Nokia 3310 Der Knochen kehrt zurück

Wer braucht schon Apps und eine hochauflösende Kamera? Eine neue Version des Nokia 3310 punktet mit langer Akkulaufzeit und dem Spiel Snake. Was wie ein Scherz wirkt, ist Teil einer durchdachten Strategie.
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Neuheiten des Handymarkts – Kulthandy Nokia 3310 feiert Comeback

Neuheiten des Handymarkts – Kulthandy Nokia 3310 feiert Comeback

BarcelonaOhne Ironie geht es natürlich nicht. Da sind erst Smartphones mit schickem Alugehäuse, aktueller Technik und einem digitalen Assistenten zu sehen. Und dann stellt Arto Nummela das Nokia 3310 vor. „Es hat 22 Stunden Sprechzeit!“, ruft er mit einer Begeisterung, in der ein unterdrücktes Lachen mitklingt. Und das Spiel Snake! Und den Nokia-Klingelton! Das Publikum johlt über die Features aus den späten 1990er-Jahren.

Nummela ist Chef des finnischen Elektronikherstellers HMD. Der hat im vergangenen Jahr die Lizenz für den Bau von Nokia-Handys übernommen und zeigt nun auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona eine Reihe von Smartphones, die bald weltweit auf den Markt kommen sollen. Nokia 3, 5 und 6 heißen sie, allesamt solide Geräte, die sich jedoch nur in Details von den vielen Konkurrenten unterscheiden.

Diese Smartphone-Features begeistern die Nutzer
Hohe Verbreitung
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Immer zur Hand: 78 Prozent der Menschen in Deutschland haben ein Smartphone, wie der IT-Verband Bitkom erhoben hat. Voll und ganz zufrieden sind aber längst nicht alle. Eine Bitkom-Umfrage zeigt, welche Eigenschaften das nächste Modell haben soll.

Akku mit mehr Ausdauer
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Einmal auftanken, bitte! Viele Nutzer kommen mit einer Akkuladung nicht über den Tag und müssen zwischendurch aufladen wie hier auf dem Filmfest Berlinale. Jeder zweite (55 Prozent) wünscht sich daher einen Akku mit mehr Ausdauer.

Speicher erweitern
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Fotos, Videos, Whatsapp-Nachrichten: Der Speicher des Smartphones ist schnell voll. Und bei vielen Modellen ist es nicht möglich, eine Micro-SD-Karte nachzurüsten. Daher wünschen sich 42 Prozent der Nutzer mehr Kapazität.

Bessere Kamera
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Die beste Kamera ist die, die man immer dabei hat. Getreu diesem Motto knipsen viele mit dem Smartphone, ohne mit der Qualität der Bilder vollständig zufrieden zu sein. 30 Prozent der Nutzer in Deutschland wünschen sich eine bessere Kamera.

Mehr Rechenleistung
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Spiele und Videos bringen Prozessor und Grafikkarten auf Touren - manchem geht das nicht schnell genug. 24 Prozent der Smartphone-Nutzer wünschen sich daher eine höhere Rechenleistung.

Größeres Display
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Nachrichten schreiben, Videos gucken, spielen: Das Smartphone ist häufig Ersatz für Tablet und Notebook. Daher überrascht es nicht, dass 16 Prozent der Nutzer ein größeres Display wollen - obwohl die Geräte schon seit Jahren immer größer werden.

Eignung für LTE
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Die Mobilfunkanbieter rüsten auf, LTE ist inzwischen in den meisten Teilen des Landes verfügbar. Immerhin noch 14 Prozent der Nutzer wünschen sich, dass ihr nächstes Smartphone den Datenturbo nutzen kann.

Doch das Nokia 3310 ruft alte Erinnerungen wach: An eine Zeit, als Nokia noch einer der größten Handyhersteller der Welt war – der Knochen zählt immer noch zu den meistverkauften Geräten aller Zeiten. Die Präsentation eines Nachfolgers sichert daher dem Unternehmen, das sich selbst als „das neue Zuhause von Nokia“ bezeichnet, die Aufmerksamkeit der Fachbesucher. Es ist ein gelungener Marketingcoup – aber nicht nur das.

Denn unter dem Dach von HMD ist das versammelt, was vom früheren Nokia-Handygeschäft noch übrig ist. Zum einen hat das Unternehmen eine Lizenzvereinbarung über die Nutzung der bekannten Marke geschlossen. Zum anderen hat es das Geschäft über sogenannte Feature Phones für 350 Millionen Euro von Microsoft gekauft – also die Sparte mit einfachen Handys wie dem 3310.

„Wir sind in diesem Segment führend“, sagt HMD-Präsident Florian Seiche dem Handelsblatt. Die Bekanntheit will das Unternehmen nutzen, um die Nutzer mit der Zeit zum Kauf der neuen Smartphones zu bewegen. Wer der Marke noch treu ist, greift vielleicht auch beim nächsten Mal wieder dazu. Das neue, alte Modell 3310, erklärt Seiche, passe daher in die Strategie, zumal das Interesse der Nutzer daran in den sozialen Medien enorm sei.

Im Vergleich zum Urahn hat das neue 3310 allerdings einige neue Funktionen. Nutzer können zwar keine Apps installieren, aber mit dem Browser Opera Mini im Internet surfen. Der Speicher reicht für 51 Stunden Musik. Die Kamera schießt Bilder mit zwei Megapixeln Auflösung. Zudem hat das Gerät zwei SIM-Karten-Slots, etwa für Arbeit und Freizeit. Das Gerät kostet übrigens 49 Euro.

