Neues Konzept
Parteiblätter kämpfen gegen Bedeutungslosigkeit

ParteizeituMit neuem Inhalt und Layout will der „Vorwärts“ gegen seine zunehmende Bedeutungslosigkeit kämpfen. Die SPD-Zeitung wirbt mit einem frischen Konzept um neue Leser. Experten sind skeptisch, ob ein neues Konzept das Interesse an einer Parteizeitung steigern können.

DÜSSELDORF. Am 25. Oktober erscheint die SPD-Zeitung zu ihrem 130-jährigen Bestehen zum ersten Mal in neuem Gewand. In einer neuen Rubrik „Zu Gast im Vorwärts“ sollen Themen wie der demographische Wandel auch von Politikern der Konkurrenz diskutiert werden. Die Gremien der SPD müssen den Relaunch-Plänen noch zustimmen.

Außerdem wird sich die Reichweite nicht länger auf Parteimitglieder beschränken, sondern soll durch Kioskverkauf und Abonnementen wachsen. „Ich wäre froh, wenn wir im ersten Jahr 10 000 neue Leser haben“, sagt Uwe-Karsten Heye, seit Januar Chefredakteur des „Vorwärts“.

Nach Ansicht von Experten wird es bei dem Wunsch bleiben. „Statt Langeweile wäre das jetzt Langeweile mit ein bisschen Pfeffer“, urteilt Peter Lösche, Parteienforscher an der Universität Göttingen. „Die Konflikte zwischen den Parteien werden sowieso ausgetragen.“ Somit bleibe nur die Auseinandersetzung über Grundsätze. „Die interessiert aber auch niemanden.“

Deshalb darben die Parteizeitungen dahin. „Seit vielen Jahren schon verlieren alle Parteiblätter nicht nur an Auflage, sondern auch an Bedeutung“, sagt der Zeitungsexperte Horst Röper vom Dortmunder Formatt-Institut. Bei der Kirchen- und Gewerkschaftspresse sei diese Entwicklung ähnlich. „Die Leute wollen eine unabhängige Zeitung lesen, nicht mehr die Mutterideologie.“

Tatsächlich haben es alle großen Parteizeitungen in Deutschland schwer. Der monatlich erscheinende „Vorwärts“ verlor in den vergangenen acht Jahren aufgrund der Welle an Parteiaustritten knapp 180 000 Leser und kommt jetzt auf etwas mehr als 500 000.

Das von der SPD subventionierte Blatt gab es schon einmal am Kiosk zu kaufen. Ende der 80er-Jahre war damit aber Schluss. Es war schlicht zu teuer. Auf Betreiben des Parteivorstands wurde das Blatt eingestellt. Von dem Namen „Vorwärts“ wollten sich die Genossen aber nicht trennen und gaben fortan ihrer Mitgliederzeitschrift den Nostalgie-Titel. Für Außenstehende war der „Vorwärts“ nun nicht mehr zu kaufen. Unter Heye soll sich das wieder ändern. „Es war eine vorschnelle Entscheidung, die Zeitung aus dem freien Verkauf zu nehmen“, sagt der frühere Regierungssprecher. In ausgewählten Kiosken und Buchhandlungen ist der „Vorwärts“ künftig wieder erhältlich.

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