Neuerungen von Apple
Ein bisschen Langeweile für die Zukunft

Keine neuen Geräte, keine Innovationen? Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz nur Software präsentiert. Das ist aber kein Zeichen, dass dem Konzern die Ideen ausgehen – er sichert das Geschäft der nächsten Jahre.
  • 0

Die Verschwiegenheit von Apple ist legendär. Das Management um Tim Cook will keine Details über seine Pläne nach außen dringen lassen – und heizt gerade damit die Spekulationen an. Wenn es gut läuft, sind die Gerüchte Gratiswerbung; wenn es schlecht läuft, können die Macher aus Cupertino die Erwartungen aber nicht erfüllen.

So auch bei der aktuellen Entwicklerkonferenz in San Francisco: Weil es weder ein neues iPhone noch eine iWatch noch sonst ein neues Gerät gibt, sind viele Beobachter enttäuscht. Zu Unrecht: Mit den Weiterentwicklungen legt Apple eine wichtige Grundlage für den Erfolg der nächsten Gerätegeneration. Die neuen Produkte hebt sich das Unternehmen für später auf.

Die Ankündigungen haben zwei Stoßrichtungen. Erstens umgarnt Apple die Entwickler. Der Konzern will dafür sorgen, dass sie dem iPhone und iPad treu bleiben und weiter attraktive Apps schreiben – am besten noch bevor eine Android-Version herauskommt, wie das derzeit häufig der Fall ist. Das riesige Angebot im App Store ist schließlich für viele Käufer ein wichtiges Kriterium.

Dafür gibt der iPhone-Hersteller den Entwicklern einen besseren Werkzeugkasten. So soll die eigens entworfene Programmiersprache Swift die Arbeit erheblich erleichtern – eine viel bejubelte Ankündigung. Zudem dürfen die Entwickler mehr Systemfunktionen nutzen. Beispielsweise können sie auf den Fingerabdrucksensor TouchID zugreifen, um den Nutzer zu identifizieren, oder alternative Tastaturen installieren. Hier hat Android bislang einen Vorteil.

Zweitens verzahnt der Elektronikkonzern seine Geräte immer stärker. Wer ein Dokument auf dem Mac anlegt, kann es auf dem iPhone oder iPad weiterbearbeiten, ohne sich die Datei per E-Mail zuschicken zu müssen. Fotos tauchen auf allen Geräten auf, ein Anruf auf dem iPhone lässt sich auch auf dem Notebook beantworten.

Das Zusammenspiel verschiedener Geräte an sich ist nicht neu. Als Unternehmen, das Hardware und Software aus einer Hand anbietet, kann Apple das Problem aber besonders elegant lösen. Die Botschaft nach draußen: Wer in der Apple-Welt bleibt, hat kurze Wege.

Die Verbesserungen in Sachen Software – ob selbst erfunden oder bei der Konkurrenz abgekupfert – sind eine notwendige Bedingung dafür, dass Apple mit iPhone, iPad und Mac weiter hervorragend verdient. Um den Premiumaufschlag gegenüber Samsung und Co zu rechtfertigen, muss der Konzern im Herbst aber tatsächlich die Erwartungen der Medien und Fans erfüllen und starke neue Hardware herausbringen. Spätestens im September wird man mehr wissen.

Klar ist auch: Die sagenhaften Wachstumsraten von einst, die Apple zum wertvollsten Unternehmen der Welt machten, wird das Unternehmen nur erreichen können, wenn es „One more thing“ präsentiert, wie es der verstorbene Gründer Steve Jobs einst tat.

Kommentare zu " Neuerungen von Apple: Ein bisschen Langeweile für die Zukunft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%