Neues Angebot
Premiere umwirbt die Konkurrenten

Neue Fernsehkanäle schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden – und sorgen beim Bezahlfernsehsender Premiere für Aufbruchstimmung. Mit einer Satellitenplattform für digitale Abonnentensender anderer TV-Anbieter wie Pro Sieben Sat 1 oder RTL will Premiere Hunderttausende neuer Kunden gewinnen.

DÜSSELDORF. Der Bezahlfernsehsender Premiere will ab September digitale Abonnentensender anderer TV-Anbieter wie Pro Sieben Sat 1 oder RTL vermarkten. „In fünf Jahren werden wir über diesem Weg eine Million neuer Kunden gewinnen“, sagte der Chef der neuen Premiere Sky, Wolfram Winter, dem Handelsblatt. Winter war bis Ende 2006 Deutschlandchef des US-Fernsehkonzerns NBC Universal und baute dort Sender wie „SciFi“ und „Das Vierte“ auf. Jetzt leitet er die neue Satellitenplattform von Premiere.

Das neue Angebot „Premiere Sky“ richtet sich an die 1,7 Mill. digitalen Satellitenhaushalte in Deutschland. Sie können die neuen digitalen Sender gegen eine monatliche Gebühr zusätzlich abonnieren. Derzeit schießen neue Kanäle wie Pilze aus dem Boden. So startet NBC Universal in diesem Monat den Spartenkanal Biography Channel. Auch Pro Sieben Sat 1 und RTL haben Pläne für weitere Spezialkanäle in der Schublade. Bei Premiere ist die Euphorie groß. „Es gibt ständig neue Sender, die in den Markt kommen und eine möglichst große Verbreitung brauchen“, sagt Premiere-Manager Winter. „Der Wettbewerb zwischen den Empfangswegen Satellit, Kabel und DSL bekommt neue Impulse“, sagte Premiere-Chef Georg Kofler.

Die Börse teilt die Euphorie nicht. Der Kurs der Premiere-Aktie stagnierte am gestrigen Dienstag bei rund 14,80 Euro, obwohl die WestLB am Vormittag eine Kaufempfehlung aussprach. Noch im Februar notierte die Premiere-Aktie über 18 Euro. Kofler selbst schickte das Papier vor wenigen Wochen mit dem Verkauf eines Aktienpakets für 180 Mill. Euro in den Keller.

Nach Angaben von Insidern ist das neue Unternehmen „Premiere Sky GmbH“ noch nicht einmal gegründet. Auch gilt es als unwahrscheinlich, dass Premiere tatsächlich 100 Prozent der neuen Firma halten wird. Das Unternehmen versichert nur, in dieser Woche sei ein Notartermin anberaumt.

Als Investitionskosten nennen Kofler und Winter einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Nach Angaben des Premiere-Chefs beeinflussen die Anlaufkosten die Prognose des Abosenders für dieses Jahr nicht.

Das Projekt wurde nach Angaben aus Verhandlungskreisen in nur vier Wochen entwickelt. Noch sind eine Reihe von Fragen offen – etwa wie die Zusammenarbeit mit dem Satellitenkonzern SES Astra aussehen soll. „Es gibt fruchtbare Gespräche“, sagte ein Astra-Sprecher am Dienstag. Der Marktführer will künftig Fernsehprogramme verschlüsseln und dafür eine monatliche Gebühr verlangen. Das Vorhaben ist aber politisch umstritten, die kartellrechtlichen Bedenken sind groß.

Ob sich alle Fernsehanbieter auf die neue Satelliten-Plattform von Premiere einlassen, ist offen. Verträge müssten in den nächsten Monaten ausgehandelt werden. Vor allem ausländische Medienkonzerne wie Disney, Sony, Time Warner und NBC Universal sind an dem Projekt interessiert. Die großen Hollywood-Studios arbeiten bereits seit Jahren eng mit Premiere zusammen.

Premiere-Gesellschafter Unity Media wird den Aufbau der neuen Satellitenplattform genau beobachten. Schließlich ist SES Astra der schärfte Konkurrent des Kabelriesen, dem auch der Bundesligasender Arena gehört.

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