Nokia Beschäftigte gehen gegen Sparprogramm auf die Straße

Für 16 Milliarden Euro hat Nokia den Konkurrenten Alcatel-Lucent geschluckt. Nun setzt der finnische Telekomausrüster den Rotstift an. Hunderte Beschäftigte protestieren gegen die geplanten Einschnitte.
Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg stehen weltweit insgesamt 10.000 bis 15.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Quelle: dpa
Nokia-Zentrale in Espoo

Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg stehen weltweit insgesamt 10.000 bis 15.000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

(Foto: dpa)

MünchenHunderte Beschäftigte des Telekom-Ausrüsters Nokia Networks sind am Mittwoch in München gegen das angekündigte Sparprogramm mit massivem Stellenabbau auf die Straße gegangen. Nach einer außerordentlichen Betriebsversammlung seien rund 600 Beschäftigte des Unternehmens dem Aufruf der IG Metall gefolgt und hätten vor dem Gebäude des Managements protestiert, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch mit. Bereits am Vortag habe es ähnliche Aktionen an den Standorten des einstigen Konkurrenten Alcatel-Lucent in Nürnberg und Stuttgart gegeben, den Nokia übernommen hatte.

In München hat Nokia Networks derzeit noch rund 1500 Beschäftigte, bundesweit kommen beide Unternehmen nach Gewerkschaftsangaben zusammen auf rund 4800 Mitarbeiter. Nokia habe neben München noch Standorte in Düsseldorf, Berlin und Ulm. Das finnische Unternehmen hatte ein massives Sparprogramm mit dem Abbau Tausender Arbeitsplätze angekündigt. In Deutschland sollen bis 2018 rund 1400 Jobs gestrichen werden und in Finnland 1300 Stellen.

Das Nokia-Handy kommt zurück
Wieder da
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Das Nokia Lumia 925 Smartphone trug den Markennamen noch: Damit machte Microsoft Schluss. Nun kehrt die Marke zurück. Nokia hat mit dem neu gegründeten Unternehmen HMD eine Lizenzvereinbarung getroffen. Für die kommenden zehn Jahre soll das Unternehmen Tablets und Mobiltelefone herstellen. Dafür ist es bereit, die Rechte von Microsoft zurückzukaufen.

Windows kauft Handy-Geschäft von Nokia
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Microsoft hatte die Handysparte des finnischen Unternehmens 2014 für knapp 9,5 Milliarden Dollar gekauft und verzichtete auf die Marke Nokia. Ein Flop, wie sich später rausstellte: Der erhoffte Zuwachs im Smartphone-Markt blieb aus. Nokia selbst verschwand indes nicht, baute aber keine Handys mehr, sondern setzte auf Netzwerktechnik – zumindest bisher. Dabei hatte das finnische Unternehmen die Entwicklung der Mobiltelefonie geprägt.

Die ersten Mobiltelefone
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„Connecting people“ lautete der Slogan von Nokia. Und in der Tat hat das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten Millionen von Menschen verbunden – früher mit den ersten, koffergroßen Telefonen für unterwegs, zwischendurch mit Bestsellern wie dem 5110, später mit den Lumia-Smartphones.

Mobira Senator
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1982 stellte Nokia sein erstes Mobiltelefon vor, das heute nicht besonders mobil wirkt: Das Modell Mobira Senator ließ sich mit einem Tragegriffs aus dem Auto heben. Zumindest wenn man kräftig zupackte, wog das Gerät doch knapp zehn Kilogramm. Nach wenigen Stunden musste es wieder aufgeladen werden. Damals war es indes eine Sensation.

Mobira Cityman
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Nokia arbeitete daran, seine Telefone zu schrumpfen. Ende der 1980er Jahre brachte das Unternehmen den Mobira Cityman heraus – hier in einer Aufnahme von 2010 in der Hand des damaligen Nokia-Chefs Olli-Pekka Kallasvuo. Dieses 800 Gramm schwere und 10.000 D-Mark teure Gerät hatte nur noch die Ausmaße eines großen Telefonhörers. Berühmtheit erlangte es, als Michail Gorbatschow damit während eines Deutschland-Besuches 1989 in Moskau anrief und sein Büro über die Wiedervereinigungspläne informierte.

MikroMikko
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Wenig bekannt: Nokia entwickelte bereits in den 1980er Jahren Computer, hier ein Gerät der vierten Generation. Anfang der 1990er Jahre verkaufte das Unternehmen die Sparte aber.

Nokia 1011
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Mit der Zeit wurden die Mobiltelefone immer kompakter – so auch das Nokia 1011, das Ende 1992 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Besonderheit: Es war das erste massentaugliche Gerät, das mit dem Mobilfunkstandard GSM lief. In den Speicher passten 99 Telefonnummern.

Die jährlichen Betriebskosten sollen – wie schon zur Übernahme angekündigt – bis Ende 2018 um 900 Millionen Euro gedrückt werden. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg stehen weltweit insgesamt 10.000 bis 15.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Nokia kam Ende 2015 zusammen mit den Neuzugängen von Alcatel-Lucent auf rund 106.000 Mitarbeiter weltweit.

„Wir werden diesen Personalabbau auf keinen Fall so hinnehmen“, erklärte Martin Kimmich, 2. Bevollmächtigter der IG Metall München und der für Nokia bundesweit zuständige Betreuer der Gewerkschaft. Das Unternehmen stehe blendend da. „Wir fordern eine Perspektive für die Beschäftigten in Deutschland.“ Nokia hatte erklärt, Deutschland solle unter anderem ein wichtiger Standort für Forschung und Entwicklung bleiben.

  • dpa
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