Neues Transparenz-Zentrum
Microsoft gewährt Einblick in den Quellcode

Der Microsoft-Konzern wirbt bei Europas Regierungen um Vertrauen - und erlaubt ihnen, den Quellcode seiner Software einzulesen. Eigens dafür richtet das Unternehmen nun ein „internationales Transparenz-Zentrum“ ein.
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MünchenMicrosoft fürchtet Wettbewerbsnachteile durch die NSA-Affäre: Um in Europa Zweifel auszuräumen, das Unternehmen öffne seine Systeme heimlich für den US-Geheimdienst, richtet der Software-Riese nun eigens ein „internationales Transparenz-Zentrum“ ein. „Regierungsvertreter können hier den Quellcode unserer Software einsehen und sich davon überzeugen, dass in unseren Produkten keine Hintertüren eingebaut sind, die einen Zugriff auf Daten unserer Kunden ermöglichen könnten“, erklärte die Microsoft-Managerin Marianne Janik. „Die NSA-Affäre hat das Vertrauen in die Informations- und Telekommunikationsindustrie und ihre zukunftsweisenden Technologien schwer erschüttert. Wir bei Microsoft tun alles dafür, dieses Vertrauen zurückzugewinnen.“

Der Quellcode für die Systeme galt bislang bei Microsoft als sakrosankt und zentrales Firmengeheimnis. Das Unternehmen sieht sich nun allerdings durch Spekulationen unter Druck gesetzt, es habe eigens für die US-Behörden ein Einfallstor in seinen Programmen eröffnet, damit die Geheimdienste auf jedem Rechner mit Windows-Software herumschnüffeln können.

Vor allem im zukunftsträchtigen Cloud-Geschäft mit Speicher- und Programmservices im Internet drohen die Amerikaner ins Hintertreffen zu geraten. Konkurrenten von der japanischen Fujitsu über die Deutsche Telekom bis hin zu Cancom werben bereits erfolgreich damit, dass sie als asiatische und europäische Anbieter die Daten ihrer Kunden abseits der USA lagern und in ihren Heimatländern nicht der US-Gesetzgebung unterliegen. Neben Microsoft droht auch IT-Riesen wie IBM durch die NSA-Affäre schwerer Schaden. Marktforscher veranschlagen für die US-Anbieter insgesamt je nach Schätzung einen Schaden von 35 bis 180 Milliarden Dollar in den kommenden drei Jahren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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