Neuer Vorstandschef
Ostrowski will Bertelsmann wieder auf Wachstum trimmen

Zu Jahresbeginn 2008 übernimmt Hartmut Ostrowski das Ruder beim Bertelsmann -Konzern. Das Ziel des neuen Vorstandschef: das Unternehmen weiter voranbringen. Dazu steht nun sogar der Verkauf einer erst kürzlich erworbenen Sparte zur Debatte.

DÜSSELDORF. Bertelsmann soll endlich wieder zurück auf den Wachstumspfad finden. Der neue Vorstandschef Hartmut Ostrowski will Europas größten Medienkonzern nach Jahren der Konsolidierung zu neuen Umsatz- und Gewinnhöhen führen. Bereits am nächsten Donnerstag will der bisherige Chef der Druck- und Dienstleistungstochter Arvato auf einen zweitägigen Managementtreffen in Berlin konkrete Beispiele seiner neuen Wachstumsstrategie vorstellen. Künftig sollen vor allem Arvato mit den umfangreichen Dienstleistungsaktivitäten und das Fernseh- und Internetgeschäft der RTL-Group, in deren Aufsichtsrat Ostrowski einzieht, die Wachstumstreiber sein. Das erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Das organische Wachstum bei Bertelsmann belief sich zuletzt auf nur 1,3 Prozent.

Der 49-jährige Ostrowski übernimmt zum Jahreswechsel den Chefsessel in Gütersloh. Der bisherige Vorstandschef Gunter Thielen wechselt dann an die Spitze der Aufsichtsrats und der Bertelsmann Stiftung, des größten Gesellschafters des Medienkonzerns. Er verlässt zudem den RTL-Aufsichtsrat.

Der langjährige Arvato-Chef Ostrowski ist für seine Härte im Geschäft bekannt. Die Zukäufe im US-Buchklubgeschäft sollen im kommenden Jahr womöglich verkauft werden. Das meldete die "Financial Times Deutschland“, die ebenfalls zum Bertelsman -Konzern gehört. Gütersloh lehnte dazu einen Kommentar ab. Zu den Klubgeschäften von Bertelsmann in den USA zählen der Buchklub Bookspan und der CD- und DVD-Versender Columbia House, den Bertelsmann einst für 312 Mill. Euro gekauft hat. Erst im April hatte Bertelsmann vom Medienkonzern Time Warner außerdem den 50-prozentigen Anteil an Bookspan für 103 Mill. Euro erworben. Mittlerweile wurde das Klubgeschäft abgetrennt. Die US-Aktivitäten werden nun von der Buchtochter Random House geführt.

Zuletzt hatte Bertelsmann enttäuschende Zahlen vorgelegt. Eine Millionen-Strafe des Kartellamts für RTL hatte die Bilanz verhagelt. Der Konzerngewinn schmolz in den ersten neun Monaten auf 132 Mill. Euro. Auch die Umsatzentwicklung blieb hinter den Erwartungen zurück. Der Konzernumsatz sank um 278 Mill. Euro auf 13,3 Mrd. Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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