Neukunden hinzugewonnen
Telekom wird Erwartungen übertreffen

Analysten sehen die Schulden des Unternehmens bei 47 Milliarden Euro und schätzen den Nettogewinn auf 1,5 Milliarden Euro.

slo DÜSSELDORF. Die Deutsche Telekom AG hat die Wende geschafft und wird dies am Mittwoch voraussichtlich mit ihren Ergebnissen für 2003 belegen: Analysten erwarten einen Nettogewinn von etwa 1,5 Mrd. Euro und damit mehr als „die schwarze Null“, die Konzernchef Kai-Uwe Ricke sich vorgenommen hat. Im Vorjahr hatte das Unternehmen auf Grund großer Abschreibungen unter dem Strich ein Minus von 24,5 Mrd. Euro eingefahren.

Auch beim Ergebnis vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebitda) wird die Telekom ihr Ziel von 18,2 Mrd. Euro wohl übertreffen. Im Durchschnitt erwarten Branchenexperten etwa 200 Mill. Euro mehr und damit ein Plus von knapp 13 % gegenüber dem Vorjahr. Ganz optimistische Analysten rechnen sogar mit rund 19 Mrd. Euro.

Für den Zuwachs beim operativen Ergebnis haben wohl erneut Neukundengewinne im Mobilfunkgeschäft in den USA und in Deutschland gesorgt. Die US-Mobilfunktochter T-Mobile (ehemals Voicestream) steigerte die Zahl ihrer Nutzer im vergangenen Jahr auf 13,1 Millionen und ist insgesamt schneller gewachsen als der Branchendurchschnitt – mit dem Ergebnis: Das Unternehmen verbesserte seine Position vom sechsten auf den fünften Platz unter den nationalen US-Mobilfunknetzbetreibern.

Analysten schätzen die Wachstumsaussichten der Telekom in den USA weiterhin sehr positiv ein und begründen damit in der Regel ihre Einordnung des Bonner Konzerns als „Outperformer“ – ein Unternehmen, dass künftig besser als die Branche abschneiden wird.

Die gute Entwicklung im operativen Geschäft schlägt auch auf das Nettoergebnis durch. Ursprünglich erwarteten Branchenexperten einen Gewinn unterm Strich von bis zu 2 Mrd. Euro, doch der wird jetzt durch das Betreiberkonsortium für die LKW-Maut, Toll Collect, geschmälert, an dem die Telekom mit 45 % beteiligt ist. Daher wird das Plus nach Angaben aus Unternehmenskreisen um 440 Mill. Euro geringer ausfallen. Der Grund sind die Verzögerungen bei der Einführung der Maut, Verluste von Toll Collect und Rückstellungen für künftige Defizite. Analysten können Toll Collect aber auch eine positive Seite abgewinnen: Da die Telekom-Sparte T-Systems künftig mehr Verantwortung bei bei dem Mautprojekt übernehme, würden die Risiken minimiert, schreibt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim, in einer jüngst erschienen Studie.

Beim Schuldenstand rechnen die Experten ebenfalls mit Fortschritten: Sie gehen von Verbindlichkeiten von etwa 47 Mrd. Euro Ende 2003 aus. Ende September lagen die Schulden noch bei 49,2 Mrd. Euro, Ende 2002 bei 61,1 Mrd. Euro.

Das voraussichtlich gute Abschneiden des Konzerns nährt bei Analysten die Hoffnung, die Telekom werde für 2003 doch eine Dividende zahlen. Ursprünglich hatte das Unternehmen angekündigt, darauf zu verzichten und dies erst wieder für 2004 in Aussicht gestellt. Angesichts des Schuldenabbaus und einem auf 7,5 Mrd. Euro geschätzten Barmittelüberschuss für 2003 könne die Telekom aber „unbesorgt“ jetzt schon eine Dividende ausschütten, sagte Werner Stäblein, Analyst bei der ING BHF Bank. Er erwartet 0,30 Euro pro Aktie. Ansonsten sei die Telekom unter den führenden europäischen Telekommunikationskonzernen wie Vodafone und France Télécom das einzige Unternehmen, das sich in dem Punkt verweigere, so Stäblein.

Ralf Hallmann, Analyst der Bankgesellschaft Berlin, geht dagegen davon aus, dass die Telekom bei ihrer Entscheidung bleiben und keine Dividende zahlen wird. Der Jahresüberschuss werde wohl eher in die Gewinnrücklagen gesteckt, um damit beispielsweise den geplanten Kauf weiterer Anteile an dem polnischen Mobilfunkbetreiber PTC zu finanzieren. Die Telekom hat dies bislang vergeblich versucht.

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