Dinosaurier des Internets
Netscape Navigator
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Netscape Navigator

Lange vor Firefox, Chrome & Co war Netscape der Standardbrowser schlechthin. „Mitte der 1990er Jahre hatte Netscape einen Marktanteil von 80 Prozent”, erklärt der Bremer Historiker Daniel Crueger, der die digitale Geschichte und ihr kulturelles Erbe erforscht. Doch 1995 begann mit der Markteinführung des Microsoft Internet Explorers der sogenannte erste Browserkrieg, für den Microsoft erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen mobilisierte. Netscape konnte diesen ungleichen Kampf nicht gewinnen: Von AOL zwischenzeitlich übernommen wurde der Browser 2007 eingestellt.

Second Life
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Second Life war die revolutionäre Idee, ein soziales Netzwerk in eine virtuelle Welt zu verlagern. Als 3D-Avatare bewegen sich die Nutzer durch virtuelle Welten. Das Angebot des US-Unternehmens Linden Lab ging 2003 online. Doch nach einem anfänglichen Hype war es schnell still um Second Life geworden. Zwar ist das Netzwerk noch online, Nutzerzahlen liegen aber nicht vor.

Realplayer
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Der Realplayer und das gleichnamige Format war für alle Systeme verfügbar und brachte Mitte der 1990er Jahre zwei Vorteile: „Es erlaubte eine hohe Komprimierung der Daten, die in den Anfangszeiten des Internets mit seinen geringen Bandbreiten wichtig war, und es war für Video- und Audio-Live-Streams geeigneter als konkurrierende Formate wie Quicktime und MPEG”, erklärt Stephan Dörner vom Digitalmagazin „t3n”. Letztlich verdrängte jedoch das Flash-Format den Player. Der Realplayer existiert aber heute immer noch in einer aktuellen Variante.

Altavista
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Die Suchmaschine ging 1995 online und war jahrelang Marktführer. „Altavista hat seine Suchergebnisse vor allem aus den sogenannten Meta-Daten einer Website erstellt”, erklärt Timm Lutter vom IT-Verband Bitkom. Dann kam 1998 Google und machte es „besser”, indem der Gesamttext einer Seite analysiert wurde. Für Altavista ging es stetig bergab, bis der letzte Besitzer Yahoo die Suchmaschine nach mehreren Verkäufen 2013 abstellte.

StudiVZ
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Ursprünglich als Studenten-Netzwerk konzipiert und dann ausgeweitet, war StudiVZ zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Als der Dienst 2005 ans Netz ging, war die Epoche von Social Media soeben angebrochen. StudiVZ war für eine ganze Generation der Social-Media-Erstkontakt, und zu ihrer Hochzeit hatte die VZ-Gruppe rund 16 Millionen aktive Nutzer. Doch die wachsende Nutzerzahl und Internationalität von Konkurrent Facebook führte dann zur Verwaisung zahlloser StudiVZ-Accounts – die Plattform ist aber noch online.

ICQ
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Der Messenger ging 1996 an den Start und blieb in seiner Hochzeit mehr als 470 Millionen Nutzern weltweit mit seinem einprägsamen „Uh-oh” beim Eingang neuer Chat-Nachrichten in den Ohren hängen. ICQ verpasste aber die aufkeimende Smartphone-Revolution und ist erst seit 2010 mobil nutzbar. Zusätzliche Konkurrenz kam mit diversen Social-Media-Angeboten. Aber der Dienst ist nicht ganz in der Versenkung verschwunden: In Russland blieb er stark und prägt dort bis heute die Webkultur

Napster
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Machte ab 1999 das Musik-Filesharing völlig ungeachtet der Rechtslage zu einem weltumspannenden Phänomen und etablierte das Audio-Format MP3. Kurz vor seinem Ende im Februar 2001 hatte der Dienst weltweit 80 Millionen Nutzer. Doch Napster kostete die Musikindustrie immensen Umsatz, weshalb diese sich juristisch nach Kräften gegen den Dienst wehrte – am Ende erfolgreich. Nach der Insolvenz wurde der Markenname mehrfach weiterverkauft und wird heute von einem kostenpflichtigen Musik-Streamingdienst geführt

Die neuen Android-Smartphones mit dem Nokia-Logo zielen auf das mittlere Preissegment, sie kosten zwischen 140 und 300 Euro. Deren Gehäuse ist aus einem Block Aluminium gefräst, der Bildschirm soll auch bei Tageslicht gut abzulesen sein. Als Betriebssystem kommt Android zum Einsatz, inklusive dem digitalen Assistenten von Google, der bisher ausschließlich den Geräten des Suchmaschinenriesen vorbehalten war.

Aus der Masse an Geräten will sich HMD nicht zuletzt mit dem Thema Sicherheit abheben: Sie sollen monatlich Updates erhalten, um so Sicherheitslücken zu schließen. Auch neue Softwareversionen sollen möglichst schnell zum Download angeboten werden. „Wir werden dieses Thema aggressiv vermarkten“, kündigte Seiche an.

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1 Kommentar zu "Nokia 3310: Der Knochen kehrt zurück"

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  • Find‘ ich 'ne Klasse Idee, so ein kompaktes Handy auf den Markt zu bringen, das nur das bietet, was man wirklich braucht. Dazu eine dank jahrzehntelanger Erfahrung ausgereifte Technik.

    Auf überflüssigen Schnickschnack zu verzichten, spart jede Menge Zeit, Nerven (technische Störungsquellen, potentielle Angriffsflächen etc.), Speicherplatz, Akkulaufzeit und nicht zuletzt Elektroschrott und damit Ressourcen/Geld.

    Bin mal gespannt, wie es ankommt.

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