Neues Geschäftsfeld
Apple knöpft sich Schulkinder vor

Der Konzern nimmt den milliardenschweren Bildungsmarkt ins Visier - und greift damit die Verlage auf einem neuen Schlachtfeld an. Das Ziel klingt kühn: Apple will das Lehrbuch neu erfinden. Kann der Vorstoß gelingen?
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Apple nimmt sich die nächste Branche vor: Das iPad soll endgültig elektronischen interaktiven Lehrmitteln in den Schulen zum Durchbruch verhelfen. Und zwar zusammen mit den Schulbuchverlagen – oder ohne sie.

Ein entsprechendes Projekt hat der kalifornische IT-Konzern am Donnerstag in New York zusammen mit seinem neuen Online-Buchshop iBooks 2 vorgestellt. Eine Autoren-Software („iBooks Author“) versetzt auch in Programmierung ungeübte Autoren in die Lage, schnell ohne Verlagshilfe attraktive interaktive Textbücher für das Tablet zu erstellen.

Die Software für Apples Mac-Computer wird kostenlos angeboten, was einen großen Anreiz für Schulen oder Universitäten darstellt, iPads für den Bildungsbetrieb zu kaufen und eigenes Lehrmaterial zu erstellen. Das Material kann dann über eine neue Kategorie Lehrbücher im Buchladen iBooks 2 den Schülern verkauft werden.

Laut Apple-Marketingchef Phil Schiller werden rund 1,5 Millionen iPads derzeit in Bildungseinrichtungen genutzt, in Deutschland hat Apple laut Gartner Research beim digitalen Hardwaremarkt im Bildungsbereich (Laptops. PCs, Tablets) einen Anteil von rund 36 Prozent. Nun soll der Lehrbuchverkauf dazukommen und die kleine Universitätsbuchhandlung von Nebenan aus dem Markt drängen.
Von Verlagsseite haben sich in den USA unter anderem McGraw-Hill oder Pearson für eine Kooperation mit Apple entschieden, erste Bücher für den Highschool-Bereich werden für 14,99 Dollar oder weniger angeboten werden, heißt es.

Jeder Student bekommt dann sein eigenes Exemplar und behält es ein Leben lang. Ein interessanter Schachzug: In den USA werden heute in der Regel Lehrbücher von den Schulen erworben und an die Schüler ausgeliehen.

Das Apple-Modell verlagert die Kosten der Lehrmittel jetzt potenziell auf die Eltern. Angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in den USA werden derzeit immer mehr Gelder für öffentliche Schulen zusammengestrichen. Neuanschaffungen von Büchern werden solange möglich hinausgezögert. Verlage hoffen auch deshalb stark auf einen Durchbruch bei elektronischen Büchern, weil er ihr Problem mit gebrauchten Büchern löst, die Eltern weiterverkaufen.

Digitale Lehrbücher werden nicht mehr handelbar sein. Unklar war zunächst noch, ob Apple auch bei Lehrbüchern seine standardmäßigen 30 Prozent vom Umsatz einfordern wird und ob Massenbestellungen von Schulen zu Sonderkonditionen möglich sein werden.
Ein generelles Problem beim Einsatz von e-Lehrbüchern sind noch Klausuren und Abschlussprüfungen: Mit dem Internet verbundene Tablets statt Papierbücher im Prüfungsraum erhöhen die Gefahr von Täuschungsversuchen, wenn keine technischen Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.

Zum Start ist die spezielle Lehrbuch-Sektion im iBookstore nur in den USA zugänglich. Außerhalb der USA können Bücher zwar bereits mit iBooks Author erstellt werden, zum Publizieren müssen Verleger außerhalb der USA aber direkt mit Apple sprechen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • durchschnittliche lebensdauer eines schulbuchs vs. durchschnittliche lebensdauer eines ipads? wer trägt die kosten für reperatur, entsorgung, neuanschaffung außerhalb der garantie? afrika oder der pazifik - wer "kauft" den sondermüll? lerninhalte interaktiv und leichverständlich aufbereitet - angenehem, aber verliert damit das ein oder andere trockene thema nicht noch mehr an boden? es gibt gute und schlechte lehrbücher - bei lernsoftware wird sch dieser unterschied nur verstärken. unser bildungssystem wird damit weiter privatisiert. früher gab es ein stück kreide und eine tafel - reicht nicht 1 touchpad und 1 beamer? man lernt auch vom zugucken (freilich verdient äppel daran nicht so viel). den besten unterricht macht immer noch ein guter lehrer!!!

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