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08.11.2007 

Investoren befürchten allerdings, dass er sich diese Marktanteile zulasten der Gewinnmarge erkauft. Am Donnerstag hat der Konzern seine Quartalszahlen präsentiert. Eines scheint sicher: Das Gewinnziel vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 19 Milliarden Euro in diesem Jahr ist nicht in Gefahr. Aus dem Konzernumfeld heißt es sogar, man werde es womöglich leicht übertreffen. Alles andere wäre für Obermann auch fatal. Schließlich hatte er die Anleger kurz nach seinem Amtsantritt mit der zweiten Gewinnwarnung innerhalb von sechs Monaten geschockt.

Gute Zahlen verschaffen dem Telekom-Chef aber nur eine kleine Atempause. Seine Achillesferse ist derzeit die Geschäftskundensparte T-Systems. Anfang März hatte Obermann verkündet, er wolle das Großkundengeschäft mit einem Partner betreiben – notfalls auch als Minderheitseigner. Doch alle potenziellen Investoren wollten sich nur Teile herauspicken, heißt es in Finanzmarktkreisen. Für die Gesamtsparte hätten sich nur Private-Equity-Gesellschaften und indische Investoren interessiert. Ein solcher Deal sei aber mit Verdi nicht zu machen gewesen. Die Gewerkschaft habe ein zweites BenQ gefürchtet. Der taiwanische Konzern hatte 2005 die Siemens-Mobilfunksparte gekauft, meldete aber ein Jahr später Konkurs an. Die Mitarbeiter verloren ihre Jobs – und Siemens-Chef Klaus Kleinfeld sein Gesicht.

Obermann habe sich ein ähnliches Desaster ersparen wollen und deshalb im August eine strategische Kehrtwende eingeleitet, heißt es. Seitdem sucht er nur noch für Teile von T-Systems wie die Systemintegration mit ihren 18 000 Mitarbeitern einen Partner. Aber auch das wird nach Ansicht von Experten nicht ohne Einschnitte bei den Beschäftigten möglich sein. Bis Jahresende will er sich mit einem Partner einigen.

Mag sein, dass der ehemalige Mobilfunk-Manager bei T-Systems auch ein wenig fachfremdelt. Telekommunikation liegt ihm näher als IT-Anwendungen für Großkunden. Das Mikro-Management, das er so gerne betreibt, bleibt ihm dort versagt. Dafür lebt er dies im Rest des Konzerns regelmäßig aus. So taucht er in Teambesprechungen in Niederlassungen auf und erkundigt sich nach den Reaktionen der Kunden auf neue Produkte oder den Erfahrungen mit neuen Datenbanken.

René Obermann selbst nennt das „Deep-Dive-Technik“: „Immer wenn ich intuitiv das Gefühl habe, da lohnt es sich nachzufragen, dann tue ich das bis ins Detail.“ In Unternehmenskreisen heißt es, die Vorstandssitzungen liefen nun fokussierter ab als früher: „Es ist heute schwieriger, ein Papier nur deshalb vom Vorstand durchwinken zu lassen, weil es keiner richtig verstanden hat.“

Sosehr sich der zupackende Obermann im Stil von seinem oft zaudernden Vorgänger Ricke unterscheidet, so nah bleibt er ihm inhaltlich. Die großen Linien wie die Ausgliederung der Service-Mitarbeiter übernahm Obermann von Ricke. „Obermann hat einen guten Job gemacht“, sagt Union-Fondsmanager Andreas Mark. „Aber jeder Nachfolger hätte ähnlich gehandelt, da die Marschrichtung bereits vorgegeben war.“

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Die Telekom droht ins Abseits zu geraten

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