
DüsseldorfNokia beendet ein schwaches Jahr halbwegs versöhnlich. Der finnische Handyhersteller ist im vierten Quartal mit einem Gewinn von 202 Millionen Euro in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Der Umsatz schrumpfte allerdings um 22 Prozent auf 8,04 Milliarden Dollar, wie der Hersteller am Donnerstag mitteilte. Für das gesamte Jahr 2012 steht ein Verlust von 3,1 Milliarden Euro in der Bilanz. Um die „strategische Flexibilität“ des Unternehmens zu sichern, strich Nokia den Anlegern die Dividende.
Grund zur Erleichterung hat der einstige Marktführer aber noch nicht. Denn der Quartalsgewinn gelang vor allem, weil Nokia die Verluste sowohl im Bereich Mobiltelefone als auch beim Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) stoppen konnte. Der Absatz der margenträchtigen Smartphones war dagegen weiter mäßig. Nokia setzt von Oktober bis Dezember 4,4 Millionen seiner teuren Lumia-Geräte ab, außerdem weitere 2,2 Millionen der günstigen Symbian-Geräte. Zum Vergleich: Apple verkaufte im selben Zeitraum fast 48 Millionen seiner iPhones. Smartphones verdrängen immer mehr die einfachen Mobiltelefone.
Nokia baute schon früh Multimedia-Handys, mit denen man E-Mails verschicken und ins Netz gehen konnte. Die Geräte mit dem Betriebssystem Symbian waren allerdings kompliziert zu bedienen und somit nicht massentauglich. Als Apple 2007 das iPhone mit seinem komfortablen Touchscreen und den vielen Apps einführte und sich viele Android-Hersteller dem Trend anschlossen, reagierte Nokia zu langsam. Eine Partnerschaft mit Microsoft soll helfen, attraktive Smartphones zu bauen. Die erste Generation von Windows-Phone-Geräten verkauft sich mäßig, nun soll es die zweite Generation mit den Hoffnungsträgern Lumia 920 und Lumia 820 richten.
Nokia hat seine Produktionsprozesse so optimiert, dass es zu sehr niedrigen Kosten Handys bauen und dank des Vertriebsnetzes in aller Welt verkaufen kann. Allerdings machen Hersteller wie Huawei und ZTE den Finnen das Leben mittlerweile schwer. Gerade günstige Android-Smartphones sind in den Schwellenländern beliebt. Immerhin hat Nokia ein konkurrenzfähiges Produkt: Die Asha-Modelle könnten helfen, in boomenden Märkten wie China oder Indien mitzuhalten.
Nokia Siemens Networks leidet unter dem harten Konkurrenzkampf und den durchwachsenen Konjunkturaussichten. Das 2007 gegründete Gemeinschaftsunternehmen belastete die Bilanzen von Nokia und Siemens lange, hat aber Ende 2012 wieder einen Gewinn geschrieben. Der Preiskampf mit Ericsson und Alcatel sowie den aggressiven chinesischen Anbietern Huawei und ZTE wird aber weiter anhalten. Zudem ist die Zukunft alles andere als gewiss: Dieses Jahr läuft der Vertrag aus, der den beiden Eigentümern Nokia und Siemens einen einseitigen Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen verbietet.
Besser lief das Geschäft mit der Asha-Serie, von denen Nokia 9,3 Millionen Geräte verkaufte. Diese Modelle – eine Mischung zwischen einfachen Mobiltelefonen und Smartphones – könnten Nokia in den boomenden Märkten von Wachstumsländern wie China oder Indien helfen, sich gegen die günstigen Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android zu behaupten.
Insgesamt setzte Nokia 86,3 Millionen Handys ab, fast ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Der durchschnittliche Verkaufspreis sank auf 45 Euro (Vorjahr: 53 Euro). Bei den Smartphones zog der Durchschnittspreis auf 186 Euro (Vorjahr: 140 Euro) an, weil der Hersteller mehr hochwertige Lumia-Geräte verkaufen konnte.
Der finnische Konzern rechnet damit, dass seine Handysparte im laufenden Quartal wieder Verluste schreibt – am Jahresanfang laufen die Geschäft zumeist etwas schlechter, zudem machen sich der harte Wettbewerb und die schwächelnde Konjunktur bemerkbar. NSN könnte diesen Effekt etwas abfedern.
In seiner Mitteilung kündigte das Unternehmen ganz nebenbei das Ende einer Ära an: Das Nokia 808 PureView, ein Handy mit besonders hochauflösender Kamera, sei das letzte Nokia-Gerät mit dem Betriebssystem Symbian. Die Software war jahrelang die Grundlage von Nokia-Handys.
Nokia war in den vergangenen Jahren massiv unter Druck geraten. Der einstige Weltmarktführer hatte den Anschluss an Apple und Samsung verloren. Firmenchef Stephen Elop entschied daraufhin, dass auf den Nokia-Smartphones das Microsoft-Betriebssystem Windows Phone installiert wird, nicht mehr das firmeneigene Symbian. Die Umstellung nahm allerdings einige Zeit in Anspruch. Angesichts hoher Verluste stuften große Rating-Agenturen das Unternehmen teils auf Ramsch-Niveau herab.
Der Handy-Markt ist im Umbruch: Smartphones verdrängen einfache Mobiltelefone, Samsung gelingt es am besten, sich auf diesen Trend einzustellen. Dagegen kommt kein anderer an – weder Nokia, die einstige Nummer 1, noch Apple mit seinem iPhone.
Samsung ist inzwischen mit deutlichem Abstand die Nummer 1: Der südkoreanische Hersteller verkaufte im dritten Quartal 2012 knapp 98 Millionen Geräte, wie der Marktforscher Gartner berichtet. Das entspricht einem Marktanteil von 22,9 Prozent. Auch im lukrativen Smartphone-Markt ist der Konzern gut aufgestellt, er setzte 55 Millionen Geräte ab.
Der einstige Weltmarktführer Nokia lässt Federn. Im dritten Quartal 2012 verkaufte er nur noch 82 Millionen Handys (19,2 Prozent Marktanteil). Im Vorjahreszeitraum waren es noch mehr als 105 Millionen Geräte. Darunter waren laut Gartner aber nur 7,2 Millionen Smartphones, die deutlich mehr abwerfen als die Günstig-Handys.
Apple verkaufte im dritten Quartal 23,6 Millionen Smartphones, ein deutlicher Zuwachs von mehr als 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Handymarkt hält Apple 5,5 Prozent Marktanteil, im lukrativen Smartphone-Markt sogar 13,9 Prozent.
Der Blackberry-Hersteller Research in Motion steckt ebenso wie Nokia tief in der Krise. Die Kanadier setzten im dritten Quartal 2012 rund 9 Millionen ihrer E-Mail-Maschinen ab, rund ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil bei den Handys ist auf 2,1 Prozent geschrumpft, bei den Smartphones sind es immerhin noch 5,3 Prozent.
Der Handymarkt ist schwer umkämpft, Traditionsunternehmen wie Aufsteiger buhlen um die Gunst der Käufer. Der chinesische Hersteller ZTE verkaufte im dritten Quartal 16,7 Millionen Geräte (3,9 Prozent Marktanteil), Huawei 12 Millionen Handys (2,8 Prozent). LG wurde 14 Millionen Geräte los (3,3 Prozent), die Google-Tochter Motorola 8,6 Millionen (2 Prozent), dicht gefolgt von HTC mit 8,4 Millionen.
Das Unternehmen reagierte zudem mit einer harten Restrukturierung. Nach mehreren Streichrunden sollen bis Ende 2013 weitere 10.000 Arbeitsplätze wegfallen, also jede fünfte Stelle im Handygeschäft. Auch das Entwicklungszentrum in Ulm schloss Nokia. Zuletzt kündigte der Hersteller an, in der IT-Organisation bis zu 300 Stellen zu streichen und weitere 820 an Dienstleister in Indien auszulagern – vor allem der finnische Stammsitz ist davon betroffen.

