Noch kein Nachfolger
Schleichwerbung kostet Bavaria-Geschäftsführer den Job

Wegen der Schleichwerbungsaffäre bei Bavaria Film ist der Geschäftsführer der Produktionsfirma, Thilo Kleine (52), fristlos entlassen worden. Das beschlossen die Bavaria-Gesellschafter am Donnerstag auf einer außerordentlichen Versammlung in München.

HB HAMBURG/MÜNCHEN. Das Vertrauensverhältnis der Gesellschafter zum für die Produktion verantwortlichen Geschäftsführer sei „so nachhaltig gestört, dass eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit nicht mehr gewährleistet werden“ könne, hieß es in einer Mitteilung.

Einstimmig soll die Abstimmung dem Vernehmen nach aber nicht erfolgt sein. Die ARD-Landesrundfunkanstalten, die mehrheitlich an der Firma beteiligt sind, votierten zwar für eine Entlassung des Geschäftsführers. Die Hypovereinsbank und die Landesförderbank Bayern, die auch Anteile an der Bavaria halten, hätten sich aber gegen die Entscheidung ausgesprochen. Kleine war bereits vor ein paar Tagen beurlaubt worden. Bis auf weiteres wird dem Geschäftsführer Dieter Frank kommissarisch die Gesamtverantwortung für die Bavaria Film übertragen.

Über die endgültige Nachfolge wird gegenwärtig viel spekuliert. Unter anderem soll der Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks (BR), Gerhard Fuchs, im Gespräch sein. Bei der Bavaria wurden jüngst mehrere Fälle von Schleichwerbung, zum Beispiel in der ARD-Serie „Marienhof“, aufgedeckt. Auch in Tochterfirmen des Unternehmens, zum Beispiel der Maran Film in Stuttgart, wurden Fälle von illegaler Platzierung von Industrieprodukten, für die Geld geflossen war, nachgewiesen.

„Mit der sofortigen Trennung von Herrn Kleine machen wir den Weg frei für einen Neuanfang bei der Bavaria“, sagte der Intendant des Südwestrundfunks (SWR), Peter Voß. „Zweifellos hat sich Herr Kleine zahlreiche Verdienste als Geschäftsführer der Bavaria erworben. Obwohl mit seinem Namen große Erfolge verbunden sind, war der heutige Schritt richtig und notwendig.“ Durch die Schleichwerbung sei ein erheblicher Schaden entstanden.

Kleine machte in einer über seine Anwälte verbreiteten Erklärung deutlich, dass seine Meinung von der Mehrheitsentscheidung der Bavaria-Gesellschafter abweiche. „Ich habe die Angelegenheit in den vergangenen Wochen aufgeklärt und meine Position zu den Vorwürfen dargelegt“, hieß es in der Mitteilung. „Aber in der Einschätzung meiner Position in dieser Angelegenheit gehen die Auffassungen offenbar auseinander.“ Die kommenden Wochen wolle er nutzen, um „die Möglichkeiten einer Neuorientierung zu sondieren und hierzu entsprechende Gespräche zu führen“.

Die Bavaria-Gesellschafter erklärten ihrerseits, sie würden nun alles tun, um auch künftig den Bestand und den Erfolg der Firma zu sichern.

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