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Nokia-Chef im Interview: „Das musste sein“

Tausende Jobs strich Stephen Elop beim Handykonzern. Nach zwei Jahren radikaler Sanierung sieht der Vorstandschef erste Zeichen der Hoffnung. Ein Gespräch über brennende Ölplattformen, verbotene SMS und Apple-Verbote.

Stephen Elop, Vorstandsvorsitzender von Nokia. Quelle: AFP
Stephen Elop, Vorstandsvorsitzender von Nokia. Quelle: AFP

DIE ZEIT: Seit Herbst steigt der Aktienkurs von Nokia. Was läuft da falsch?

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Stephen Elop: Warum sollte das falsch sein?

Weil Nokia lange als der große Verlierer unter den Handyherstellern galt.

Den Börsenkurs werde ich nicht kommentieren. Aber im Februar 2011 haben wir unsere Strategie maßgeblich geändert und uns völlig neu organisiert, um den Konsumenten wieder mehr Wow-Erlebnisse zu verschaffen. Genau das passiert jetzt, jeder kann es sehen. Über die Zeit müssen wir die Begeisterung der Kunden in höhere Verkaufszahlen und diese wiederum in bessere Finanzergebnisse übersetzen. Daran arbeiten wir nachdrücklich und sorgfältig.
Den Strategiewechsel haben Sie vor zwei Jahren in Barcelona öffentlich angekündigt.

Ja, das war ein vergleichsweise intensiver Moment (lacht).

Damals haben Sie Nokia als eine brennende Ölplattformbezeichnet. Ist das Feuer jetzt gelöscht?

Die Analogie hatte hauptsächlich damit zu tun, dass Nokia in einer sehr schwierigen Lage war und sich grundsätzlich ändern musste. Wir haben mutige Entscheidungen getroffen, aber nun gehören unsere Produkte zu den besten im ganzen Markt. Wir stoßen auf eine starke Nachfrage, auch bei Ihnen in Deutschland. Fachleute und die Öffentlichkeit sind sich einig, dass Nokia sich in einem völlig anderen Zustand befindet als noch vor zwei Jahren. Man sieht das an unseren Lumia-Smartphones, aber auch an den Handys für Schwellenländer, deren Akkus bis zu fünf Tage durchhalten und die nur wenig Datenverkehr produzieren. Oder an unserer Netzwerksparte Nokia Siemens Networks: Die hatten jetzt das profitabelste Ergebnis ihrer Geschichte. Das alles sind ermutigende Signale.

Die Geschichte von Nokia Vom Gummistiefelhersteller zum Handyriesen

  • Die Geschichte von Nokia   : Vom Gummistiefelhersteller zum Handyriesen
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Nokia hat die Wende zum Besseren also geschafft?

Den genauen Zeitpunkt des Turnaround wird man allenfalls rückblickend erkennend können, jetzt ist das unmöglich. Wir haben noch viel zu tun, aber die Reaktionen und die Nachfrage nach unseren Produkten sind äußerst ermutigend.

Und wenn das nicht so bleibt? Kürzlich hieß es, Sie müssten Anfang 2013 zurücktreten, falls keine dauerhafte Trendwende erkennbar sei.

Nun, Gerüchte gibt es viele. Ich bin ja immer noch da.

Offensichtlich.

Lassen Sie mich das mal so illustrieren: Kurz vor Weihnachten bin ich in London-Heathrow gelandet, und mit meinem kanadischen Pass musste ich mich vor dem Schalter der Einwanderungsbehörde anstellen. Da hing ein

„Keine Handys“-Schild, aber weil die Schlange so lang war, habe ich natürlich trotzdem einige E-Mails gelesen. Plötzlich war ich dran, und der Mann am Schalter sagte etwas über mein Telefon. Oh, jetzt gibt es Ärger, dachte ich, aber dann fragte er, ob das das neue Lumia von Nokia sei. Dann habe ich ihm erst einmal ein paar Dinge gezeigt - wie gut die Kamera ist und so etwas. Die Leute hinter mir in der Schlange haben mich gehasst, aber ich fand die Situation sehr ermutigend. Es ist genauso wie in der Stadt oder in den Handyläden; überall spüre ich diese Begeisterung bei den Menschen.

Handy- und Smartphonehersteller

Mal was ganz anderes - darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen?
Ja, natürlich.

Sie haben fünf Kinder, richtig?

Einen Jungen und vier Mädchen.

Ich frage mich, wie wohl Ihr Familienleben aussieht. Die Dauersanierung eines Weltkonzerns ist vermutlich kein Nine-to-five-Job. Woher nehmen Sie die Energie?

Tja, woher kommt die Energie? Ob im Privatleben oder beruflich, ich bin sehr motiviert, stehe morgens gerne auf und freue mich auf den Tag. Heute früh habe ich mit meinen Töchtern geskypt, das war sehr schön. Wenn ich auf Reisen bin und mit Mitarbeitern spreche, die nach sehr schweren Zeiten jetzt wieder von unseren Fortschritten begeistert sind, dann gibt mir das viel Kraft. Sie sind viel zuversichtlicher als vor einem Jahr und freuen sich auf das, was Nokia noch alles vorhat. Dafür bin ich äußerst dankbar.

  • 11.02.2013, 18:33 UhrJustus

    @ Hans

    Ich komme aus Hessen, aus einem kleinen Städtchen und ich sehe in letzter Zeit immer mehr Leute die mit einem Lumia durch die gegend laufen. Ein paar davon waren auch ehemalige iphone Nutzer.

    Ich bin der Meinung Nokia ist nun auf den richtigen Weg. Viele die mein Lumia 920 sehen fragen mich als erstes: Kann man wirklich das Handy kabellos aufladen? Kann man das Handy wirklich mit Handschuhen benutzen? usw..

    Da ich aus einem großen Unternehmen komme, kann ich auch verstehen warum die Produktion ins Ausland verlagert wird. Das macht jedes großes Unternehmen. Naja und Apple von Anfang an..

    Nokia muss in Zukunft nur noch ihren aktuellen Ruf loswerden, den sie aktuell noch vertreten. Ich vermute das ist NRW-Typisch.

  • 11.02.2013, 14:23 UhrRIP

    Von den „Nokia Values“ ist nur
    toxic company culture geblieben.
    Heer Elop hat offensichtlich keine Ahnung
    Was für eine Stimmung in der Firma herrscht.

  • 11.02.2013, 12:45 UhrHans

    Mr. Elop:
    Lernen Sie Geld zu verdienen und nicht das sparen.
    Außerdem ich beobachte täglich wer Lumia oder gar irgendeinen Nokia hat.
    Im Ruhrgebiet habe ich noch nie einen Menschen mit Lumia gesehen.
    Aus einem Potentaten haben Sie bis jetzt einen Nischen Produkt Hersteller gemacht.

    Sie sind dabei ein Stück der Europeitschen Industrie Kultur nach Vietnam zu transferieren!

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