Nokia Das Ende eines Horrorjahres

Nokia kommt voran: Der kriselnde Handyhersteller schreibt wieder schwarze Zahlen. Das Comeback hat der finnische Konzern allerdings noch nicht geschafft – das wichtige Geschäft mit den Smartphones schwächelt weiter.
Update: 24.01.2013 - 14:04 Uhr 4 Kommentare
Optimistische Werbung für Nokia: Der finnische Handyhersteller konnte die Verluste stoppen. Quelle: dpa

Optimistische Werbung für Nokia: Der finnische Handyhersteller konnte die Verluste stoppen.

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DüsseldorfNokia beendet ein schwaches Jahr halbwegs versöhnlich. Der finnische Handyhersteller ist im vierten Quartal mit einem Gewinn von 202 Millionen Euro in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Der Umsatz schrumpfte allerdings um 22 Prozent auf 8,04 Milliarden Dollar, wie der Hersteller am Donnerstag mitteilte. Für das gesamte Jahr 2012 steht ein Verlust von 3,1 Milliarden Euro in der Bilanz. Um die „strategische Flexibilität“ des Unternehmens zu sichern, strich Nokia den Anlegern die Dividende.

Grund zur Erleichterung hat der einstige Marktführer aber noch nicht. Denn der Quartalsgewinn gelang vor allem, weil Nokia die Verluste sowohl im Bereich Mobiltelefone als auch beim Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) stoppen konnte. Der Absatz der margenträchtigen Smartphones war dagegen weiter mäßig. Nokia setzt von Oktober bis Dezember 4,4 Millionen seiner teuren Lumia-Geräte ab, außerdem weitere 2,2 Millionen der günstigen Symbian-Geräte. Zum Vergleich: Apple verkaufte im selben Zeitraum fast 48 Millionen seiner iPhones. Smartphones verdrängen immer mehr die einfachen Mobiltelefone.

Besser lief das Geschäft mit der Asha-Serie, von denen Nokia 9,3 Millionen Geräte verkaufte. Diese Modelle – eine Mischung zwischen einfachen Mobiltelefonen und Smartphones – könnten Nokia in den boomenden Märkten von Wachstumsländern wie China oder Indien helfen, sich gegen die günstigen Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android zu behaupten.

Insgesamt setzte Nokia 86,3 Millionen Handys ab, fast ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Der durchschnittliche Verkaufspreis sank auf 45 Euro (Vorjahr: 53 Euro). Bei den Smartphones zog der Durchschnittspreis auf 186 Euro (Vorjahr: 140 Euro) an, weil der Hersteller mehr hochwertige Lumia-Geräte verkaufen konnte.

Der finnische Konzern rechnet damit, dass seine Handysparte im laufenden Quartal wieder Verluste schreibt – am Jahresanfang laufen die Geschäft zumeist etwas schlechter, zudem machen sich der harte Wettbewerb und die schwächelnde Konjunktur bemerkbar. NSN könnte diesen Effekt etwas abfedern.

In seiner Mitteilung kündigte das Unternehmen ganz nebenbei das Ende einer Ära an: Das Nokia 808 PureView, ein Handy mit besonders hochauflösender Kamera, sei das letzte Nokia-Gerät mit dem Betriebssystem Symbian. Die Software war jahrelang die Grundlage von Nokia-Handys.

Nokia war in den vergangenen Jahren massiv unter Druck geraten. Der einstige Weltmarktführer hatte den Anschluss an Apple und Samsung verloren. Firmenchef Stephen Elop entschied daraufhin, dass auf den Nokia-Smartphones das Microsoft-Betriebssystem Windows Phone installiert wird, nicht mehr das firmeneigene Symbian. Die Umstellung nahm allerdings einige Zeit in Anspruch. Angesichts hoher Verluste stuften große Rating-Agenturen das Unternehmen teils auf Ramsch-Niveau herab.

Das Unternehmen reagierte zudem mit einer harten Restrukturierung. Nach mehreren Streichrunden sollen bis Ende 2013 weitere 10.000 Arbeitsplätze wegfallen, also jede fünfte Stelle im Handygeschäft. Auch das Entwicklungszentrum in Ulm schloss Nokia. Zuletzt kündigte der Hersteller an, in der IT-Organisation bis zu 300 Stellen zu streichen und weitere 820 an Dienstleister in Indien auszulagern – vor allem der finnische Stammsitz ist davon betroffen.

