Neues Layout der FAZ
„Sie sind Journalisten und nicht Kellner“

Bei einer anderen Zeitung wäre eine Blattreform nur Alltagsgeschäft. Doch bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sorgt das neue Erscheinungsbild für Zwietracht unter den Lesern. Dabei braucht die FAZ die Reform dringend – im Duell mit dem Erzrivalen „Süddeutsche Zeitung“.

DÜSSELDORF. „Behindern Sie nicht das Interesse an Inhalten durch neue Lockreize im Layout! Vergrämen Sie nicht die letzten Leser, die sich ihre Informationen erarbeiten wollen und nicht Meinungen attraktiv serviert bekommen möchten. Sie sind Journalisten und nicht Kellner! Handeln Sie danach!“, poltert Markus Adami, Leser der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) im Diskussionsforum der Internettochter faz.net. Leser Christoph A. Rein hat sogar ausgerechnet: „Das neue Layout der FAZ bedeutet einen massiven Verlust an inhaltlichem Material. Der Textanteil ist um etwa 30 bis 40 Prozent zurückgegangen. Damit verliert die FAZ ihre herausragende Stellung unter den Tageszeitungen in Europa und passt sich (nach der Rechtschreibreform) zum zweitenmal innerhalb eines Jahres negativ an den von ihr so oft kritisierten Zeitgeist an.“

Mit der Runderneuerung, die ab dem heutigen Freitag umgesetzt wird, entzweit die FAZ ihre treue Leserschaft. Da hilft es auch nicht, dass Herausgeber Werner D’Inka am gestrigen Donnerstag beruhigte Worte für die vergrämten Abonnenten findet. „Es bleibt unsere Grundhaltung, dass auch die neue Gestaltung frei sein wird von allem Grellen und Affektierten“, schreibt der Blattreformer. „Einladend, frisch, übersichtlich“, sei das „neue Kleid“ der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), berichtet das Blatt über sich selbst.

Die Führungsspitze verbreitet derzeit Selbstsicherheit. Denn zuvor haben Leserbefragungen des Instituts für Demoskopie Allensbach nach Unternehmensangaben eine große Zustimmung zu der Layoutreform bewiesen. Mehr als drei Viertel der Befragten würde das neue Erscheinungsbild dem bisherigen vorziehen, teilte die FAZ mit.

Bei einer anderen Zeitung wäre eine Blattreform nur Alltagsgeschäft. Denn in den vergangenen Jahren hat sich jede überregionale Zeitung modernisiert. Es gibt nur eine Ausnahme: die FAZ.

Eigentlich handelt es sich bei der Neugestaltung um gar keine radikale Reform. Denn ab Freitag wird aus FAZ die tägliche „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS). Das mit Preisen überhäufte Wochenblatt FAS gilt wegen seines innovativen und gefälligen Designs als eine der schönsten Zeitungen in Europa.

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