New York Times und das digitale Storytelling: Die Medien tauchen in die virtuelle Realität ein

New York Times und das digitale Storytelling
Die Medien tauchen in die virtuelle Realität ein

Nicht nur die Hersteller von Videospielen setzen auf „Virtual Reality“. Auch Medien wie die „New York Times“ und ABC News experimentieren mit der Technologie, um Nachrichten auf eine neue Weise zu vermitteln.

New YorkDie Leser der „New York Times” haben am vergangenen Wochenende eine ungewöhnliche Beilage ihrer Zeitung gefunden: ein dicker, brauner Pappkarton, in dem runde Plastikgläser eingelassen waren. Zusammengefaltet wird aus der Pappe eine „Virtual-Reality“-Brille. Und statt die Zeitung aufzuschlagen waren die gut 1,3 Millionen Abonnenten aufgefordert, eine App auf ihr Smartphone zu laden, es in die Brille zu stecken und das ausführliche Feature über die Flüchtlingskrise in der virtuellen Realität (VR) zu erleben.

Der Leser kann so eintauchen in die Welt von Flüchtlingskindern: Zum Beispiel kann er mit dem elfjährigen Oleg im Schutt stehen und sich in der 360-Grad-Ansicht alles ansehen. Er kann mit der zwölf Jahren alten Hana aus Syrien miterleben, wie sie nun jeden Tag auf dem Feld im Libanon schuften muss, um ihre Familie zu unterstützen.

Es ist das erste Mal, dass die renommierte Zeitung mit der neuen Technologie experimentiert. Die „Graue Lady“, wie das 1851 gegründete Unternehmen in der Medienbranche genannt wird, stehe vor einer Gezeitenwende, sagt Jake Silverstein, der das „New York Times Magazine“ leitet und das VR-Projekt maßgeblich mit voran getrieben hat. „Die Entstehung dieser Technologie wird ein Wendepunkt sein, gerade im journalistischen Bereich und für Institutionen wie die New York Times“, sagte er bei einer Veranstaltung in Manhattan.

Die „Graue Lady“ ist längst nicht das einzige Medium, das mit der virtuellen Realität experimentiert. Auch der Fernsehsender ABC News ergänzte seine Berichterstattung über die Lage in Syrien im September mit einem VR-Clip, den Zuschauer über eine Webseite abrufen konnten. Die Plattform „Vice News“ experimentiert mit Nachrichtensendungen, die den Zuschauer mitnehmen an den Ort des Geschehens.

Die Medienkonzerne Comcast und Time Warner haben am Donnerstag millionenschwere Investments in das Start-up NextVR bekanntgegeben, das Live-Events wie Basketballspiele und politische Fernsehduelle in virtueller Realität überträgt.

„Wir stehen vor einem großen Sprung nach vorne“, schwärmt Chadwick Turner, von der Video-Plattform Vrideo, die so etwas wie das Youtube der VR-Branche werden will und interessierten Künstlern und Unternehmen Schulungen im Filmen der 360-Grad-Perspektive anbietet.

Auch deutsche Medienhäuser interessieren sich für die neue Technologie. Axel Springer und ProSiebenSat.1 sind im September gemeinsam mit dem US-Medienkonzern Disney und dem Pay-TV-Anbieter Sky beim kalifornischen Start-up Jaunt eingestiegen, das Inhalte für die virtuelle Realität produziert.

Für die Medienhäuser wird es vor allem darauf ankommen, die VR-Inhalte mit den klassischen Beiträgen zu kombinieren. Auch die Werbeindustrie bringt sich in Stellung.

Seite 1:

Die Medien tauchen in die virtuelle Realität ein

Seite 2:

Auch Hollywood experimentiert mit den großen Brillen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%