Neuer Telekom-Chef
Obermann will's billiger

Der neue Telekom-Chef René Obermann tritt ein schweres Erbe an. Dem deutschen Branchenprimus laufen die Kunden scharenweise davon. Sein Rezept dagegen klingt simpel: Preise runter, Service rauf. Doch um dieses Ziel zu erreichen, kommt Obermann wohl nicht umhin, den Konzern umzubauen. Nach Informationen des Handelsblatts gibt es bereits erste Überlegungen.

HB/dri/kol/lou/hac/saf HAMBURG. Der „Bild“-Zeitung sagte Obermann: „Wenn es uns gelingt, unsere Kosten zu senken, können wir unsere Preise weiter senken.“ Dies sei auch ein Erfordernis des Konkurrenzumfelds in den Märkten Telefonfestnetz, Handy und Internet: „Der Wettbewerb wird härter und die Preise bewegen sich nach unten.“ Allerdings schränkte er ein: „Wir werden nicht zum billigen Jakob der Branche. Die Telekom will aber 'den Preis wert sein'.“

Auch an einer weiteren Stellschraube will Obermann drehen, um die millionenfache Anwanderung der Kunden speziell aus dem Festnetz zu stoppen: Er will die Zufriedenheit erhöhen. Um das zu erreichen, müsse man „in vielen Bereichen schneller reagieren, freundlicher sein – und eine Kunden orientiertere, einfachere Sprache finden“, sagte Obermann. „Dazu werden wir alle Bereiche überprüfen, wo wir direkten Kontakt zum Kunden haben. Angefangen beim Verkaufsgespräch bis hin zur Verständlichkeit von Produkten und Tarifen oder der Bearbeitung von Aufträgen und Reklamationen.“ Obermann unterstrich, dass Verbesserungen im Servicebereich für ihn oberste Priorität haben. „Da haben wir starken Nachholbedarf und müssen unsere Hausaufgaben machen.“

Konzernumbau

Um seine Vorhaben verwirklichen zu können und die Krise des Konzerns in den Griff zu bekommen, erwägt Obermann einen radikalen Umbau des Konzerns. Nach Informationen des Handelsblatts aus dem Umfeld der Telekom überlegt der neue Telekom-Chef, die Trennung der beiden Geschäftsbereiche Festnetz und Mobilfunk aufzuheben. Dies könnte helfen, den dramatischen Verlust an Kunden zu bremsen und den Konzern wieder stärker auf Wachstumskurs zu bringen.

Wegen der schlechten Zahlen hatte der Aufsichtsrat der Telekom am Wochenende den bisherigen Vorstandschef Kai-Uwe Ricke zum Rücktritt gedrängt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an seinen Nachfolger. „Den Konzernchef jetzt abzulösen zeigt, dass der Aufsichtsrat mit der Strategie nicht einverstanden war, die Ricke Anfang September präsentiert hat“, urteilt Frank Rothauge von der Privatbank Sal. Oppenheim. Das zwinge Obermann, da noch etwas draufzulegen – was aber nur schwer möglich sei.

Konkurrenz im eigenen Hause

Analysten fordern seit langem eine Zusammenlegung der Bereiche Mobilfunk und Festnetz, weil sie sich zum Teil Konkurrenz machen. „Die Telekom hat das Potenzial eines integrierten Anbieters von Festnetztelefonie, Internet und Mobilfunk noch nicht ausgeschöpft“, sagt Arno Wilfert von der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Aber selbst wenn es künftig keine getrennten Sparten mehr geben sollte, muss Obermann zumindest für eine Übergangszeit einen Leiter für den Mobilfunkbereich suchen. Als Favorit dafür gilt Branchenkreisen zufolge Timotheus Höttges, bislang Europachef von T-Mobile International.

Seite 1:

Obermann will's billiger

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%