Nokia in der Krise

Die neuen Smartphones müssen es richten

Bei Nokia regiert das Prinzip Hoffnung: Die aktuellen Smartphones verkaufen sich mehr schlecht als recht, Verluste türmen sich auf. Jetzt kommt es auf die neuen Modelle an, die der finnische Konzern bald herausbringt.
Update: 18.10.2012 - 16:31 Uhr 13 Kommentare
Baustelle Nokia: Der finnische Handyhersteller schreibt weiter tiefrote Zahlen. Quelle: dpa

Baustelle Nokia: Der finnische Handyhersteller schreibt weiter tiefrote Zahlen.

Es war klar, dass der kriselnde Handyhersteller Nokia schlechte Zahlen vorlegen würde – die Frage war nur: Wie schlecht? Im vergangenen Quartal waren die Verluste nicht so hoch wie von Experten befürchtet: Der Fehlbetrag erreichte 969 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Das sei ein Minus von sieben Cent je Aktie, vier Cent weniger als von Analysten erwartet. Ein Rekordgewinn des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks ließ die Zahlen des finnischen Konzerns besser aussehen. Nokia-Aktien legten nach Bekanntgabe der Zahlen zunächst zu, rutschten dann aber ins Minus.

Trotzdem addierte sich das Minus seit Jahresbeginn auf 3,3 Milliarden Euro. Der Quartalsumsatz brach im Jahresvergleich um fast ein Fünftel auf 7,24 Milliarden Euro ein, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Besonders schmerzhaft: Beim Absatz seiner Lumia-Smartphones - des wichtigsten Hoffnungsträgers - erlitt Nokia einen Rückschlag. Die Verkäufe sanken im Quartalsvergleich von 4 auf 2,9 Millionen Geräte. Demnächst kommen allerdings neue Modelle mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 8 auf den Markt. Mit ihnen verbindet Nokia die Hoffnung, wieder Anschluss im Smartphone-Markt an Rivalen wie Apple und Samsung zu finden. Zum Vergleich: Samsung verkauft mehr als 50 Millionen Smartphones pro Quartal, Apples iPhone kam noch auf rund 26 Millionen Geräte selbst als viele Fans schon auf die nächste Generation warteten.

Insgesamt wurde Nokia im dritten Quartal knapp 83 Millionen Smartphones und einfache Handys los. Das war ein Einbruch von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und immerhin nur ein dünnes Minus um ein Prozent gegenüber dem zweiten Vierteljahr. Der Durchschnittspreis der verkauften Geräte sinkt kontinuierlich, auf zuletzt 43 Euro statt 51 Euro vor einem Jahr und 48 Euro noch im vergangenen Quartal. Als Erfolg wertete Nokia den Start seiner „Billig-Smartphones“ der Asha-Serie mit 6,5 Millionen verkauften Geräten.

Zugleich konnte Nokia den Absatz einfacher Handys im Quartalsvergleich um vier Prozent auf 76,6 Millionen Geräte steigern. Gemessen am zum Vorjahresquartal bedeutete das allerdings einen satten Rückgang von 15 Prozent.

Die Hoffnungsträger: Mit den neuen Lumia-Smartphones will Nokia wieder angreifen. Quelle: dpa

Die Hoffnungsträger: Mit den neuen Lumia-Smartphones will Nokia wieder angreifen.

Nokia hatte bei Smartphones zu lange auf seine betagte Symbian-Software gesetzt und war in den vergangenen Jahren von Apple mit seinem iPhone und Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android abgehängt worden. Anfang 2011 setzte Nokia vor allem auf Microsofts Windows Phone als Smartphone-Plattform. Die vor einem Jahr erschienenen Computer-Handys der Lumia-Reihe konnten jedoch bisher nicht mit dem Absatz der Konkurrenz mithalten. In diesem Jahr stieß Samsung den finnischen Konzern nach mehr als einem Jahrzehnt vom Thron des weltgrößten Handy-Herstellers.

Gut liefen die Geschäfte hingegen beim Nokia Siemens Networks (NSN) : Der Netzwerkbauer hat es erstmals in seiner Unternehmensgeschichte zu einem nennenswerten Quartalsgewinn gebracht. Im abgelaufenen Vierteljahr habe das operative Ergebnis 182 Millionen Euro betragen. Im Vorjahr stand noch ein Verlust von 114 Millionen Euro zu Buche. „Nokia Siemens Networks hatte ein bemerkenswertes Quartal mit einer Rekordprofitabilität“, lobte Nokia-Chef Stephen Elop. Die Zahlen dürften auch seinen Partner Siemens freuen, mit dem NSN im April 2007 aus der Taufe gehoben wurde. Bislang hatte NSN nur in den Schlussquartalen der vergangenen drei Jahre eine schwarze Null erwirtschaftet.

