Während sich Obermann mit dem Deutschland-Geschäft abmüht, läuft ihm im internationalen die Zeit davon. Die Konkurrenten expandieren. Vodafone zieht sich aus gesättigten Märkten zurück und kauft in Schwellenländern zu – zuletzt in Indien. Telefónica schnappte der Telekom den Mobilfunker O2 weg und sicherte sich mit einem Anteil an Telecom Italia eine Option auf die Übernahme eines europäischen Ex-Monopolisten.
Die Telekom droht ins Abseits zu geraten – und Obermann riskiert seinen Kopf. Dabei hatten einige Telekom-Eigner zunächst vor, ihn noch einige Jahre als Trumpf im Ärmel zu halten. Nach Informationen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats sollte die Restrukturierung ein international erfahrener Vorstandschef erledigen – mit Obermann als Stellvertreter. Der sollte erst 2009 unverbraucht aufrücken. Es kam anders.
So muss René Obermann nun von Beratern immer wieder hören, er sei zwar ein Macher, aber kein Visionär. Es sei nicht zu erkennen, woher die Telekom signifikantes Wachstum holen wolle. In den Schwellenländern würden Kaufobjekte inzwischen rar und teuer. Und das bisherige Zugpferd, der US-Mobilfunkmarkt, nähere sich der Sättigung.
Obermann wischt solche Bedenken beiseite. „Die Kapitalmärkte wollen keine Visionen – sie wollen wissen, was in den nächsten Jahren passiert.“ Und dann knüpft er sogar sein eigenes Schicksal an die Kursentwicklung. „Wenn das Delta zwischen dem Telekom-Kurs und denen der Wettbewerber in ein bis zwei Jahren nicht kleiner geworden ist, dann habe ich verloren“, sagt Obermann. „Aber noch steht es 0:0.“
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