Niederlande
RTL kauft Radiosender von John de Mol

Europas größter Fernsehkonzern RTL baut seine Marktposition in den Niederlanden aus. Die Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann übernimmt den Radiosender 538 des Fernsehunternehmers John de Mol. Im Gegenzug beteiligt sich Endemol an RTL Niederlande.

DÜSSELDORF. Der nach Unternehmensangaben führende Radiosender erzielte zuletzt einen Umsatz von 65 Mill. Euro. Nach Angaben von Insidern soll die Umsatzrendite um 40 Prozent liegen.

Im Gegenzug beteiligt sich Endemol mit seiner Medienholding Talpa mit 26,3 Prozent an RTL Niederlande. Das teilten der Fernsehkonzern und die Talpa Media Holding am gestrigen Dienstag in Luxemburg mit. Die Allianz zwischen RTL und de Mol muss allerdings noch von den niederländischen Wettbewerbshütern genehmigt werden.

Für RTL-Chef Gerhard Zeiler ist das Geschäft ein wichtiger Schritt, um die Senderfamilien in wichtigen europäischen Fernsehmärkten zu stärken. „Mit dieser Transaktion wird John de Mol, ein herausragender Unternehmer und einer der kreativsten Köpfe im Fernsehgeschäft, unser Partner. Darüber hinaus schaffen wir durch die Kombination unserer TV-Senderfamilie mit der führenden Radiostation des Landes ein integriertes audiovisuelles Unternehmen", sagte der RTL-Chef am Dienstag.

Zur Partnerschaft mit John de Mol gehört auch der exklusive Zugang zu Fernsehformaten, die der Produzent mit seiner Produktionstochter entwickelt. Im Falle einer Erstausstrahlung auf einem der niederländischen RTL-Sender wird RTL Nederland zudem an den potenziellen weltweiten Gewinnen dieser Formate beteiligt. Der Niederländer de Mol schrieb mit der weltweit erfolgreichen Sendung „Big Brother" Fernsehgeschichte.

Das einstige Sorgenkind Niederlande hatte sich zuletzt für die RTL Group prächtig entwickelt. Der Umsatz belief sich im vergangenen Jahr auf 350 Mill. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen steigerte sich auf 70 Mill. Euo (Vorjahr: 46 Mill. Euro). Die Bertelsmann-Tochter unter Führung von Fons van Westerloo ist mit einem Marktanteil von knapp 38 Prozent der Marktführer. Der Fernsehkonzern SBS ist mit 28 Prozent der Branchenzweite. Die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 und SBS wollen noch in diesem Jahr fusionieren und den Branchenprimus RTL Group europaweit angreifen.

RTL und de Mol hatten seit vielen Monaten verhandelt. Irrtümlich hatte RTL-Manager van Westerloo bereits im März in der Zeitung „De Telegraaf" eine Einigung angekündigt. De Mol gilt als cleverer Geschäftsmann. Er hatte vor sieben Jahren seine Produktionstochter Endemol für den Rekordpreis von 5,5 Mrd. Euro an den spanischen Telekomkonzern Telefonica verkauft.

Fernsehpionier de Mol ist mit der Allianz höchst zufrieden. „Dies ist ein großer Tag für Talpa Media. Die Verbindung zum RTL-Netzwerk in den Niederlanden eröffnet Talpa die Möglichkeit, kreative Inhalte für zahlreiche Plattformen in diesem Land zu entwickeln und sie auch international zu vermarkten", sagte der Unternehmer. Die Zukunft seines Fernsehsenders Tien steht unterdessen in Frage. Insider berichten, dass bereits Mitarbeitergespräche laufen.

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