Vom Gummistiefelhersteller zum Handyriesen
Landesforsten leiden unter Wirtschaftskrise
1 von 7

Die Geschichte von Nokia begann 1865: Damals baute Fredrik Idestam im Süden von Finnland eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später ließ er eine zweite nahe des Nokianvirta Flusses errichten – dieses Gewässer gab dem Unternehmen den Namen.

huGO-BildID: 23864095 Gummistiefel
2 von 7

Im Jahr 1898 gründete Eduard Polón eine finnische Gummifabrik, die unter anderem Stiefel herstellte. Das Unternehmen ging 1967 gemeinsam mit der Papierfabrik und dem 1912 gegründeten Kabelunternehmen Finnish Cable Works in Nokia auf.

Mobira Cityman 900
3 von 7

1987 stellte Nokia das erste mobile Handtelefon vor. Zuvor waren Mobiltelefone stets fest in Autos installiert. Das Handy mit dem Namen Mobira Cityman wog 800 Gramm und kostete rund 4560 Euro.

Nokia veröffentlicht Quartalszahlen
4 von 7

Aus dem Gemischtwarenladen entwickelte sich über die Jahre ein erfolgreicher Technologiekonzern, auf den ganz Finnland stolz war. 1998 wurde Nokia zum weltweiten Marktführer im noch jungen Markt für Handys.

A staff member displays a Nokia N9 mobile phone during the CommunicAsia expo in Singapore
5 von 7

Doch die Dominanz bröckelte, nachdem Apple das iPhone vorgestellt hatte. Der finnische Handyhersteller reagierte zu spät auf den Trend zu Smartphones – im Bild ein N9. Binnen weniger Jahre sank der Marktanteil der einstigen Nummer 1 von knapp 40 Prozent auf zuletzt 14 Prozent, bei Smartphones sieht es sogar noch schlechter aus. Nokia rutschte tief in die roten Zahlen.

Nokia will mit Windows-Smartphones wieder nach vorn
6 von 7

Auch im Anfang Oktober veröffentlichten Markenranking des Beratungshaus Interbrand flog Nokia aus den besten zehn Marken weltweit raus. Das Unternehmen führte die Liste der größten Markenwertverlierer an. Gegenüber dem Vorjahr hat der Name15 Prozent an Wert verloren.

Nokia chief executive Stephen Elop welcomes Microsoft chief executive Steve Ballmer with a handshake at a Nokia event in London
7 von 7

Im Februar 2011 kündigte der Handyriese an, bei Smartphones künftig auf sein hauseigenes Betriebssystem Symbian zu verzichten. Stattdessen ging Nokia-Chef Stephen Elop (links) mit Microsoft-Chef Steve Ballmer (rechts) eine Kooperation für seine Handy-Software ein. Im September 2013 dann der Paukenschlag: Microsoft kündigte an, das Handy-Geschäft der Finnen komplett zu übernehmen. Elop wechselt zu Microsoft. Bei Nokia verbleiben die Netzwerksparte NSN, der Kartendienst Here sowie die Patente. Im April 2014 war der Deal endgültig abgeschlossen.

Internationale Agenturen hatten die Nokia-Ratings in den vergangenen Monaten auf Ramsch-Niveau abgestuft. Der Konzern erwägt auch, sein Hauptquartier in Finnland zu verkaufen und zurückzumieten.

  • dpa
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Nokia in der Krise - Die neuen Smartphones müssen es richten

13 Kommentare zu "Nokia in der Krise: Die neuen Smartphones müssen es richten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • DEPPEN! Es gibt keine DROHNEN.
    Das was da bei Rheinmetall 3sat - DefenCe (mit C) über den Äther flimmert sind stinknomrale CRUISE MISSILES aus den 1980ern!

    Wer dan tsärkeren Sender hat und dei VErshclüsselung eiens Stseruungsyystem des Gengner kennt kann die probblemlos abfnagen. Stärkerer Sender - Das entscheidet sich augf halber Strecke zwsichen Sat und Boden. daher fliegen atomare langstarkenrakten eine Parabel im Weltraum und fallen dann wie ein Stein. sobelieben sie möglichts lange in der nähe eigener Sender die an den Sats montiert sind.

    DIE BENÖTIGTE SENDELISTUNG STEIGT OMNIDIREKTIONAL ÜBER PROPORTIONAL ZUR ENTFERNUNG

    Im Film zu sehen Am Anfang des James Bonds mit Brandauer (Tränen Allahs) als solche ABGEFANGEN werden.

  • Konkursverschleppung -> Steuerhinterziehung (seitens der Kreditgeber) -> Schuldknechtschaft!

  • Soeben erledigt!

    http://www.faz.net/aktuell/wie-prostituierte-1233844.html
    http://central.banktunnel.eu/20121018-1930-ostend-wuerger-anno.jpg

    und nicht bergessen - PORNOS im INTERNET verbreiten anders als im echten leben GESCHLECHTSKANKHEITEN. da bekommst du die ueber untreue freundinnen ab.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%