Vom Gummistiefelhersteller zum Handyriesen
Landesforsten leiden unter Wirtschaftskrise
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Die Geschichte von Nokia begann 1865: Damals baute Fredrik Idestam im Süden von Finnland eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später ließ er eine zweite nahe des Nokianvirta Flusses errichten – dieses Gewässer gab dem Unternehmen den Namen.

huGO-BildID: 23864095 Gummistiefel
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Im Jahr 1898 gründete Eduard Polón eine finnische Gummifabrik, die unter anderem Stiefel herstellte. Das Unternehmen ging 1967 gemeinsam mit der Papierfabrik und dem 1912 gegründeten Kabelunternehmen Finnish Cable Works in Nokia auf.

Mobira Cityman 900
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1987 stellte Nokia das erste mobile Handtelefon vor. Zuvor waren Mobiltelefone stets fest in Autos installiert. Das Handy mit dem Namen Mobira Cityman wog 800 Gramm und kostete rund 4560 Euro.

Nokia veröffentlicht Quartalszahlen
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Aus dem Gemischtwarenladen entwickelte sich über die Jahre ein erfolgreicher Technologiekonzern, auf den ganz Finnland stolz war. 1998 wurde Nokia zum weltweiten Marktführer im noch jungen Markt für Handys.

A staff member displays a Nokia N9 mobile phone during the CommunicAsia expo in Singapore
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Doch die Dominanz bröckelte, nachdem Apple das iPhone vorgestellt hatte. Der finnische Handyhersteller reagierte zu spät auf den Trend zu Smartphones – im Bild ein N9. Binnen weniger Jahre sank der Marktanteil der einstigen Nummer 1 von knapp 40 Prozent auf zuletzt 14 Prozent, bei Smartphones sieht es sogar noch schlechter aus. Nokia rutschte tief in die roten Zahlen.

Nokia will mit Windows-Smartphones wieder nach vorn
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Auch im Anfang Oktober veröffentlichten Markenranking des Beratungshaus Interbrand flog Nokia aus den besten zehn Marken weltweit raus. Das Unternehmen führte die Liste der größten Markenwertverlierer an. Gegenüber dem Vorjahr hat der Name15 Prozent an Wert verloren.

Nokia chief executive Stephen Elop welcomes Microsoft chief executive Steve Ballmer with a handshake at a Nokia event in London
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Im Februar 2011 kündigte der Handyriese an, bei Smartphones künftig auf sein hauseigenes Betriebssystem Symbian zu verzichten. Stattdessen ging Nokia-Chef Stephen Elop (links) mit Microsoft-Chef Steve Ballmer (rechts) eine Kooperation für seine Handy-Software ein. Im September 2013 dann der Paukenschlag: Microsoft kündigte an, das Handy-Geschäft der Finnen komplett zu übernehmen. Elop wechselt zu Microsoft. Bei Nokia verbleiben die Netzwerksparte NSN, der Kartendienst Here sowie die Patente. Im April 2014 war der Deal endgültig abgeschlossen.

  • chk
  • dpa
  • rtr
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4 Kommentare zu "Nokia: Das Ende eines Horrorjahres"

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  • SONY - ehemalige Sony Ericsson wurde wohl in der Artikel vergessen. Ich kann kaum auf das neue wasserfeste XPERIA Z warten.

  • Seh ich ganz genauso, anfangs obernervig und mehr als gewöhnungsbedürftig, einen Tag braucht man schon zum Klarkommen, aber dann läuft's. Außerdem spielen das Thema Umweltschutz und Arbeitsbedingungen bei Nokia eine große Rolle, was ich auch nicht unwesentlich finde. Apple hingegen produziert unter miesesten Bedingungen in China.

  • Im vierten Quartal hat Nokia auch von RIM eine hohe Patentgebühr kassiert. Das mit den Abschreibungen dürfte Nokia auch sehr optimistisch angehen. Schließlich möchte man ja den Nokia Aktienkurs ein wenig puschen. Für die Kreditaufnahme sind legal geschönte Zahlen auch nicht schlecht.
    Mal sehen, ob Nokia noch eine Dividende dieses Jahr auszahlt. Mit den Junk Rating bräuchte Nokia jede flüssige Mark zum überleben.

  • Das Lumia ist in Design und Kachel-Bedienung sehr gut. Wenn die Berührungsangst mit dem "Neuen" nachgelassen hat und man hat gelernt mit Win Phone umzugehen will man nichts anderes mehr haben.

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