Nintendo auf dem Smartphone
Investoren vermissen Super Mario

Nintendo bringt seine erste Smartphone-App heraus. Doch beliebte Figuren wie Super Mario oder Donkey Kong fehlen dort. Das sorgt bei den Anlegern für eine herbe Enttäuschung.

TokioTatsumi Kimishima sieht nicht aus wie ein Gamer. Hohe Stirn, schütteres Haar und dann die Kleidung: Bei seinem ersten Auftritt als Nintendo-Chef trägt der ausgebildete Banker graues Tuch. Doch viele Videospieler hören ihm bei diesem Termin zu. Denn einen Tag nach der Quartalsbilanz stellt er Nintendos erstes Spiel für Mobiltelefone vor.

„Miitomo“ nennt Nintendo die App. Dabei können Nutzer über Mii-Avatare miteinander kommunizieren, wie man sie von Nintendos den Wii-Konsolen kennt. Diese Kommunikation soll schüchternen Menschen helfen, Kontakte aufzubauen und Neuigkeiten über Bekannte zu erfahren, erklärt Kimishima.

Das hört sich schräg an. Aber für Nintendo stellt dieser Schritt eine tiefe Zäsur dar. Denn erstmals bietet der Konkurrent von Sony und Microsoft Spiele nicht auf eigenen Konsolen an. Nintendos im Sommer verstorbener Visionär und Chef Satoru Iwata hatte daher Anfang des Jahres eine Partnerschaft mit DeNA beschlossen, einer japanischen Großmacht im Reich mobiler Spiele.

Analysten hatten dies schon lange gefordert, weil der Smartphone-Boom die Verkäufe von klassischen Konsolen drückt und Nintendos Absatz in den vergangenen Jahren drastisch eingebrochen ist. Viele glauben, dass Nintendo Absatz und vor allem Gewinne deutlich steigern könnte, wenn es seine bekannten Figuren wie Super Mario und Donkey Kong auf Mobilgeräte brächte.

Doch der ehemalige Firmenchef Iwata hatte Jahre gebraucht, um die Abkehr von den eigenen Konsolen im Unternehmen durchzuboxen und neue Einnahmefelder zu erschließen. So verkauft das Unternehmen inzwischen kleine Figuren seiner virtuellen Helden – und dies mit Erfolg.

Das erste Mal seit fünf Jahren meldet das Unternehmen nun wieder einen Gewinn für die ersten sechs Monate des japanischen Geschäftsjahres. Allerdings fällt er kleiner aus, als von den Analysten erwartet, weil das Konsolengeschäft weiterhin schwächelt. Und auch der erste mobile Versuchsballon war nicht geeignet, die Laune zu verbessern.

„Es ist keine beeindruckende App“, meint Spieleexperte Serkan Toto. Dennoch ist er guter Dinge für 2016. Denn erstens glaubt er, dass das Unternehmen mit Miitomo zuerst die neue Plattform prüft, bevor es seine beliebte Figur Super Mario auch auf das Smartphone hüpfen lässt. Zweitens hält er das neue „Nintendo Account““ für einen Fortschritt, das die User über alle Plattformen verbindet. „Die Plattform und die Dienste sehen gut aus“, urteilt Toto.

Nintendos neue Strategie ist nicht unumstritten. Die Details zur ersten Smartphone-App von Nintendo haben die Aktie des japanischen Konsolen-Spezialisten auf Talfahrt geschickt.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
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