Geschäftspartner. "Wir sind in finalen Gesprächen. Alles ist möglich - vom Verkauf bis zum Partnering. Das muss aber nicht unbedingt ein Joint Venture sein", sagte Clemens.
Telekom
Deshalb überrascht der erneute Strategieschwenk Marktbeobachter auch nicht. "Kurzfristig ist das sicherlich eine pragmatische und sinnvolle Lösung. Eine lockere Partnerschaft ist einfacher zu gestalten als eine Beteiligung", sagte Christophe Chalons, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants.
Gute Chancen bei der Partner-Kür hat das indische Unternehmen Tata. Auch die indischen Firmen Satyam und Infosys
scheinen im Rennen zu sein Ein US-Unternehmen soll zudem Interesse am Kauf der Sparte Systemintegration geäußert haben - in der Branche wird hier der Name Comsys genannt.
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Allerdings birgt eine lockere Lösung auch Risiken. "Langfristig besteht die Gefahr, dass Tata in Deutschland richtig Fuß fasst und irgendwann die Kunden direkt bedient. Hier ist die Herausforderung für die Telekom,
ihre Kundenbeziehungen richtig zu managen", sagte Chalons weiter. Genau darüber verhandelt T -Systems derzeit noch, Clemens strebt eine klare Abgrenzung der Kundenzuständigkeiten an.
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Die Erwartungen an T -Systems sind hoch. So heißt es in Konzernkreisen, Clemens wolle die Marge vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 2,5 Prozent im dritten Quartal 2007 bis zum Jahr 2010 auf 6,6 Prozent steigern. Offiziell nimmt er diese Zahl nicht in den Mund. "Die Deutsche Telekom
wird in T -Systems investieren, mit klaren Margenvorgaben", sagte er lediglich.
Um seine Vorgaben zu erreichen, will sich Clemens künftig auf den europäischen Markt konzentrieren. "Unser Fokus liegt auf Kunden, die ihr Headquarter in Europa haben", sagte er. "Wir werden uns unser Auslandsgeschäft kritisch anschauen. Da, wo wir nicht mindestens die Nummer fünf im Markt sein können, prüfen wir einen Ausstieg."
Bislang galt die geringe internationale Präsenz der Telekomtochter als einer der Gründe für die Schwierigkeiten, global aufgestellte Unternehmen als Kunden zu gewinnen. Dennoch können Experten die Entscheidung von Clemens nachvollziehen. "Die Strategie, bei den Absatzmärkten primär Europa in den Fokus zu nehmen, ist durchaus schlüssig", sagte Peter Kreutter, Dozent an der WHU Otto Beisheim School of Management. Allerdings brauche das Unternehmen gleichzeitig den Zugang zu Offshore-Ländern wie Indien. Genau das soll die Partnerschaft sichern. Doch Kreutter bleibt skeptisch: "Eine solche Partnerschaft öffnet T -Systems zwar die Tür zum wichtigen Offshoring. Aber das Problem der Überkapazitäten wird natürlich nicht direkt gelöst."
Zu national, zu teuer, zu viel Fett
Die Probleme: T -Systems ist zwar in Deutschland der führende IT-Dienstleister und etwa in der Auto-Industrie sehr präsent. Doch das Unternehmen hat zu viele Mitarbeiter und kann keine wettbewerbsfähigen Preise bieten.
Die Reaktion: T-Systems -Chef Reinhard Clemens hat gestern Kürzungen beim Personal angekündigt. "Wir werden Unternehmensstrukturen verschlanken und Firmen weiter zusammenlegen", sagte er. KonkreteZahlen nannte er allerdings nicht. Einige Experten gehen davon aus, dass die Sparte auch mit der Hälfte der gut 56 000 Mitarbeiter auskommen würde. Gleichzeitig will Clemens aber investieren. So will er auf dem deutschen Markt das Geschäft mit Mittelstandskunden ausbauen und dafür sechs regionale Standorte aufbauen.