Die Geschichte von Nokia beginnt bereits 1865. Damals baute Fredrik Idestam im Süden von Finnland eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später baute er eine zweite nahe des Nokianvirta Flusses - dieses Gewässer gab dem Unternehmen den Namen.

Im Jahr 1898 gründet Eduard Polón eine finnische Gummifabrik, die unter anderem Stiefel herstellt. Das Unternehmen geht 1967 gemeinsam mit der Papierfabrik und dem 1912 gegründeten Kabelunternehmen Finnish Cable Works in Nokia auf.

1987 stellte Nokia das erste mobile Handtelefon vor. Zuvor waren Mobiltelefone stets fest installiert in Autos. Das Handy mit dem Namen Mobira Cityman wog 800 Gramm und kostete rund 4560 Euro.

Aus dem Gemischtwarenladen wurde ein erfolgreicher Weltkonzern. 1998 wird Nokia zum weltweiten Marktführer bei Handys.

Doch den neuen Trend, den der Smartphones, führt der finnische Handyhersteller inzwischen nicht mehr an. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre sank der Weltmarktanteil von Nokias von knapp 40 Prozent auf knapp 23 Prozent. Das spiegeln auch die Zahlen wieder: Im dritten Quartal 2011 machte das Unternehmen ein Vorsteuerminus von 83 Millionen Euro. Im Bild ein Nokia N9.

Auch im Anfang Oktober veröffentlichten Markenranking des Beratungshaus Interbrand flog Nokia aus den besten zehn Marken weltweit raus. Das Unternehmen führte die Liste der größten Markenwertverlierer an. Gegenüber dem Vorjahr hat der Name15 Prozent an Wert verloren.

Im Februar dieses Jahres gab sich der Handyriese geschlagen und kündigte an, bei Smartphones künftig auf sein hauseigenes Betriebssystem Symbian zu verzichten. Stattdessen ging Nokia-Chef Stephen Elop (links) mit Microsoft-Chef Steve Ballmer (rechts) eine Kooperation für seine Handy-Software ein.
Die Geschichte von Nokia beginnt bereits 1865. Damals baute Fredrik Idestam im Süden von Finnland eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später baute er eine zweite nahe des Nokianvirta Flusses - dieses Gewässer gab dem Unternehmen den Namen.

SONY - ehemalige Sony Ericsson wurde wohl in der Artikel vergessen. Ich kann kaum auf das neue wasserfeste XPERIA Z warten.

Seh ich ganz genauso, anfangs obernervig und mehr als gewöhnungsbedürftig, einen Tag braucht man schon zum Klarkommen, aber dann läuft's. Außerdem spielen das Thema Umweltschutz und Arbeitsbedingungen bei Nokia eine große Rolle, was ich auch nicht unwesentlich finde. Apple hingegen produziert unter miesesten Bedingungen in China.

Im vierten Quartal hat Nokia auch von RIM eine hohe Patentgebühr kassiert. Das mit den Abschreibungen dürfte Nokia auch sehr optimistisch angehen. Schließlich möchte man ja den Nokia Aktienkurs ein wenig puschen. Für die Kreditaufnahme sind legal geschönte Zahlen auch nicht schlecht.
Mal sehen, ob Nokia noch eine Dividende dieses Jahr auszahlt. Mit den Junk Rating bräuchte Nokia jede flüssige Mark zum überleben.
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