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08.11.2007 

Das ist für René Obermann das größte Ärgernis nach einem Amtsjahr. Ihm wäre ein größerer Vertrauensvorschuss von der Börse lieber gewesen. Aber der Telekom-Chef übt sich in Geduld und sagt: „Es dauert länger als zwei Quartale, bis man Glaubwürdigkeit am Kapitalmarkt zurückgewonnen hat.“ Dann zieht er einen Zettel aus seiner Tasche und liest vor, was sein Stab ihm zur Befindlichkeit der Börse zusammengetragen hat. Ein Punkt: der Wunsch der Börsianer nach einer konkreteren Akquisitions-Strategie. Obermann hält inne und schmunzelt: „Da muss ich um Verständnis bitten, dass wir nicht vorher ankündigen, was wir als Nächstes kaufen wollen.“

Dennoch bleibt der Aktienkurs die wichtigste Messlatte für Obermanns Leistung. Aus gutem Grund: Dem Telekom-Chef sitzen seine zwei Großaktionäre Bund und Blackstone im Nacken. Keiner von beiden kann mit seiner Telekom-Anlage zufrieden sein. Die einstige „Volksaktie“ dümpelt nahe dem Ausgabekurs von gut 14 Euro dahin, während der Dax an der 8 000er-Marke zerrt.

Hinzu kommt, dass die Großanleger mitunter widerstreitende Ziele verfolgen. Beispiel Telekom-Streik: Nach sechswöchigen Arbeitsniederlegungen im Sommer hatte Obermann durchgesetzt, dass mehr als 50 000 Service-Mitarbeiter künftig länger arbeiten und weniger verdienen. Der Bund drängte Obermann früh zur Einigung, um politischen Schaden zu begrenzen. So sieht die Einigung mit Verdi nun vor, dass die Gehälter nur stufenweise reduziert werden. Die vollen Einsparungen von rund 700 Millionen Euro erreicht Obermann erst 2010. In Finanzmarktkreisen ist zu hören, der Finanzinvestor Blackstone, der 4,5 Prozent der T-Aktien hält, sei mit dem Kompromiss überhaupt nicht einverstanden gewesen: zu wenig, zu langsam.

Der Streik hat dem Telekom-Chef auch persönlich gehörig zugesetzt – solche Anfeindungen musste er noch nie erdulden. „Das war die schwerste Phase für mich“, erzählt er. In Bonn war er der „Dobermann“, der den Aktionären eine Rekorddividende auszahlt und zugleich den eigenen Leuten in die Tasche langt. Zwei Monate Gehaltsverzicht von Obermann halfen da nichts. Auf der Hauptversammlung Anfang Mai wurde er ausgepfiffen. Eine Betriebsversammlung in Hamburg musste er auf Drängen der Polizei durch die Hintertür verlassen, weil vorne wütende Mitarbeiter tobten.

Inzwischen sind die Furchen auf René Obermanns Gesicht wieder verschwunden. „Ich bin etwas entspannter, weil ich Licht am Ende des Tunnels sehe“, sagt er. Licht – das sind vor allem zahlreiche neue DSL-Nutzer. Über 40 Prozent liegt der Anteil der Telekom bei den Neukunden auf dem boomenden DSL-Markt. Sie sind für die Telekom wichtig, weil das Unternehmen nach wie vor scharenweise Kunden im klassischen Telefonnetz verliert.

Den Erfolg bei den DSL-Anschlüssen schaffte Obermann, indem er den Vertrieb von Mobilfunk und Festnetz zusammenlegte, neue Paketangebote aus Telefon- und Internetanschluss bewarb und Preise senkte.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Gute Zahlen verschaffen dem Telekom-Chef nur eine kleine Atempause

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